Elfershausen

Elfershausen: Vom Adelssitz zum Rathaus

Das Schloss Elfershausen, das heutige Rathaus, hat eine bewegte Geschichte. Otmar Pfister führte Geschichtsinteressierte in die Historie ein und erzählte vom früheren Adelsgeschlecht von Erthal.
Mitglieder des Geschichtskreises Schweinfurt, Bad Kissingen und Hammelburg informierten sich beim Rundgang mit Otmar Pfister im Erthal-Schloss und über das Geschlecht der Adeligen. Foto: Winfried Ehling       -  Mitglieder des Geschichtskreises Schweinfurt, Bad Kissingen und Hammelburg informierten sich beim Rundgang mit Otmar Pfister im Erthal-Schloss und über das Geschlecht der Adeligen. Foto: Winfried Ehling
Mitglieder des Geschichtskreises Schweinfurt, Bad Kissingen und Hammelburg informierten sich beim Rundgang mit Otmar Pfister im Erthal-Schloss und über das Geschlecht der Adeligen. Foto: Winfried Ehling

Die Herren von Erthal und die Geschichte ihres Schlosses - das heutige Rathaus - brachte Altbürgermeister Otmar Pfister den Mitgliedern des Geschichtskreis Schweinfurt, Bad Kissingen und Hammelburg in einer Führung nahe. Otmar Pfister, nicht nur exzellenter Kenner der Trimburg, hat die Historie der Familie von Erthal und des Schlosses, indem er einst selbst als Bürgermeister residierte, recherchiert.

Nach Begrüßung durch Bürgermeister Karlheinz Kickuth und Führer Pfister erfuhren die Geschichtsinteressierten, dass sich das Gebäude einst im Würzburger Besitz befand und als Lehen an verschiedene Adelige vergeben wurde.

Unter Bezug auf das älteste, bekannte Datum, das Jahr 1454, erhielten Anton und Heinrich von Erthal das Hofgut Elfershausen , denen Ende des 15. Jahrhunderts die Herren von Fischborn, in der Nähe von Bad Orb, folgten. Nach dieser Ära waren es erneut die von Erthal und die von Hutten Herren der Lehensgüter.

Im Bauernkrieg ausgebrannt, kauften die Erthal das Lehen. Christoph Heinrich von Erthal rekonstruierte 1562 das Herrschaftsgebäude, das 1705 einen Ökonomiebau erhielt. Fürstbischof Franz Ludwig von Erthal beabsichtigte offenbar den Herrensitz zum Wasserschloss umzubauen. Wie Pfister an einem großen Gobelin einer Ausstellung auf der Feste Marienberg in Würzburg ersah, war das Elfershausener Schloss einst von Wasser umgeben dargestellt. Tatsächlich liegt der Grundwasserspiegel hier eineinhalb Meter unter dem Niveau.

Das Wohnhaus ist ein zweigeschossiger Barockbau mit überhöhtem Erdgeschoss und Mansardendach. An der Nordost-Seite befindet sich das Wappen der Erthals. Die Ecken des Hauses zieren Pilasterpfeiler, der Eingang führt über ein Freitreppe in den heutigen Sitzungssaal, in dem die Besucher Platz nahmen.

Auf Bitte der Gäste ging der Heimatforscher auf Geschichte von Adalfrideshusen und die Neuzeit Elfershausens ein, das heuer seinen 1200. Geburtstag feiert. Die fünf Ortsteile des Markts verbindet die Trimburg, die 1018 erste urkundliche Erwähnung findet und heute Eigentum des Markts ist.

Zurück zu den Erthals, die in Elfershausen im Jahr 1404 namentlich auftraten. Ob sie tatsächlich vor dem Bau des Schlosses hier wohnten, ist nicht bekannt. Nach dem Bauernkrieg verkauften die Eigentümer, die Herren von Hutten, das ausgebrannte Gebäude an die von Erthal. Die Bauern zwangen jedoch Burkard von Erthal mit ihnen gegen das Kloster Aura zu ziehen, was Konsequenzen für den Besitzer hatte, der erst nach 25 Jahren völlig rehabilitiert war.

Hans-Jörg und Christoph-Heinrich teilten sich das 1555 das väterliche Erbe und errichteten dadurch eine fuldische Linie in Untererthal und ein fränkische Linie in Elfershausen . Im Jahr 1640 starb die fuldische Linie aus, die fränkische bestand weiter bis 1805, als der kinderlose Lothar Franz von Erthal den Namen mit ins Grab nahm.

Die Lehen fielen an das Fürstentum Würzburg zurück, das sie an Carl von Coudenhove, ein niederländisches Adelsgeschlecht, vergab. Ein mehrmaliger Wechsel in der Folgezeit führt schließlich in das Jahr 1938, als der "Reichsarbeitsdienst" das Gebäude als Unterkunft für weibliche Arbeits-Jugend übernahm. Die so genannten "Arbeitsmaiden" führten hier landwirtschaftliche Arbeiten aus. Eine von ihnen, die Gattin des ehemaligen Bundesministers Werner Dollinger , hatte Pfister bei einer Besichtigung getroffen. Die Glocke, die heute noch im Eingangsbereich hängt, weckte morgens die Maiden.

Nach dem Krieg diente das Schloss als Unterkunft für Vertriebene und Flüchtlinge. Seinerzeit musste das Holz-Sprengwerk im Dachgeschoß als Brennholz dienen. Darunter litt in der Folgezeit das gesamte Dach, das mit viel Geld fachgerecht repariert wurde. Seit 1968 ist das Schloss Rathaus, Sitz der Verwaltungsgemeinschaft und Gemeindeverwaltung.

Ein von Erthal, der 1730 geborene Franz Ludwig, sei noch erwähnt. Mit zahlreichen Titeln und Ämtern - auch im weltlichen Bereich - ausgestattet, wurde er 1779 Fürstbischof von Würzburg und in Personalunion Fürst-Erzbischof von Bamberg. Durchdrungen von den Ideen der Aufklärung lag im die Verbesserung der Lebensumstände der Bevölkerung am Herzen. Er bemühte sich um Belebung des Handels und Gewerbes und besonders des Handwerks und der Landwirtschaft . Prunk verschmähend kümmerte er sich um dem Ausbau von Straßen, Industrieanlagen und das Schulwesens sowie der Lehrerbildung. Zudem schaffte er die Todesstrafe ab.

Georg Kreiner, der Sprecher der Besichtigungsgruppe, dankte Pfister mit einem Bocksbeutel und den Worten: "Wir werden künftig mit Ehrfurcht an die von Erthal und Elfershausen denken". Bürgermeister Kickuth erhielt eine historische Postkarte.

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