Bad Kissingen

Erinnerung an die Schulzeit

Der Jahrgang 1939 traf sich zu einem Wiedersehen in Bad Kissingen. Diese Treffen organisiert seit vielen Jahren Gerd Schindelmann.
Der Kissinger Geburtsjahrgang 1939 wurde 1945 in der ehemaligen und nun abgerissenen Berufsschule eingeschult. Seit 1989 organisiert Gerd Schindelmann regelmäßig im Abstand von fünf Jahren ein Treffen für die inzwischen alten, aber rüstigen Herren. Foto: Peter Rauch
Der Kissinger Geburtsjahrgang 1939 wurde 1945 in der ehemaligen und nun abgerissenen Berufsschule eingeschult. Seit 1989 organisiert Gerd Schindelmann regelmäßig im Abstand von fünf Jahren ein Treffen für die inzwischen alten, aber rüstigen Herren. Foto: Peter Rauch

Seit 1989 veranstaltet in schöner Regelmäßigkeit Gerd Schindelmann "sein" Klassentreffen. Damals waren sie, also die erste Jungsklasse, die nach dem Krieg in Bad Kissingen eingeschult wurde, alle gerade 50 Jahre alt geworden.

Zwischen 30 und 40 der ehemaligen Schüler müssen es gewesen sein, die zum ersten Treffen kamen, erinnern sich einige bei dem jüngsten Wiedersehen. Rund 30 Klassenkameraden könne man heute noch ausfindig machen, 20 haben ihr Kommen zugesagt, zum Museumsbesuch in der Oberen Saline erscheint dann doch nur ein gutes Dutzend. Alter und Krankheit zehren doch schwer an der einst so großen Schulklasse. "1945, bei unserer Einschulung , waren wir über 60 Erstklässler ", lässt einer der Ehemaligen wissen und betont nachhaltig, dass das natürlich nur alles Buben waren, denn "die Mädels waren ja strikt von uns getrennt in einer anderen Klasse".

Ja, vieles sei damals anders gewesen. So sei die Schuleinschreibung noch in der "Judenschule", dem jetzigen jüdischen Bethaus zwischen Maxstraße und Salinenparkplatz, erfolgt. Der Schulbetrieb fand dann die ersten Jahre in der nun abgerissenen, späteren Berufsschule in der Maxstraße statt. "Die Amis hatten '45 ja fast alle größeren Häuser und Gebäude besetzt, so auch die Klieglschule, die es damals schon gab", erzählt Gerd Schindelmann, und dass im Pausenhof (jetziger Mitarbeiter- Parkplatz des Landratsamtes) immer noch ein Flakgeschütz auf drehbarer Lafette gestanden habe, "das war unser Karussell".

Nachsitzen bei den Mädchen

Aber auch an die Lehrer und Lehrerinnen haben die meisten noch gute, oftmals auch schmerzhafte Erinnerungen. Ohrfeigen und "sechs auf die Finger mit dem Rohrstock" waren damals ein übliches Erziehungsmittel. Schlimm nur, wenn man den Rohrstock im Direktorat abholen musste, weil da das Vergehen an höherer Stelle erzählt werden musste. Nicht schön, aber immer noch besser als Nachsitzen war das damals gebräuchliche 50- oder 100-malige Schreiben von: "Ich darf nicht...". Nachsitzen, das war eigentlich für die damals sechs- bis siebenjährigen Buben das Schlimmste, geschah es doch grundsätzlich am Nachmittag in einer der Mädelsklassen. Es gab trotz der Armut und des Hungers - einige kamen den ganzen Sommer über barfuß, um das einzige Paar Schuhe zu schonen - doch auch schöne Schultage: Einer dieser Tage war, wenn Sport angesagt war, was allerdings nur zur Notenvergabe einmal im Jahr vorkam.

Eine Eins für einen Handstand

"Unsere Lehrerin, sonst sehr streng mit dem Rohrstock, brachte an diesem Schultag ihren Bettvorleger mit. Für eine 3 im Turnen reichte es, darauf einen Purzelbaum zu machen, für die 2 war ein Kopfstand oder eine Kerze notwendig, und wer einen Handstand beherrschte, dem war ein "sehr gut" im Turnen sicher. Noch heute bewundern die alten Herrn Horst Zintl, der dies als einziger in der Klasse schaffte und als damaliges Sportass galt. Neidvoll durfte er auch an einem Sportwettkampf direkt auf dem Kreuzberg teilnehmen. "Ein großer Haufen Sägemehl mit einem Strich davor, das war damals unsere Sprunggrube und mit Sägemehllinien war auch die Sprintstrecke markiert." Die erste Hälfte ging es bergauf, dann bergab zum Ziel nach dem 50- Meter-Lauf. Viele der damaligen Schüler beneideten den späteren Kissinger Zuckerbäcker um seinen Kreuzbergtripp, kamen sie doch zum Teil erst Jahre später auf den Berg der Franken. Viele der ehemaligen Schüler seien aber recht bald wieder aus Bad Kissingen verzogen, weiß Gerd Schindelmann. "Es gab damals in der Stadt halt sehr viele Heimatvertriebene und Menschen, die durch die Kriegswirren gerade in den deutschen Großstädten buchstäblich ihr Dach über dem Kopf verloren hatten". Inzwischen sterben natürlich auch immer mehr unserer Mitschüler , wirft ein Klassenkamerad ein, und nach dem Museumsbesuch in der Oberen Saline geht es daher in die Sankt Elisabeth Kirche nach Garitz, wo Walter Horn dann die Namen jener zwölf Mitschüler verliest, die seit dem Treffen 2014 verstorben sind.

Schlagworte

  • Bad Kissingen
  • Berufsschulen
  • Einschulung
  • Erstklässler
  • Großstädte
  • Kriegswirren
  • Mitschüler
  • Schulbetrieb
  • Schulklassen
  • Schulzeit
  • Schülerinnen und Schüler
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0

Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!