Bad Kissingen

Eule: Verkauf beschäftigt Kissinger Stadträte

Der Wirt der Kneipe Zoom Eulenspiegel und ein Unterstützerverein stellen sich gegen die Pläne der Stadt, das Gebäude zu verkaufen. Das Thema soll am Mittwoch im Finanzausschuss beraten werden.
Markante Fassade: Die Kissinger Kultkneipe Zoom Eulenspiegel. Foto: Benedikt Borst
Markante Fassade: Die Kissinger Kultkneipe Zoom Eulenspiegel. Foto: Benedikt Borst

Die Stadt besitzt mehrere Gastbetriebe, die sie an private Betreiber verpachtet. Dazu gehören das Forsthaus Klaushof, der seit mehr als einem Jahr leerstehende Ratskeller und auch die Kneipe Zoom Eulenspiegel, kurz die Eule. Um letztere kursieren bereits seit einigen Monaten Gerüchte, wonach die Stadt sie an einen privaten Käufer veräußern wolle. Jetzt scheint es ernst zu werden. Am Mittwoch soll im Finanzausschuss im nichtöffentlichen Teil der Sitzung über die Eule beraten werden. Das war von gut unterrichteten Quellen zu erfahren. Eine offizielle Bestätigung aus dem Rathaus gab es dafür jedoch nicht.

Eulenwirt Christian Hänsch sieht sich damit im Ungewissen. Er berichtet, dass die Stadt ihn gefragt hat, ob er im Falle eines Verkaufs weiterhin die Eule als Pächter betreiben will. "Wenn sie es verkaufen, ist für mich Feierabend. Das habe ich so mitgeteilt", sagt er. Die Stadt habe ihm zwar angeboten, die Modalitäten mit einem möglichen Käufer auszuloten, Hänsch sieht einen privaten Investor aber mit großer Skepsis. Er fürchtet, dass die Eule weiterverkauft wird und dass die Pachtzahlungen immer höher werden. "Man hat an der Eishalle gesehen, was diese Verträge wert sind", meint er.

Hänsch sieht keine Notwendigkeit, dass die Stadt verkauft. Das denkmalgeschützte Gebäude befinde sich baulich in gutem Zustand. Es würden keine teuren Renovierungsarbeiten anstehen. In den vergangenen Jahren habe die Eule keine größeren Kosten verursacht. Er zahle seine Pacht und kümmere sich um die Instandhaltung .

Offener Brief an OB

Im Herbst hatte sich ein Unterstützerverein mit dem Namen Die Eule muss bleiben (DEMB) gegründet, der sich für den Erhalt der Kneipe "als kulturellen Treffpunkt" einsetzt. Der hat sich am Montag in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Kay Blankenburg ( SPD ) gewendet. Man habe guten Grund zu der Annahme, dass die Gespräche mit dem Interessenten, einem in der Stadt tätigen Gastronomie-Unternehmen, weit gediehen sind.

Der nach eigenen Angaben 200 Mitglieder zählende Verein unterstreicht die Bedeutung, die er der Eule als kulturellen Treffpunkt und als generationenübergreifenden Anlaufpunkt beimisst. Der Verein äußert seine Bedenken gegen den Verkauf. Es seien steigende Pachtzahlungen und höhere Preise für Essen und Getränke zu befürchten. "Hier in der Eule trifft sich [...] der gesamte soziale und kulturelle Querschnitt der Stadt [...]. Das alles setzen sie durch einen Verkauf [...] aufs Spiel", heißt es.

Zuspruch aus dem Stadtrat

Das Rathaus kommentiert die Angelegenheit nicht und verweist darauf, dass Grundstücksangelegenheiten grundsätzlich nichtöffentlich behandelt werden. Pressesprecher Thomas Hack verweist auf die laufende Haushaltskonsolidierung . Die verpflichte die Stadt, permanent zu überprüfen, welche Objekte sie zur Erfüllung ihrer Aufgaben braucht. "Eine Gaststätte ist keine Pflichtaufgabe", sagt er.

Bei den Stadtratsfraktionen scheint es keine Mehrheit für einen Verkauf zu geben, auch wenn das nicht explizit gesagt wird. Man beschäftige sich intensiv mit dem Thema und habe die Beteiligten zur Fraktionssitzung am (gestrigen) Montagabend eingeladen, berichtet Steffen Hörtler für die CSU . Die Eule sei prägnant, decke einen Bereich ab, den es sonst in der Stadt so nicht gebe und hänge mit der Person Hänsch zusammen. Ziel müsse sein, dafür zu sorgen "dass die Eule das auch in den nächsten Jahren bleibt."

Ähnlich äußern sich die übrigen Fraktionen. "Die Eule ist für mich als gastronomische Einrichtung gesetzt", meint Richard Fix (Grüne) für die Ausschussgemeinschaft. SPD-Fraktionssprecher Bernd Czelustek ist grundsätzlich der Meinung, "dass die Eule als Kultkneipe erhalten bleiben" soll. Genaueres werde die Fraktion besprechen, wenn es zur Debatte steht. Andreas Kaiser ( Freie Wähler ) findet ebenso, dass die Kneipe zu Kissingen gehört.

Florian Keßler (DBK) sieht keine Notwendigkeit, die Eule zu veräußern. Wenn ein Pächterwechsel anstehen würde, werde die Stadt kaum Probleme haben, einen Nachfolger zu finden. "Die Eule ist ein Kulturgut der Stadt. Ich würde sie nicht verkaufen", sagt er.

Kommentar: Vier Gründe gegen Verkauf

Die Haushaltskonsolidierung verlangt von der Stadt zu überprüfen, ob sie freiwillige Aufgaben einstellen oder an andere abgeben kann. Ein Gaststättengebäude zu unterhalten, ist nicht primäre Aufgabe der Stadt, heißt es. Ich denke, das greift zu kurz.

Erstens: Die Eule verursacht kein jährliches Defizit, das den Haushalt belastet. Im Gegenteil. Es handelt sich um ein denkmalgeschütztes Gebäude in zentraler Lage - ein Wertgegenstand. In den letzten Jahren haben auch in Bad Kissingen die Immobilienpreise angezogen. Sollte die Stadt Weltkulturerbe werden, wird sich das sicher nicht negativ auf den Wert des Gebäudes auswirken. Man könnte die Eule also auch als Wertanlage sehen. Im Rathaus käme man ja auch nicht auf die Idee, den Stadtwald zu verkaufen.

Zweitens: Die Eule ist mehr als nur eine Kneipe, in der die Leute sich auf ein Feierabendbier treffen. Mit Live-Konzerten, Lesungen und Diskussionen erfüllt sie einen kulturellen Zweck und zwar für eine alternatives Publikum. Für diese Zielgruppe ist sonst nicht viel geboten.

Drittens: Dass viele Leute sich so emotional gegen den Verkauf stellen, hat damit zu tun, dass Kissingen bei Privatisierungen bislang kein glückliches Händchen bewiesen hat. Der Verkauf der Eishalle ist ein Fiasko und auch der Dörnröschenschlaf am Palais Erthal ist alles andere als befriedigend. Als Oberzentrum sollte Bad Kissingen Funktionen erfüllen, die die umliegenden Gemeinden nicht leisten. Als mögliche Welterbestadt sollte es gerade mit seiner historischen Bausubstanz sehr sorgfältig umgehen.

Viertens: Aktuell laufen Untersuchungen, wie sich der Welterbetitel touristisch auswirken könnte. Es wird analysiert, welche Gäste kommen und welche Angebote die Stadt für sie haben muss. Da ist auch die Gastronomie ein Thema. Wenn die Stadt unbedingt verkaufen will, sollte sie wenigstens diese Studie abwarten und nicht im Vorfeld Fakten schaffen.

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