Bad Bocklet

Feuerwehrbedarfsplan zeigt dringenden Handlungsbedarf

In der Sitzung lag dem Bad Bockleter Gemeinderat ein 130 Seiten dickes Gutachten vor, das den Bedarf der Feuerwehren im Markt erläutert.
Der Feuerwehrbedarfsplan macht deutlich, dass es den Freiwilligen Wehren oft nicht nur an der Ausrüstung, sondern vor allem auch an Personal  - vor allem unter der Woche - fehlt.Archiv/Schaar       -  Der Feuerwehrbedarfsplan macht deutlich, dass es den Freiwilligen Wehren oft nicht nur an der Ausrüstung, sondern vor allem auch an Personal  - vor allem unter der Woche - fehlt.Archiv/Schaar
Der Feuerwehrbedarfsplan macht deutlich, dass es den Freiwilligen Wehren oft nicht nur an der Ausrüstung, sondern vor allem auch an Personal - vor allem unter der Woche - fehlt.Archiv/Schaar

Vor einem Jahr hatte Bad Bocklets Bürgermeister Andreas Sandwall ( CSU ) das Ingenieurbüro Brandschutz Renninger in Eßfeld (Landkreis Würzburg) mit der Erstellung eines Feuerwehrbedarfsplans beauftragt. Nach Erfassung aller Daten, Gesprächen mit den Kommandanten aller sieben Feuerwehren , Workshops und Ortsbegehungen stellten Inhaber Philipp Renninger und sein für die Planerstellung verantwortlicher Fachmann Christof Frank am Montag die Ergebnisse ihres 130-seitigen Gutachtens dem Gemeinderat vor.

"Freiwillige Feuerwehren kommen jede Gemeinde billiger als Berufsfeuerwehren ", mahnte Renninger in seinem Schlusswort und forderte damit Rathaus und Gemeinderat auf, die bei den jeweiligen Ortsfeuerwehren erkannten Mängel in den nächsten Jahren abzustellen. Nach Erfassung aktueller Daten in einer Situationsanalyse, Erstellung einer Gefährdungs- und Risikoanalyse für die einzelnen Ortsteile und die Gesamtgemeinde - hierbei geht es um besonders schützenswerte Großobjekte wie das Rehazentrum Bad Bocklet , Pflegeheime oder Großbetriebe in Großenbrach - und der daraus folgenden Schutzzielsetzungen wurden abschließend die zur Erfüllung dieser Ziele künftig notwendige Ausstattung der jeweiligen Wehren in Gebäuden, Fahrzeugen, Ausstattung und Personal festgelegt.

" Feuerwehren sind in Gemeinden ein sehr emotionales Thema", betonte Renninger, "weshalb wir alle Feuerwehren von Beginn an in unsere Untersuchungen eingebunden haben." Ein wichtiges Kriterium bei der Erstellung des Feuerwehrbedarfsplans sei auch die Abwägung materieller Interessen der Wehren mit den wirtschaftlichen Möglichkeiten des Rathauses gewesen, betonte Renninger. Auch die Begutachtung der tatsächlichen Personalsituation jeder Feuerwehr sei wichtig gewesen. Renninger: "Es bringt der Gemeinde nichts, Fahrzeuge und Häuser zu finanzieren, wenn der Feuerwehr das geeignete Personal fehlt." Oft mangelt es schon am Führerschein für das Löschfahrzeug.

Gerade der personelle Bereich machte den Fachleuten große Sorgen. Es fehlt an Freiwilligen und oft an fachlicher Spezialausbildung oder der tatsächlichen Einsatzbereitschaft der Feuerwehrleute, von denen viele werktags außerhalb ihres Wohnortes arbeiten und im Einsatzfall nicht schnell genug oder gar nicht verfügbar sind. Renninger: "Wir brauchen keine Feuerwehr für den Samstagnachmittag."

Gemeinde bei Lösungssuche gefragt

Andererseits machte Fachmann Christof Frank in seinem Sachvortrag deutlich, dass auch die Gemeindeverwaltung bei der Lösung personeller Probleme gefordert sei. Wenn es in der Gemeinde nur einen Atemschutzgeräteträger (AGT) gibt, andererseits aber 29 Feuerwehrler diese Ausbildung schon haben, ohne noch aktiv zu sein, müssen entweder diese reaktiviert oder junge Leute zur Ausbildung motiviert werden. Häufig fehlt es Ausbildungswilligen an nötiger Fitness, stellte Frank fest. Solche nach erstem Gesundheitstest abgelehnten und deshalb enttäuschten Bewerber sollten seitens der Gemeinde für eine Wiederholung trainiert und motiviert werden.

Trainingsprojekt mit Krankenkassen

Bürgermeister Sandwall arbeitet bereits an einer Lösung: Bad Bocklet will als Gesundheitsstandort gemeinsam mit Krankenkassen ein Trainingsprojekt schaffen, um junge Leute für die ATG-Ausbildung fit zu machen. "Vielleicht schaffen wir sogar ein Modellprojekt für ganz Bayern?" Denn das Fehlen von Atemschutzgeräteträgern sei ein Problem im ganzen Land. "Heute darf niemand in ein brennendes Haus ohne Atemschutzgerät", verwies Frank auf das Vorhandensein von Kunststoffen und entsprechendem Austritt giftiger Gase.

Risikoreiches Gebiet

Nach etlichen Hinweisen auf unzureichenden Fahrzeugbestand, fehlendes Gerät, mangelndes Fachpersonal oder veraltete Feuerwehrhäuser, fasste der Bürgermeister zusammen: "Wir wissen jetzt, wo unsere Schwächen sind. Es gibt viel zu tun." Da das Staatsbad mit Klinik und Pflegeheimen von den Fachleuten als "risikoreichstes Gebiet" benannt wurde, müsse damit begonnen werden. Der Kauf eines 300 000 Euro teuren Löschfahrzeugs sowie weitere Mittel für bauliche Maßnahmen in Gerätehäusern anderer Ortsteile sind bereits in den Haushaltsplänen 2019/2020 berücksichtigt. Sandwall: "Wir arbeiten uns je nach Dringlichkeit von Ort zu Ort vor." Entsprechend schlug Gemeinderat Uto Schmitt die Aufstellung eines Umsetzungsplans für die kommenden Jahre vor mit entsprechender Bereitstellung benötigter Haushaltsmittel.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Bad Bocklet
  • Andreas Sandwall
  • Berufsfeuerwehren
  • Brandschutz
  • CSU
  • Daten und Datentechnik
  • Fachpersonal
  • Feuerwehren
  • Ingenieurbüros
  • Kommunalverwaltungen
  • Mitarbeiter und Personal
  • Ortsteil
  • Pflegeheime
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!