Bad Kissingen

Fitnesstrainer bleibt hinter Gittern

Die Urteile im Sportdoping-Prozess liegen deutlich unter dem Antrag der Staatsanwältin.
Ohne Doping geht im Kraftsport - hier ein Symbolbild - offenbar nichts. Zwei Dealer von Sportdoping-Substanzen hat das Landgericht Schweinfurt jetzt zu Haftstrafen verurteilt. Foto: Thinkstock       -  Ohne Doping geht im Kraftsport - hier ein Symbolbild - offenbar nichts. Zwei Dealer von Sportdoping-Substanzen hat das Landgericht Schweinfurt jetzt zu Haftstrafen verurteilt. Foto: Thinkstock
| Ohne Doping geht im Kraftsport - hier ein Symbolbild - offenbar nichts. Zwei Dealer von Sportdoping-Substanzen hat das Landgericht Schweinfurt jetzt zu Haftstrafen verurteilt. Foto: Thinkstock
Über einen Zeitraum von 15 Monaten hat ein 50 Jahre alter Trainer eines Fitnessstudios im Landkreis Bad Kissingen von seinem 55-jährigen Lieferanten in Nordrhein-Westfalen erhebliche Mengen an Ampullen und Pillen zum Sportdoping bezogen und an interessierte Kraftsportler gewinnbringend weiterverkauft. Erst nach einer anonymen Mitteilung und längerer polizeilicher Überwachung wurden die beiden bei einem Geschäft im Dezember 2016 festgenommen; ebenso die Betreiberin des Fitnessstudios, die 54-jährige Lebensgefährtin des dealenden Trainers.


Seit 15 Monaten in U-Haft

Nach sieben Verhandlungstagen hat die Große Strafkammer des Landgerichts Schweinfurt am Freitagnachmittag die Urteile gesprochen: Der Fitnesstrainer muss wegen unerlaubten gewerbsmäßigen Handeltreibens teils gesundheitsschädlichen Sportdoping-Substanzen dreieinhalb Jahre hinter Gitter und sein Lieferant aus Nordrhein-Westfalen zweieinhalb Jahre. Beide sitzen seit 15 Monaten in Untersuchungshaft. Der mehrfach vorbestrafte Fitnesstrainer bleibt im Gefängnis, sein nicht vorbestrafter Lieferant kommt unter Auflagen aus der U-Haft frei.
Die Staatsanwältin hatte für den Trainer sechs Jahre und zehn Monate Haft beantragt, für seinen Lieferanten vier Jahre und zwei Monate. Bei der Betreiberin des 54-jährigen Fitnessstudios war die Strafkammer - anders als die Anklagevertreterin - nicht von einer Tatbeteiligung überzeugt. Sie kommt wegen Beihilfe zum Dopingmittelhandel mit einer Geldstrafe von 6000 Euro davon. Die Staatsanwältin wollte sie als Mittäterin drei Jahre und zehn Monate hinter Gittern wissen. Damit ist nach sieben Verhandlungstagen ein sehr aufwendiger Prozess zu Ende, in dem das Gericht einen Teil der Anklagevorwürfe als nicht ausreichend erwiesen ansah und diesbezüglich Freisprüche vornahm. Auch den Umfang der gedealten Substanzen, den die Anklagevertreterin als nachweisbar erachtet hatte, sah die Kammer als geringer an, was Einfluss auf die Höhe der Strafen hatte.
Klar war für das Gericht aber: Die beiden Männer handelten gewerblich mit den verbotenen Substanzen zum Muskelaufbau der Kraftsportler. Diese stammten laut Staatsanwältin aus unbekannten, wohl polnischen "Untergrundlaboren". Besonders drei der in den Verkehr gebrachten Präparaten hatte ein Gutachter starke, die Leber schädigende Nebenwirkungen bescheinigt. Zu Gunsten der beiden Männer wertete die Kammer ihre weitreichenden Teilgeständnisse, wenn auch erst gegen Ende des Verfahrens. Zu Lasten des Fitnesstrainers, der in den 90er Jahren sogar einmal Bodybuilder-Weltmeister war, gingen seine sieben Vorstrafen, darunter drei ebenfalls wegen Verstößen gegen das Antidopinggesetz. Die letzte lautete auf zwei Jahre zur Bewährung. Die wird der Mann, sobald die Bewährung widerrufen wird, zusätzlich zu den dreienhalb Jahren Haft aus diesem Prozess absitzen müssen. Bei dem 55-Jährigen aus Nordrhein-Westfalen soll darüber hinaus "Wertersatz" von rund 34 000 Euro eingezogen werden, die bei ihm in der Wohnung und in seiner Hosentasche gefunden wurden und nach Überzeugung des Gerichts aus Straftaten stammen müssen.
Aus demselben Grund wurde bei dem Fitnesstrainer die Einziehung von 5400 Euro angeordnet. Gegen die Urteile sind Rechtsmittel möglich. Stefan Sauer
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