Hammelburg

Förster mahnen: Der Klima-Kampf könnte verloren gehen

Der Bezirkverband des Bundes Deutscher Forstleute mahnt zur Eile. Mit dem Klimastress des Waldes stehen auch die Forstleute unter Druck. Sie haben klare Forderungen.   
Sturm und Trockenheit haben auch diesen Baum umstürzen lassen. Thomas Fikar (links) und Hubert Feuchter, Bezirksvorsitzende des Bund Deutscher Forstleute, haben deutliche Forderungen an die Staatsregierung. 
Sturm und Trockenheit haben auch diesen Baum umstürzen lassen. Thomas Fikar (links) und Hubert Feuchter, Bezirksvorsitzende des Bund Deutscher Forstleute, haben deutliche Forderungen an die Staatsregierung.  Foto: Wolfgang Dünnebier

Ein düsteres Bild zeichnen die Förster Hubert Feuchter (Schonungen) und Thomas Fikar (Oehrberg) von der Lage des Waldes in Unterfranken. In unserer Region zeigen sich die Auswirkungen des Klimawandels ganz besonders. Verschärfte Trockenheit und zunehmende Stürme setzen dem Wald zu.

Ein bis zwei Förster mehr je Betrieb

Das Grundproblem sei von der Staatsregierung schon länger erkannt, räumen die beiden Bezirksvorsitzenden der Forstleute-Gewerkschaft bei einem Pressegespräch ein. Im Freistaat habe man vergleichsweise früh reagiert. Dennoch sehen die beiden Vertreter ihres Berufsstandes Defizite: "Mittel  da, aber um sie in den den Privat- und Kommunalwäldern auf die Fläche zu bringen, brauchen wir jetzt in der Verwaltung mehr Leute", mahnt Hubert Feuchter. Eine weitere Forderung betrifft den Staatswald. Je ein bis zwei Förster mehr für jeden der insgesamt sieben staatlichen Forstbetriebe in Unterfranken seien erforderlich, um die steigenden Herausforderungen zu stemmen.

 Manches gehe zu langsam voran. Zwar seien bereits 200 zusätzliche Förster in der Verwaltung zur Beratung in Privat- und Körperschaftswald zugesagt. Um den Herausforderungen gerecht zu werden, müssten sie aber innerhalb der kommenden fünf Jahre eingestellt werden.  Zusätzliche finanzielle Unterstützung braucht es für den Staatswald. "Um eine naturnahe und kleinteiligere Waldbewirtschaftung zu ermöglichen, sollten dafür in den kommenden drei  Jahre weitere 100 Förster eingestellt werden", fordert Fikar. Doch das ist noch nicht alles: "Der Abbau von Forstwirtsstellen muss gestoppt und neue Forstwirte eingestellt werden", untermauert Hubert Feuchter einen Anspruch seiner Organisation.

"Heute sind wir vor allem Notfallmanager" 

Die aktuelle Dramatik habe sich noch nicht so abgezeichnet, als 2005 bei einer Forstreform die Größe der bayerischen Reviere nahezu verdoppelt wurden. "Damals sind die Flächen alle sechs bis acht Jahre durchforstet worden, jetzt sind wir ständig präsent", umreißt Feuchter den gestiegenen Arbeitsaufwand. "Heute sind wir vor allem Notfallmanager", beschreibt Fikar die Konsequenzen von Windwürfen, Spätfrösten und zunehmendem Schädlingsbefall. Statt zu reagieren, müsse man wieder selbst stärker die Initiative übernehmen.

Als Beispiel nennen Feuchter und Fikar die häufigeren Fußmärsche entlang von bedeutenden Straßen durch den Wald, um die Standfestigkeit der angrenzenden Bäume zu erkunden. Waren solche Begehungen früher zweimal im Jahr fällig, so schaue man inzwischen viermal im Jahr nach der Haltbarkeit von Stämmen und Ästen. Immer häufiger müssen vorsichtshalber Bäume gefällt werden, die umzufallen drohen.

Ein Klima wie in Südfrankreich

Noch unklar ist, wie es gelingen kann, den Wald auf die erwarteten Klima-Gegebenheiten einzustellen. Fachleute der Universität Würzburg prognostizieren für Unterfranken Bedingungen, wie man sie bisher von Südfrankreich her kennt. "Keine Baumart ist ohne Risiko", sagt Hubert Feuchter mit Blick auf die Buchenbestände in Spessart, Rhön und Steigerwald. Durch den Borkenkäferbefall in den Fichtenbeständen müsse der Umbau beschleunigt werden. Hoffnungen ruhen auf Sorten wie Speierling, Elsbeere und Weißtanne. Viel Zeit zum Experimentieren bleibe nicht. "Ein verlorenes Jahr holt man kaum mehr auf", ist Feuchter überzeugt.

Coronakrise verschärft Probleme 

Die Coronakrise hat die Situation der Waldwirtschaft weiter verschärft. Zwar hätten viele Menschen die Erholung im Wald neu schätzen gelernt. Die steigenden Sorgen der Forstleute haben diese Besucher allenfalls am Rande mitbekommen. So ist der bereits vorher schwierige Absatz von Borkenkäfer-Holz zwischenzeitlich europaweit eingebrochen. "Der Markt ist übersättigt", beschreibt Feuchter die Lage.

Die Verschärfungen durch die Pandemie stellen auch Privatwaldbesitzer vor große Herausforderungen. Investitionen würden sich lange nicht auszahlen. Auch in diesem Zusammenhang sehen die Forstleute ihre Beratung stärker gefragt. "Unsere Arbeit bleibt Berufung", schwärmt Thomas Fikar. "Aber man muss merken, dass man sie schaffen kann", fügt er nachdenklich an. Der Bund Deutscher Forstleute hat in Bayern rund 2000 Mitglieder, darunter etwa 350 in Unterfranken.

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