Bad Brückenau

Für einen Abschied in Würde

Die Capio Franz von Prümmer Klinik verfügt jetzt über ein Abschiedszimmer. Hier sollen Angehörige sich von dem Verstorbenen in Ruhe verabschieden können.
Das Abschiedszimmer in der Capio Franz von Prümmer Klinik in Bad Brückenau bietet Angehörigen die Möglichkeit sich von ihrem Verstorbenen in Ruhe und Würde zu verabschieden. Foto: Marion Eckert
Das Abschiedszimmer in der Capio Franz von Prümmer Klinik in Bad Brückenau bietet Angehörigen die Möglichkeit sich von ihrem Verstorbenen in Ruhe und Würde zu verabschieden. Foto: Marion Eckert
Zwei Anlässe zu einem Thema: Palliativmedizinische Versorgung in der Capio Franz von Prümmer Klinik in Bad Brückenau . Zum einen wurde der Palliativkalender "Würde am Lebensende" der Deutschen Palliativstiftung vorgestellt, zum anderen das Abschiedszimmer, das in den vergangenen Monaten in der Klinik eingerichtet wurde.

Mit dem Gedicht "Letztes Lied" von Mascha Kaleko schaffte Verwaltungsdirektorin Sabine Hein einen heiter melancholischen Einstieg in das schwierige Thema, das sich mit Liebe, Sehnsucht, Abschied und Einsamkeit auseinander setzt. "Ich werde fortgehn, Kind. Doch Du sollst leben. Ich bin so müde - aber Du sei heiter", so die Gedichtzeilen.

"Tod und Heiterkeit, wie passt das zusammen?", fragte Hein. Sie betrachtet Sterben aus Palliativmedizinischer Sicht als einen ganzheitlichen Prozess. "Es geht nicht nur um Medizin oder Medizintechnik, die Palliativmedizin widmet sich den physischen, spirituellen und psychosozialen Problemen am Lebensende", erklärte sie. "Aber du sei heiter... Wie kann das gelingen?" In jedem Kontakt mit palliativen Patienten, Klienten, Angehörigen und Freunden habe jeder Mensch die Möglichkeit seinen Teil an Heiterkeit, an Lebensqualität beizutragen. "Wir können dafür sorgen, dass ein uns Anvertrauter gut stirbt." Gut Sterben - Was bedeutet das? "Dass wir einen Raum schaffen. Zeit geben. Zeit für Gemeinsamkeit, Musik, Malerei, Ausflüge in die Natur." Den Sterbenden aber auch mit Würde behandeln. Solche eindrucksvollen Momente finden sich in den Fotos der Kalenderblätter wieder.

Und dennoch bleibt Sterben ein belastetes Thema. Wenn Angehörige wissen, dass ein lieber Mensch in absehbarer Zeit sterben wird, dann geraten sie häufig in eine Ausnahmesituation. Trauer, Hilflosigkeit, Verzweiflung und Angst seien dann Gefühle, die aufkommen können. "Bedenkt, den eigenen Tod, den stirbt man nur, doch mit dem Tod der anderen muss man leben", zitierte die Verwaltungsdirektorin erneut Mascha Kaleko und brachte damit auf den Punkt, worum es beim Abschiedszimmer eigentlich geht: Angehörige sollen die Möglichkeit haben sich angemessen, würdevoll, in Ruhe und abseits vom Klinikbetrieb von ihren Verstorbenen zu verabschieden.

Bisher verfügte die Bad Brückenauer Klinik über keine entsprechenden Räumlichkeiten.  Hein war es schon lange ein Anliegen, hier für eine Verbesserung zu sorgen. Durch räumliche Umstrukturierung wurde es nun möglich. Das Abschiedszimmer liegt im zweiten Stock. Früher war in dem Raum die Pflegedienstleitung untergebracht, die nun habe umziehen müssen.
Der Raum wurde komplett neu gestaltet, mit einem warmen Bodenbelag, einem ansprechenden Farbkonzept, das großformatige Naturbilder beinhaltet. Warmes Licht, Vorhänge, Sitzgelegenheiten sollen für eine persönliche Atmosphäre sorgen. Eine Waschgelegenheit wurde installiert und die Möglichkeit Blumen und eine Kerze aufzustellen geschaffen. In das Abschiedszimmer kommen nur in der Klinik Verstorbene .
Beeindruckt zeigte sich Thomas Sitte, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Palliativ-Stiftung vom Engagement in der Bad Brückenauer Klinik, die zwar über keine eigene Palliativstation verfügt, sich aber dennoch des Themas annimmt. Einen Verabschiedungsraum sollte jedes Krankhaus haben, betonte Sitte und sprach von einer Würde des Sterbenden über den Tod hinaus. Hierbei gehe es auch um den Umgang mit den Angehörigen, ihnen die Möglichkeit zum Abschied, zu Trauerarbeit und  einem würdevollen Abschiednehmen zu geben. Der Fotowettbewerb des Kalenders zeige, wie letzte Wege aussehen können, auf heitere, melancholische und würdevolle Weise.
Von Seiten des Landkreises Bad Kissingen war der stellvertretende Landrat Emil Müller in die Klinik gekommen. Im Landkreis habe sich in Sachen Palliativmedizinische Versorgung zwar schon einiges getan, doch weiterer Handlungsbedarf sei erkannt. Nötig sei dies für die Sterbenden selbst, wie für die Familien. Ein Raum wie das Abschiedszimmer in Bad Brückenau sei ein wichtiger Baustein zu einem schweren Thema.

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