Bad Kissingen

Gedenken an Deportation im Landkreis Bad Kissingen

Ab April erinnern Gepäckstücke am Würzburger Hauptbahnhof und in ehemaligen jüdischen Gemeinden an den Holocaust. Auch im Landkreis gibt es etliche Projekte dazu.
Koffer, Rucksäcke und aufgerollte Decken von deportierten unterfränkischen Juden: Auf dieses Foto von verlassenem Gepäck am Bahnhof Aumühle geht die Idee des "Denkort Deportation" zurück.  Foto: Staatsarchiv
Koffer, Rucksäcke und aufgerollte Decken von deportierten unterfränkischen Juden: Auf dieses Foto von verlassenem Gepäck am Bahnhof Aumühle geht die Idee des "Denkort Deportation" zurück. Foto: Staatsarchiv

Die Szenerie ist bedrückend: Koffer, Rucksäcke und Decken liegen herrenlos in der Mitte des Bahnsteigs, zu beiden Seiten gehen Menschen unter den Augen von Gestapo und Soldaten: 2068 jüdische Mitbürger wurden direkt aus Unterfranken in die Vernichtungslager der Nationalsozialisten deportiert. Ein Foto davon (rechts) hat die Würzburgerin Benita Stolz zusammen mit Josef Schuster , dem Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, auf die Idee für das Projekt "Denkort Deportation 1941 bis 1944" gebracht.

Bereits im April 2017 stellte Benita Stolz das Konzept den Bürgermeistern im Landkreis Bad Kissingen vor: 15 der ehemals 109 jüdischen Gemeinden in Unterfranken lagen im Landkreis, von Maßbach bis Zeitlofs und von Bonnland bis Brückenau. Mindestens neun der 15 Gemeinden werden vertreten sein, wenn am 21. April der Denkort vor dem Würzburger Hauptbahnhof offiziell eröffnet wird. Ursprünglich stand unter dem Motto "Denkort Aumühle" der Güterbahnhof in der Aumühle im Fokus, die Pläne dort hätten sich aber zerschlagen.

Ganz unterschiedliche Aktionen

"Jedes Gepäckstück gibt es doppelt, eines steht in Würzburg, das andere bleibt in der Gemeinde", sagt die Würzburger Initiatorin Benita Stolz . Sie ist begeistert, wie viele Aktionen aus ihrer Idee entstanden sind und wie viele Gedanken sich die Gemeinden gemacht haben: Die Initiative hat lediglich die Art der Gepäckstücke (Koffer, Rucksack oder aufgerollte Decke) und die Maße vorgegeben. Alles andere ist gestaltbar, ein Durcheinander von Formen und Materialien durchaus erwünscht. In der Bischofsheimer Holzbildhauer-Schule hätten sich Schüler ebenso Gedanken gemacht wie in der Berufsschul-Klasse für Drechsler in Bad Kissingen . Der dortige Lehrer, Drechsler-Meister Wolfgang Miller fertigt aktuell auch Koffer aus Holz für die Gemeinde Maßbach, die gleich doppelt vertreten sein wird: In Maßbach selbst und in Poppenlauer gab es einst jüdische Gemeinden. "Wir müssen gegen das Vergessen arbeiten", sagt Bürgermeister Matthias Klement ( CSU ) und verweist auf den einstimmigen Beschluss im Gemeinderat. In Maßbach soll es auch eine eigene Veranstaltung dazu geben, Termin und Ablauf sind aber noch offen.

"Der Holocaust war das schlimmste Verbrechen in der Menschheitsgeschichte", sagt auch der Oberthulbaer Bürgermeister Gotthard Schlereth (FW). Es sei wichtig, die Erinnerung wach zu halten. In Oberthulba gibt es sogar eine ganz besondere Geschichte: Auf einem alten Foto ist ein Rucksack mit dem Aufdruck "656" zu erkennen, der in der Oberthulbaer Sattlerei hergestellt wurde. Diesen Rucksack lässt die Gemeinde nun aus Metall nacharbeiten. In Hammelburg und Wartmannsroth sind die Gepäckstücke bereits fertig (siehe ).

Im Bad Brückenauer Stadtrat ist laut Brigitte Meyerdierks ( CSU ) vor Jahren anstelle einer Teilnahme am Denkort-Projekt die Verlegung von Stolpersteine beschlossen worden. Damals hatten Schüler des Franz-Miltenberger-Gymnasiums einen entsprechenden Vorstoß gewagt. Stolpersteine seien "als fortlaufendes Projekt vor Ort" favorisiert worden. "Wir haben mehrere Gedenktafeln in der Stadt und pflegen den jüdischen Friedhof in der Leimbachstraße", sagt Meyerdierks.

Auch die Stadt Bad Kissingen verweist auf zahlreiche Erinnerungen an die jüdische Geschichte wie dem biografischen Gedenkbuch für Kissinger Juden während des NS Zeit. Beim Auftakt im April werde die Stadt noch nicht dabei sein, aber: "Wir werden uns zu gegebener Zeit an dem Projekt beteiligen. Derzeit wird noch der genaue Inhalt und Rahmen dafür abgesteckt", kündigt Rathaus-Sprecher Thomas Hack an.

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