LKR Bad Kissingen

Pro Gendern: Wichtig, aber ausbaufähig

In den vergangenen Jahren hat sich das Gendern immer weiter verbreitet. Ob nun mit Binnen-I, Sternchen, Doppelpunkt oder Unterstrich - es polarisiert. Denn es gibt diverse Punkte, die dafür oder dagegen sprechen. Ellen Mützel, Volontärin der Saale-Zeitung, spricht sich für das Gedern aus.
Gendern - ein umstrittenes Thema.  Foto: Ellen Mützel       -  Gendern - ein umstrittenes Thema.  Foto: Ellen Mützel
| Gendern - ein umstrittenes Thema. Foto: Ellen Mützel

Sprache ist Macht. Mit Sprache bilden wir eine Welt. Diese Welt gerät in Schieflage, wenn wir in dem, was wir sagen, immer einen Teil der Gesellschaft weglassen. Zur Verdeutlichung habe ich hier eine kleine Geschichte: "Ein Sohn ist mit seinem Vater im Auto unterwegs. Sie haben einen Unfall , sind beide schwer verletzt und kommen sofort ins Krankenhaus . Die Operation des Jungen wird vorbereitet, alles ist fertig. Der Chirurg erscheint, wird blass und sagt: ,Ich kann nicht operieren, das ist mein Sohn!'" Und, verwirrt? Ist der Vater nicht verletzt? Wie kann er operieren?

Frauen gehen in der Sprache unter

"Der Chirurg " ist in diesem Falle die Mutter . Diese Geschichte zeigt sehr gut, dass wir Frauen nicht einfach "mitmeinen", wenn wir männliche Beschreibungen als Verallgemeinerungen nutzen. Wenn wir uns schon darauf geeinigt haben, Menschen sprachlich nach dem Merkmal des biologischen Geschlechts zu unterscheiden, dann sollen wir zumindest auch beide Seiten nennen.

Wer gendert, und warum?

Dass das Gendern nur von Journalisten oder einer Elite genutzt wird, würde ich nicht ganz unterschreiben. Es sind Menschen, die sich mit geschlechtsbezogenen Ungerechtigkeiten in der Welt auseinandersetzen.

Über diesen Weg bemerken sie, dass Frauen in den vergangenen Jahrtausenden keine Rolle gespielt haben, und somit in der Sprache auch kaum vorkommen. Und, dass es wichtig ist, in der Sprache vorzukommen, um gesehen zu werden. Das veranlasst sie dazu, darauf eingehen zu wollen.

Nicht die eleganteste Lösung

Ja, sprachlich ist Gendern nicht die eleganteste Lösung, grammatikalisch nicht passend und es liest sich manchmal komisch. Aber das kann sich entwickeln, denn zum Glück entwickelt sich Sprache seit eh und je andauernd weiter. Eine sprachliche Regelung nur deswegen aufrecht erhalten zu wollen, weil es grammatikalisch richtig ist, ist zum einen aus diesem Grund unsinnig. Zum anderen fühlt es sich so an, als wollen die Menschen ein Gesetz verteidigen, das eigentlich Unrecht schafft.

Was soll der Doppelpunkt, Unterstrich oder das Sternchen?

Dabei Frauen und Männer zu nennen, gehen viele noch mit. Wozu aber das Sternchen, der Doppelpunkt oder Unterstrich? Es gibt einfach Menschen, die nach ihren biologischen Geschlechtsmerkmalen nicht in die binäre Unterscheidung männlich/ weiblich passen. Die Natur ist leider nicht so eindeutig, wie wir es gerne hätten. Daneben gibt es noch Gründe, die die Geschlechtsidentität der Menschen betreffen.

Interessant bei dieser Debatte finde ich: Es sind fast ausschließlich Männer , die das Gendern - geschrieben oder gesprochen - völlig aus der Fassung bringt. Ich finde, das sagt schon genug aus.

Den Kommentar der Gegenseite lesen Sie hier

Kontakt: e.muetzel@infranken.de

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