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Geroda: Wo es am häufigsten kracht

Die Monate Oktober und November sind für Autofahrer die Zeit, in der es auf Landstraßen gefährlich werden kann. Doch welches Verhalten nach einer Kollision mit Reh oder Wildschwein ist richtig?
Klaus Wiesler von der Polizeiinspektion Bad Brückenau kennt die Stellen in der Region, wo oft Wildunfälle passieren. Diese Straße zwischen Geroda und Schildeck zählt dazu. Foto: Ulrike Müller       -  Klaus Wiesler von der Polizeiinspektion Bad Brückenau kennt die Stellen in der Region, wo oft Wildunfälle passieren. Diese Straße zwischen Geroda und Schildeck zählt dazu. Foto: Ulrike Müller
| Klaus Wiesler von der Polizeiinspektion Bad Brückenau kennt die Stellen in der Region, wo oft Wildunfälle passieren. Diese Straße zwischen Geroda und Schildeck zählt dazu. Foto: Ulrike Müller

Im Herbst nimmt die Zahl der Wildunfälle wieder zu. Vom Buchrasen hinunter in Richtung Bad Brückenau zum Beispiel oder auf der Straße, die an Riedenberg, Oberbach und Wildflecken vorbeiführt, kracht es häufiger. Autofahrer kennen diese Ecken und fahren - im besten Fall - vorsichtiger, besonders während der Dämmerung.

Dass aber auch die B286 zwischen Schildeck und Geroda eine Straße ist, die Wildtiere gern überqueren, damit rechnen selbst Einheimische nicht unbedingt: Rechts liegt ein Acker, links eine Wiese. "Dieses freie Feld ist die Verbindung von den Schwarzen Bergen zum Neuwirtshäuser Forst", erklärt Klaus Wiesler. Er ist Verkehrssachbearbeiter bei der Bad Brückenauer Polizeiinspektion. Er weiß genau, wo Wildunfälle häufig passieren.

Selbst Autobahn ist kein Hindernis

Wiesler erzählt, wie ihm ein Jagdpächter einst berichtete, dass eine ganze Rotte Wildschweine die Unterführung unter der Autobahn genommen habe. Die Straße zweigt von der B286 ab und führt weiter nach Schondra. Zwölf Jahre arbeitete Wiesler bei der Autobahnpolizei Oberthulba. "Man unterschätzt, wie weit Wildtiere laufen", berichtet er. Im Bereich Schweinfurt/Werneck habe es regelmäßig Wildunfälle gegeben, weil Tiere trotz der Autobahn ihre bekannten Pfade nutzten.

Im Altlandkreis Bad Brückenau ereigneten sich im laufenden Jahr bereits 133 Wildunfälle . Trotz der hohen Zahl bedeutet das aber im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres (175 Unfälle) einen enormen Rückgang um 24 Prozent. "Hierbei spielen sicherlich auch die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Ausgangsbeschränkungen im wildunfallträchtigen Frühjahr eine große Rolle", schilder Wiesler. Erfreulich sei auch die Tatsache, dass bislang noch niemand körperlich zu Schaden kam. "Im Vorjahr mussten im betreffenden Zeitraum fünf Leicht- und ein Schwerverletzter beklagt werden", macht er deutlich.

Wenn es passiert ist, hat vor allem eins Priorität: die Sicherheit an der Unfallstelle . "Häufiger Fehler ist, dass der Autofahrer die Unfallstelle nicht richtig absichert", sagt Thomas Schreder, Sprecher des Bayerischen Jagdverbandes. Die Leute versuchten dann oftmals, ein totes Tier schnell von der Straße zu ziehen. Aber zunächst gelte es, das Warnblinklicht einzuschalten und ein Warndreieck aufzustellen. Totes Wild von der Fahrbahn zu räumen, um Folgeunfälle zu verhindern, sei außerdem mit Gefahren verbunden.

Vorsicht bei verletzten Tieren

"Einen toten Hasen kann ich mit Schutzhandschuhen sicherlich noch ziehen. Aber ein wehrhaftes Tier wie ein Wildschwein oder ein Rehbock kann unter Adrenalin plötzlich den Autofahrer, der sich an ihm zu schaffen macht, verletzten", sagt Schreder. Es soll vereinzelt schon Fälle gegeben haben, in denen Oberschenkel aufgespießt wurden.

Ist die Unfallstelle abgesichert, sollte der Autofahrer die Polizei benachrichtigen - also die Nummer 110 wählen. "Die Polizeidienststellen haben die Listen aller Jagdpächter ", erklärt Schreder. Die Polizei gebe dann auch Anweisung, ob der Autofahrer am Unfallort bleiben müsse, oder ob lediglich eine Meldung an den zuständigen Jagdpächter erfolgt. "Das Wild im Kofferraum mitzunehmen, geht natürlich nicht", stellt der Jagdverbandssprecher klar. "Das ist Wilderei!"

Sehr oft kommt es vor, dass ein Tier nach einer Kollision wegspringt und weiterläuft. "Bitte in solchen Fällen nicht weiterfahren", appelliert Schreder. In der Regel sei das Tier schwer verletzt. "Jeder Wildunfall sollte der Polizei gemeldet werden, nicht nur aus Versicherungsgründen, sondern auch aus Gründen des Tierschutzes ."

Jagdpächter gehen auf die Suche

Ist ein verletztes Tier weitergelaufen, organisieren Polizei und Jagdpächter eine sogenannte Nachsuche, das heißt ein Jäger lässt seinen Jagdhund zeitnah nach dem Tier suchen, um es dann von seinen Schmerzen erlösen zu können. Damit dies funktioniert, sollte die genaue Stelle des Unfalles so exakt wie möglich gemeldet werden. Der Bayerische Jagdverband hat dazu einen Flyer erstellt.

"Je detaillierter die Meldung, desto besser", betont Schreder. Autofahrer sollten sich dabei an den Stationszeichen orientieren, die alle 500 Meter am rechten Fahrbahnrand stünden. Damit und mit Hilfe der Leitpfosten am Straßenrand, die im Abstand von 50 Metern aufgestellt sind, lasse sich der Unfallort genau beschreiben.

Sinnvoll sei ebenfalls, die Unfallstelle am Fahrbahnrand für den Jäger mit einem weißen Taschentuch oder dem stehengelassenen Warndreieck zu markieren. So weiß der Jagdpächter Bescheid, wo genau der Unfall passiert ist.

133 Wildunfälle registrierte die Polizei im laufenden Jahr im Altlandkreis Bad Brückenau bisher.

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