Hammelburg

Gewinner auf allen Seiten in Hammelburger Seniorenheim

Das Projekt "triple win" vermittelt ausländische Pflegefachkräfte in deutsche Seniorenheime. Das soll nicht nur der Mangel an Altenpflegern ausgleichen.
Verstehen sich prächtig: Jutta Simon (von links), Lester Beltran, Ida Wahler, Alfredo Hidalgo, Riza Bangalan und Saloma Kippes.  Foto: Jule Albert       -  Verstehen sich prächtig: Jutta Simon (von links), Lester Beltran, Ida Wahler, Alfredo Hidalgo, Riza Bangalan und Saloma Kippes.  Foto: Jule Albert
| Verstehen sich prächtig: Jutta Simon (von links), Lester Beltran, Ida Wahler, Alfredo Hidalgo, Riza Bangalan und Saloma Kippes. Foto: Jule Albert
Im Seniorenheim Dr. Maria Probst in Hammelburg gehören die philippinischen Pfleger einfach dazu. Die fünf Neuen im Team haben alle in ihrer Heimat im Pazifischen Ozean Kranken- und Gesundheitspflege studiert. "Es gibt dort aber zwei Probleme: Zu wenig Lohn und zu viele Krankenpfleger", erklärt der 30-jährige Lester Beltran.
Durch die Nachrichten hat er von einem Projekt erfahren, dass philippinischen Pflegern ermöglicht, in Deutschland zu arbeiten. "triple win" heißt diese Initiative der Bundesagentur für Arbeit. Dabei sollen nicht nur Fachkräfte von den Philippinen, sondern auch aus Serbien, Bosnien und Herzegowina und in Zukunft auch aus Tunesien in deutsche Seniorenheime vermittelt werden.


Kaltes Oktoberwetter

So meldeten sich auch Alfredo Hidalgo, Lester Beltran, Riza Bangalan, Sharon Pura-Amerila und Jimerson Bacay. Die fünf hofften nicht nur auf eine bessere Bezahlung. "Ich will viel Neues lernen und Erfahrungen machen", erzählt Bangalan. Sie hat bereits in Japan und Dubai gearbeitet. Deutschland ist für die Philippiner als Zentrum Europas besonders interessant.

Zuerst stand ein einjähriger Deutschkurs in ihrer Heimat auf dem Programm. Parallel zu den Vorbereitungen auf den Philippinen musste auch in Deutschland Einiges organisiert werden. Marco Schäfer, Leiter der Carl von Heß'schen Stiftung, wählte 20 Bewerber für die sechs Seniorenheime der Stiftung aus. Sprachkurs, Unterkunft und Mentoren für Behördengänge wurden ebenso organisiert. Yvonne Hepp, Leiterin des Seniorenheims Dr.-Maria-Probst in Hammelburg, holte ihre Philippiner dann vor rund einem Jahr am Frankfurter Flughafen ab.

Der erste Eindruck den diese von Deutschland hatten, als sie aus dem Flieger stiegen: Es ist sehr kalt. "Deshalb sind wir am Anfang immer mit Jacke in der Wohnung rumgelaufen", erzählt die 39-jährige Bengalan. Auch wenn sie das Meer und den Strand bei deutschem Oktoberwetter sehr vermissen, freuen sie sich auf ihre neue Arbeit. Mit dem Geld wollen sie auch ihre Familien daheim unterstützen.

Fränkisch lernt man nicht im Sprachkurs. "Fast alle Senioren reden Dialekt. Ich hab am Anfang nichts verstanden", erzählt Hidalgo. "Irgendwie haben sich doch alle verständigt", sagt Hepp. Zwei Mal die Woche machen die Philippiner einen Sprachkurs und haben sich mittlerweile auch mit der "schweren Aussprache" (Bangalan) angefreundet.


Großer Respekt vor dem Alter

Kleinere Anlaufschwierigkeiten gab es auch beim Umgang mit den Senioren. Doch die Skepsis der Bewohner hat sich schnell gelegt. "Die fünf sind einfach so herzlich und offen, und das färbt natürlich ab", berichtet die Heimleiterin. Auf den Philippinen haben Senioren einen hohen Stellenwert und ihr Alter wird geschätzt. "Das merkt man im Umgang mit den Senioren", so Hepp.

Marco Schäfer, Vorstand der Carl von Heß'schen Stiftung, erklärt: "Wir wollten von Anfang an nicht einfach nur neue Mitarbeiter, sondern auch Integration schaffen." Und das hat nach Meinung aller geklappt.


Situation zugespitzt

"Seit 2012 hat sich der Fachkräftemangel besonders zugespitzt", erklärt Schäfer. Yvonne Hepp kommentiert das Projekt: "Ich halte es für eine gute Möglichkeit dem Fachkräftemangel langfristig entgegenzuwirken. Es ist nicht die einzige, aber ein sehr sinnvolle Maßnahme."

Nicht nur die Fachkräfte, die Gepflegten und der deutsche Arbeitsmarkt profitieren von dem Projekt, sondern auch das Ausland. Die Kooperation wird dabei nur mit Ländern eingegangen, die einen Pflegerüberschuss und eine vergleichbare Berufsausbildung haben. Deshalb heißt das Projekt auch "triple win".

Mittlerweile sind die fünf Pfleger seit rund einem Jahr in Hammelburg. Bis zum Erreichen des nächsten Sprachlevels in einem halben Jahr sind sie noch an das Dr.-Maria-Probst Seniorenheim gebunden. Dann können sie entscheiden, wo sie arbeiten möchten. Die Anerkennung ihrer Berufsausbildung haben die Hammelburger Pfleger schon. Schäfer hofft, dass alle Pflegekräfte weiter in den Heimen bleiben: "Es war kein leichter Weg, und wir haben viel in sie investiert."

In Zukunft werden deshalb die restlichen sieben Pfleger von den Philippinen in die Seniorenheime der Stiftung kommen, davon drei nach Hammelburg. Hidalgo, Beltran und Bangalan wollen gerne bleiben. Jule Albert
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