ELFERSHAUSEN

Glücksmomenten auf der Spur

Blumenreiche Sprache und gekonnte Mimik: Matthias Machwerk erhielt bei seinem Auftritt in Elfershausen viel Applaus.
Foto: Gerd Schaar | Blumenreiche Sprache und gekonnte Mimik: Matthias Machwerk erhielt bei seinem Auftritt in Elfershausen viel Applaus.

Glück ist offenbar ein höchst flüchtiger Stoff, der auf dem schmalen Grat der Suche allzu oft in Holzwegen endet. Einige Glücksmomente konnten die rund 200 Zuschauer am Samstagabend im frisch renovierten Frankensaal des Hotels Ullrich mit dem Kabarettisten Matthias Machwerk erleben.

In seinem zweistündigen Soloprogramm streifte der gebürtige Berliner mit seiner Glückssuche durch die Vielschichtigkeit des modernen Lebens, in welcher sich die Besucher schon zur Pausenzeit größtenteils wiedererkannten. Dabei steuerte Machwerk mit provokanten Fragen wie „Sind Sie glücklich oder verheiratet?“ zielgerichtet die größten gesellschaftlichen Fettnäpfe an. So waren die Themen schwindendes Eheglück, Billiglebensmittel, Fastfood und Übergewicht sowie das geschwächte Bildungspersonal an den Schulen samt reizüberfluteter Kinder wahrlich keine Anlässe für Glücksgefühle. Die Art aber, mit der Machwerk immer wieder scheinbar schuldlos in solchen katastrophalen Sackgassen endete, hatte System und war für die Zuschauer zunächst erheiternd, aber im Nachhinein Anlass zum Nachdenken.

In seiner blumenreichen Sprache, die Machwerk mimisch gekonnt unterstrich, schilderte er die Kernschmelze der Gefühle, wenn eine Liebe frisch entsteht. So konnte vor dem Altar das Jawort zur Pflegestufe I gegeben werden. Glückliche rosarote Anfangszeiten hielten bei Machwerk aber nicht lange: „Denn im wahren Leben kommt zum Schluss das dicke Ende.“ Doch sollte man das Positive in einer Ehescheidung sehen: Immerhin seien dann zwei von drei Beteiligten glücklich. So war es den Zuschauern gestattet, einen Abend lang über die Nebenwirkungen des täglichen Lebens rezeptfrei zu lachen.

Brach Machwerk zur Restefleischverwertung der Ü-30-Party auf, so war auch die Küche der Schauplatz seiner Betrachtungen. Am Ende der kulinarischen Nahrungskette angelangt, entdeckte Machwerk Aromen aus Zedernholz und Klärschlammreste im Billiglebensmittel.

Er lenkte seinen Blick auch auf das postirdische Weiterleben nach dem Tod. Wird man eines Tages als Schwein oder hemmungsloser Banker wiedergeboren? Oder wird man von lieblichen Jungfrauen aus dem Orient verwöhnt? Vielleicht steckt das Glück in der Arbeit, etwa bei jener von Boris, Bohlen oder den Bergleuten. Oder kommt das Glück über die Hilfsprogramme der Fernsehsender? Die Bäuerin, die der Bauer per TV sucht, braucht nicht aus dem Dschungelcamp zu kommen. Sie sollte aber zum Vieh passen.

„Wir finden den Machwerk toll“, war die mehrheitliche Meinung unter den Zuschauern. Einige kannten ihn schon aus dem Vorjahr. Der 1968 in Berlin-Prenzlau geborene Kabarettist studierte in Dresden politische Wissenschaften, bevor er ab 2005 professionell auf der Bühne stand. Er war auch als Autor für andere Kabaretts (Stachelschweine, Kneifzange, Breschke & Schuch) sowie für TV-Sendungen des Kinderkanals tätig.

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