Bad Kissingen

Great Spas of Europe: Die Neue im Bad Kissinger Unesco-Team

Anna Maria Boll ist die neue Site Managerin in Bad Kissingen für das Welterbe-Projekt. Sie ist zentrale Anlaufstelle für alles, was später mit der Welterbestätte zusammenhängt.
Anna Maria Boll ist seit Februar die neue Site Managerin für das Unesco-Projekt. Benedikt Borst       -  Anna Maria Boll ist seit Februar die neue Site Managerin für das Unesco-Projekt. Benedikt Borst
Anna Maria Boll ist seit Februar die neue Site Managerin für das Unesco-Projekt. Benedikt Borst

Der Weg zum Titel Unesco-Weltkulturerbe ist lang und braucht viel Planung. Doch auch die Zeit danach sollte gut organisiert sein. Sich darüber Gedanken zu machen, wie sich Bad Kissingen entwickeln soll, dafür gibt es nun Anna Maria Boll. Die Kunsthistorikerin und Denkmalpflegerin arbeitet seit Februar im Unesco-Projektteam im Kulturreferat. Als sogenannte Site Managerin kümmert sie sich um alles, was mit Bad Kissingen als Teil einer späteren Welterbestätte Great Spas of Europe zusammenhängt. "Bei der Site-Managerin laufen alle Fäden zusammen. Anna Maria Boll ist dafür da, das Welterbe in die Zukunft zu transportieren. Sie klärt die Frage: Wie leben wir Welterbe? Und: Sie muss das Ganze im Blick haben, Detailfragen moderieren", erklärt Unesco-Projektleiter und Kulturreferent Peter Weidisch.

Erfahrung mit den Great Spas

Den Weg nach Bad Kissingen fand die gebürtige Frankfurterin, nachdem sie in Bamberg Kunstgeschichte, Romanistik und Denkmalpflege studiert hatte. "Ich bin danach ziemlich direkt in das Unesco-Projekt eingestiegen", erzählt sie. Von Januar 2018 bis Januar 2020 arbeitete sie für das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege und für die Stadt an dem Great Spas of Europe-Antrag mit. Sie war ein Jahr lang Sprecherin der deutschen Gruppe.

Bad Kissingen hat sie in der Zeit bestens kennengelernt. Sie hat die Stadt und die internationale Projektleitung unterstützt, den Nominierungsantrag fertigzustellen und hat außerdem geholfen, den lokalen Managementplan zu schreiben. Beides sind zentrale Elemente für die Bewerbung. "Manchmal war es ein Spagat zwischen dem Landesamt und der Stadt", sagt Boll. Die Wochen bevor die Bewerbergruppe Anfang 2019 den Antrag bei der Unesco eingereicht hat, waren mit einem Stressspiegel "jenseits jeglicher Norm". Boll und Weidisch nahmen teil an nationalen und internationalen Meetings. Die Arbeitsatmosphäre innerhalb der Bewerbergruppe hat die junge Frau dabei als sehr positiv erlebt. "Es ist eine sehr freundschaftliche, konstruktive Atmosphäre. Ich wünsche mir, dass dieses Gefühl später in allen Städten unserer Welterbestätte auch ankommen und die Bevölkerung ähnliche Erfahrungen machen wird", sagt sie.

Was macht eine Site Managerin?

Nun arbeitet sie also als Site Managerin im Kulturreferat. Da stellt sich die Frage, was das genau sein soll. "Site Manager ist schwer ins Deutsche zu übersetzen. Bei der Unesco ist das ein fester Begriff", sagt Weidisch. Boll erklärt: "Als Site Managerin arbeitet man mit allen Akteuren am Schutz, Erhalt und der Vermittlung des Welterbes. Man ist der Ansprechpartner für das ganze unter Schutz zu stellende Gut und die Pufferzone - für mich gilt, dass ich den Bad Kissinger Teil des Welterbes mitgestalte und vertrete".

Damit ist sie für einen ganzen Packen an Aufgaben zuständig. "Ein wichtiger Punkt ist das Monitoring", sagt sie. Wieder so ein Fachbegriff. Gemeint ist damit, dass sie der Unesco nach der Anerkennung als Welterbe regelmäßig berichtet, wie es um den Zustand der Welterbestätte in Bad Kissingen bestellt ist. Ferner ist es ihre Aufgabe, dafür zu sorgen, dass das Schutzgut erhalten bleibt.

Die Site Managerin hat zudem die Stadtentwicklung im Blick. Da geht es zum Beispiel um die Frage, wie die Schutzzone erschlossen wird. Die erstreckt sich immerhin vom Kaskadental im Norden bis zum Golfplatz im Süden. Weidisch: "Der Gast kommt und sagt: Zeig mir dein Welterbe. Die Frage ist: Wie lenken wir da die Touristen?" Im Gegensatz zu einer einzelnen Welterbestätte, wie die Residenz Würzburg , ist die Frage nach der Erschließung bei den Great Spas komplexer.

Zur Stadtentwicklung gehören noch mehr Fragen: "Was ist wenn wir Welterbe werden, was verändert sich für den Einzelhandel?", sagt Weidisch. Wie ist die Hotellerie aufgestellt, welches Verkehrsaufkommen ist zu erwarten, wo kann geparkt werden kann? Dazu wurden bereits Untersuchungen beauftragt. Aufgabe der Site Managerin ist es, Lösungen mit allen Beteiligten zu erarbeiten - mit Gewerbetreibenden, Gastronomen, Hoteliers , Behörden, Kurverwaltung und ganz wichtig mit den Bürgern. Für Boll ist Partizipation von Bedeutung. "Es handelt sich um eine lebendige Stadt. Die Stadt und das Welterbeprojekt entwickeln sich ständig weiter und dabei sind die Ideen und das Engagement der Bürger gefragt", findet sie.

Als Site Managerin koordiniert Boll nicht nur die Interessen in Bad Kissingen . Sie ist für regionale Absprachen zuständig, etwa mit dem Biosphärenreservat Rhön und anderen Welterbestätten. Außerdem stimmt sie sich mit den Site Managern der anderen Great Spas-Städten ab. Da geht es zum Beispiel um die gemeinsame Präsentation und Vermarktung. "Das fängt schon bei der gemeinsamen Webseite an und der Frage: Was soll dort drauf stehen?", sagt sie.

Die Bewerbergruppe hat 41 internationale Ziele erarbeitet, die es umzusetzen gilt. Darüberhinaus hat jede Stadt eigene Aktionspunkte, die sie bereits heute und besonders im Falle der erfolgreichen Bewerbung verfolgt. In Bad Kissingen sind das über 110. "Ein sehr langfristiges Ziel ist: Wir brauchen ein Welterbezentrum", nennt Weidisch als Beispiel.

Zur Unesco-Serie

Bewerbung Elf traditionsreiche Kurorte aus Deutschland, Tschechien, Österreich, England, Italien, Frankreich und Belgien wollen als " Great Spas of Europe " von der Unesco als Weltkulturerbe anerkannt werden. Warum ist die Gruppe, warum Bad Kissingen als Teil der Gruppe welterbewürdig? Die Saale-Zeitung beleuchtet regelmäßig in einer redaktionellen Serie die Hintergründe.

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