Zeitlofs

"Große Schulen tragen kleinere mit"

Schulamtsleiterin Cornelia Krodel spricht im Interview über Lehrkräftemangel, Grundschulen auf dem Land und unbesetzte Leitungsstellen . Gibt es für die Schulen am Rand des Landkreises überhaupt eine Zukunft?
Seit 2018 leitet Cornelia Krodel das Schulamt in Bad Kissingen. Foto: Benedikt Borst/Archiv       -  Seit 2018 leitet Cornelia Krodel das Schulamt in Bad Kissingen. Foto: Benedikt Borst/Archiv
| Seit 2018 leitet Cornelia Krodel das Schulamt in Bad Kissingen. Foto: Benedikt Borst/Archiv

Cornelia Krodel leitet das Staatliche Schulamt in Bad Kissingen, das für die Planung und Ordnung des Unterrichtswesens der Grund- und Mittelschulen im Landkreis zuständig ist. Eine der Aufgaben ist die Verteilung des Lehrpersonals an die 33 Schulen in der Region.

Vor dem Interview erklärt Krodel die Grundlagen der Personalzuteilung. "Die Zuteilung basiert nicht auf der Anzahl der Klassen, sondern auf der Grundlage der vorher gemeldeten Schülerzahlen", sagt Krodel. Für die Grundschulen liege das Budget etwa bei 1,3 Sunden pro Schülerin und Schüler , für Mittelschulen bei 1,8 Stunden.

Die Kinder haben in der Regel je nach Klassenstufe zwischen 26 und 30 Stunden pro Woche.

Im Schnitt wären das ungefähr 22 Schüler pro Klasse. Für kleine Klassen mit beispielsweise 15 Schülerinnen und Schülern brauche sie dann zum Ausgleich eine große Klasse.

Auch im Altlandkreis Bad Brückenau, wie beispielsweise in Schondra oder Zeitlofs , gibt es Grundschulen mit besonders kleinen Klassen. "Die großen Grundschulen im Landkreis tragen die kleinen Schulen auf dem Land mit", sagt Krodel. Große Klassen zu teilen, wie es viele Eltern fordern, sei erst ab einer Schülerzahl von 29 möglich.

Interview

Frau Krodel, stellen Sie den Lehrkräftemangel hier im Landkreis fest, so wie er von den Verbänden aufgezeigt wird?

Cornelia Krodel: Hier im Landkreis Bad Kissingen schlägt der Lehrkräftemangel nicht so stark wie in anderen Regionen zu, allerdings haben auch wir einen großen Bedarf an Fachlehrerinnen und -lehrer. Für das kommende Schuljahr ist abzusehen, dass wir alle Grund- und Mittelschulen gut versorgen können.

In Motten und Zeitlofs sind ab dem nächsten Schuljahr die Leitungsstellen unbesetzt. Wie geht es dort weiter?

Ja das stimmt, dass wir für die beiden Schulen eine Schulleiterin oder einen Schulleiter suchen. Beide Stellen haben wir ausgeschrieben und warten auf Bewerbungen. Vielleicht gibt es ja Lehrerkräfte in anderen Bezirken, die Interesse an den Stellen haben.

Heißt das, Sie haben noch niemanden?

Das ist richtig und wenn ich realistisch bin, dann werden wir hier am Rand des Landkreises wohl auch keine Idealsituation bekommen. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf!

Ist die Stelle der Schulleitung nicht attraktiv, oder wie erklären Sie sich, dass diese Stellen nur schwer zu besetzen sind?

Leider wirkt sich aktuell die funktionslose Beförderung, die es seit einigen Jahren Gott sei Dank auch für Grund- und- und Mittelschullehrkräfte gibt, für die Besetzung der Leitungsstellen eher hinderlich aus.

Was bedeutet diese funktionslose Beförderung konkret?

Seit 2010 können Lehrerinnen und Lehrer der Grund- und Mittelschulen bei entsprechender Beurteilung auch ohne Übernahme einer Funktion (zum Beispiel Konrektorin oder Rektorin) befördert und in eine höhere Besoldungsgruppe eingestuft werden. Für viele ist es dann finanziell nicht mehr attraktiv, eine Funktion wie die einer Schulleitung einzunehmen. Die Verantwortung möchten dann nur noch wenige übernehmen.

Wie geht es dann für die Schulen in Zeitlofs und Motten weiter?

Wenn die Stellen nicht besetzt werden können, müssen diese von anderen Schulen im Umkreis mitgeführt werden. Die Verwaltungsaufgaben werden dann zunächst von anderen Rektorinnen übernommen. Für die Kinder bleibt alles wie bisher!

Haben die kleinen Dorfschulen denn überhaupt eine Zukunft?

Die Prognosen gehen eher von einer Zunahme der Schülerzahlen aus, auch auf dem Land. Unser Ziel ist es, kleine Schulen so lange wie möglich zu erhalten. Wir jonglieren regelmäßig mit dem Personal, um allen Schulen gerecht zu werden. Das ist bei dem angesprochenen Schlüssel aber nicht immer leicht. Für die Kinder aus den Dörfern wäre es umständlich, in die größeren Schulen gebracht zu werden. Das ist sicher nicht unser Ziel.

Die Fragen stellte Julia Raab

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