Schweinfurt

Häusliche und sexualisierte Gewalt: Hilfe jetzt auch vor Ort

Monika Römer und ihr Team bieten Fachberatungen in der Region Main-Rhön an. Warum das ein großer Schritt ist und welches Phänomen sie während der Corona-Pandemie beobachtet.
Betroffene von häuslicher Gewalt sollen in der Region nun einfacher Unterstützung finden.
Foto: Symbolfoto Getty Images | Betroffene von häuslicher Gewalt sollen in der Region nun einfacher Unterstützung finden.

Seit rund 35 Jahren leitet Monika Römer die Fachberatungsstelle bei häuslicher und sexualisierter Gewalt in Schweinfurt. Nun spricht sie von einem "sehr großen Schritt". Denn seit Anfang Juli erhalten Betroffene auch an Außenstellen in den Landkreisen Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld und Haßberge Hilfe. "Man sieht, dass es im gesellschaftlichen Bewusstsein Bewegung im Denken zu diesen Themen gibt. Unsere lange politische Arbeit hat Früchte getragen, aber es ist weiterhin viel zu tun", sagt Römer.

Träger der Fachberatungsstelle ist der Schweinfurter Verein "Frauen helfen Frauen". Dieser sei auch auf kommunale Unterstützung angewiesen, erklärt Römer. "Bayern hat 2019 nach vielen Jahren die Förderrichtlinien für Frauenhäuser und Fachberatungsstellen angepasst, nachdem eine Studie gezeigt hatte, dass wir hier unterversorgt sind", so Römer. Da die Kommunen der Region Main-Rhön diese neuen Richtlinien auch umsetzen, sei nun die Erweiterung des Hilfsangebotes möglich geworden.

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"Gerade in ländlichen Regionen ist es für betroffene Frauen oft schwierig, direkt in die Beratungsstelle zu kommen", sagt Römer. In Zusammenarbeit mit den jeweiligen Landratsämtern sind in diesen nun nach telefonischer Terminvereinbarung auch Beratungen in Bad Kissingen, Bad Neustadt und Haßfurt möglich. "Wir freuen uns, dass Rat- und Hilfesuchenden der Zugang zu unseren Angeboten erleichtert wird", so die Leiterin.

Die Fachberatungsstelle sieht sich als Unterstützerin und Vermittlerin. "Häufig geht es zunächst einmal um Informationen. Die Betroffenen wollen wissen, wie sie sich schützen und was sie tun können. Wir bieten keine therapeutischen Gespräche oder Schutz an, aber begleiten die Frauen zu Terminen bei den entsprechenden Stellen", erklärt Römer. Auf Frauen sei man zwar spezialisiert, würde jedoch niemanden in Not wegschicken. "Wir lassen niemanden im Regen stehen", so Römer.

Anstieg der Gewalttaten während der Corona-Pandemie

Während der Corona-Krise ist die Zahl der Betroffenen von häuslicher und sexualisierter Gewalt in Deutschland deutlich angestiegen, wie eine Umfrage der "Welt am Sonntag" unter den Innenministerien und Landeskriminalämtern der 16 Bundesländer ergab. Nach dieser kam es im Jahr 2020 zu 158 477 Fällen solcher Gewalt. Im Jahr zuvor verzeichnete des Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend 141 792 Fälle.

"Wir führen keine statistischen Angaben", sagt Römer dazu zwar. Allerdings sei ihr durchaus ein Phänomen aufgefallen: "Während der Lockdowns sind die Anrufe zurückgegangen. Sobald danach aber geöffnet wurde, sind es direkt deutlich mehr geworden. Ich denke, dass durch Home-Office und Ausgangsbeschränkungen oft keine Möglichkeit da war, unkontrolliert zu sprechen. Auch für betroffene jüngere Mädchen gab es kaum die Chance dazu, weil ja auch die Schulen zu waren."

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Nervliche Anspannung? Existenzängste oder Frustration? Über die Gründe für den Anstieg der Gewaltfälle kann auch Römer nur spekulieren. "Die Betroffenen sagen meistens, dass es eben im Moment so ist und suchen nach Erklärungen, warum die Situation eskaliert", berichtet sie. "Die Schlussfolgerung ist oft, dass man den ganzen Tag aufeinander hockt. Letztlich ist das vielleicht ein Auslöser, aber nicht die Ursache. Da gibt es deutlich tiefergehende Probleme", mutmaßt Römer.

Die Haltung der Fachberatungsstelle dazu ist eindeutig: "Gewalt hat viele Gesichter. Sie müssen damit nicht alleine sein. Das Team der Fachberatungsstelle unterstützt Sie bei allen Fragen zu häuslicher und sexualisierter Gewalt", heißt es auf deren Internetseite. 

Betroffene und Ratsuchende können sich direkt an die Anlaufstelle (Sattlerstraße 9, 97421 Schweinfurt) wenden, Tel.: (0 97 21) 18 52 33, E-Mail: office@fachberatung-schweinfurt.de. Infos gibt es auch unter: www.fachberatung-schweinfurt.de

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