Hammelburg

Hammelburg: Ärger über Baustelle und Bauamt

Apothekerin Rita Schubert und anderen Einzelhändlern geht es auf der Baustelle in der Bahnhofstraße nicht schnell genug voran. Zudem fühlen sie sich schlecht informiert. Ab dieser Woche sollen zusätzliche Pflasterer kommen.
Wenn sie vom Fenster der freien Wohnung über der Apotheke auf die Baustelle in der Bahnhofstraße schaut, vergeht Apothekerin Rita Schubert das Lachen: Die Fertigstellung hat sich mehrfach verschoben, erfahren habe sie das erst auf Nachfrage.  Foto: Ralf Ruppert       -  Wenn sie vom Fenster der freien Wohnung über der Apotheke auf die Baustelle in der Bahnhofstraße schaut, vergeht Apothekerin Rita Schubert das Lachen: Die Fertigstellung hat sich mehrfach verschoben, erfahren habe sie das erst auf Nachfrage.  Foto: Ralf Ruppert
| Wenn sie vom Fenster der freien Wohnung über der Apotheke auf die Baustelle in der Bahnhofstraße schaut, vergeht Apothekerin Rita Schubert das Lachen: Die Fertigstellung hat sich mehrfach verschoben, erfahren habe ...

Im ersten Bauabschnitt der Bahnhofstraße ist bereits zu sehen, wie der Belag in Zukunft aussehen wird: Auf den betonierten Untergrund haben Arbeiter bereits hunderte Naturstein-Würfel mit 16 Zentimetern Kantenlänge gesetzt. Nicht einfach in Reihen, sondern in einem aufwändigen Fischgrät-Muster. Dass etwas passiert, erkennt auch Rita Schubert, Inhaberin der Falken-Apotheke an, aber: "Es geht viel zu langsam", ärgert sie sich - auch über die spärliche Auskunft aus dem Rathaus: "Die Gewerbetreibenden werden nicht richtig informiert."

Vor dem Schaufenster der Falken-Apotheke steht immer frischer Kaffee für die Bauarbeiter . Das Verhältnis sei gut, aber: "Es waren von Anfang an zu wenige da", kritisiert Schubert. "Es reicht nicht, wenn da einer mit dem Pickel steht und einer auf dem Bagger sitzt." Zudem seien nach ihren Informationen die ohnehin zu wenigen Pflasterer auch noch zu spät gekommen: mit zwei Wochen Verzögerung, und statt fünf nur drei.

Apothekerin Rita Schubert berichtet, dass sie bereits vor zwei Jahren mit den Vorbereitungen auf die Baustelle begonnen habe. Die Baustelle beeinflusste Einkauf und Bevorratung, in den vergangenen Monaten habe sie die Dienstpläne der zwölf Mitarbeiter darauf ausgerichtet. Jede Woche, die nun länger gebaut werde, gehe ihr Umsatz vor allem in der wichtigen Vorweihnachtszeit verloren. Die Kunden würden dann eben woanders das Blutdruck-Messgerät oder die Lotion für unter den Christbaum kaufen. Und: "Corona treibt eh schon viele ins Internet, da muss man sehen, wo man bleibt."

Im Stadtblatt inserierte sie bereits am 13. November mit der Ankündigung "Wir sind wieder da". Niemand von der Stadt habe sie damals darauf hingewiesen, dass das viel zu voreilig war. Erst auf mehrfache Nachfrage habe man ihr angekündigt, dass auch der bereits verschobene Termin für die Fertigstellung des ersten Bauabschnitts Ende November nicht gehalten wird. Immerhin sicherte die Stadt Rita Schubert zu, dass ihre Parkplätze ab 7. Dezember wieder zugänglich sein sollen.

Alle zwölf Tage hat Rita Schubert Notdienst. Dann kämen Kunden aus dem gesamten Landkreis. Trotz Hinweisschildern an beiden Enden der Baustelle , würden immer wieder verzweifelte Kunden anrufen und nachfragen, wo genau sie denn nun hin müssten. Leider sei ihr bei der Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes vor drei Jahren auch nicht erlaubt worden, ein beleuchtetes A als Hinweis auf die Apotheke anzubringen. Weil ihre Notdienst-Klingel am barrierefreien Eingang zum Hof hin angebracht sei, sei es für sie "eine Katastrophe", dass niemand bis zu den Stellplätzen im Hof fahren kann.

Neben den Umsatz-Einbußen wegen fehlender Lauf-Kundschaft bekümmert Rita Schubert aber auch, dass Kunden auf dem Weg in ihre Apotheke stürzten. Mindestens drei Fälle seien ihr bekannt. Auch die Nachbarn von Rita Schubert haben deutlich geringere Umsätze als in den Vorjahren, wollen sich auf Nachfrage aber nicht festlegen, ob das mehr an Corona oder an der Baustelle liegt. "Ich kann den Einfluss der Baustelle nicht einschätzen", sagt ein Inhaber, der nicht namentlich genannt werden will.

Auch der Eine-Welt-Laden hat laut der Vorsitzenden Annemarie Fell rund ein Drittel Umsatz weniger als im Vorjahr, trotzdem äußert sie sich zufrieden: "Die Zufallseinkäufe fehlen, aber unsere Stamm-Kundschaft bleibt uns treu." Schwierig sei, dass sich der Weg zum Geschäft oft täglich ändert. Auch im Eine-Welt-Laden sei das Weihnachtsgeschäft der Höhepunkt des Jahres. Aber trotz Corona und der Baustelle seien heuer schon sehr viele Schoko-Nikoläuse verkauft worden.

"Es ging am Anfang etwas zäh", gesteht Stadtbaumeister Detlef Mohr durchaus ein. Allerdings sei der Verzug von rund vier Wochen bereits vor Monaten bekannt gegeben worden. Die Stadt habe bereits alles unternommen, ab dieser Woche werde die Pflaster-Kolonne auf fünf Mann aufgestockt. "Die bleiben dann auch bis 18. Dezember", versichert Mohr. Er hoffe, dass dann die Pflasterarbeiten bis zum Bürgerspital abgeschlossen sind. Auch zusätzliches Granit-Pflaster sei bestellt worden, um die Steine am Rand des Fischgrät-Musters besser zuschneiden zu können.

Keine schweren Verletzungen

Eigentlich müsse das Pflaster nach dem Rütteln zwei Wochen ruhen, die Stadt tue aber alles, um den Hof der Apotheke wieder anfahrbar zu machen. "Wir reagieren immer, wenn sich jemand bei uns meldet", weist Mohr den Vorwurf der mangelnden Kommunikation zurück. Unter anderem sei dafür extra die Mailadresse bahnhofstrasse@hammelburg.de eingerichtet worden. Anfragen würden täglich bearbeitet. Aber: "Manches können wir selbst auch nicht früher sagen."

Bei der Stadt hätten sich auch zwei Personen gemeldet, die im Baustellen-Bereich gestürzt sind, bestätigt der Stadtbaumeister. Auch in diesen Fällen sei sofort nach Ursachen gesucht worden: "Die Firma hat immer darauf reagiert." Zum Glück habe sich nach seinen bisherigen Erkenntnissen niemand schwerer verletzt. Es sei eben deutlich schwieriger, im Bestand zu bauen und den Betrieb aufrecht zu erhalten, als irgendwo auf der grünen Wiese zu arbeiten.

Mohr ist zuversichtlich, dass die Baustelle nun zügig weitergeht: Schon bald soll mit dem Bauabschnitt IIa bis zum Forstamt begonnen werden. Die Firma habe bereits ein Anschreiben für die Anwohner vorbereitet. Dort sollen zunächst die Fahrbahn und der Gehweg auf der Seite des Bürgerspitals rund 70 Zentimeter tief abgegraben werden. Lediglich der Gehweg in Richtung Saale bleibe länger erhalten. Mohr geht auch davon aus, dass die Baustelle nur in den Weihnachtsferien ruht: "Wenn das Wetter mitmacht, geht es in der zweiten Kalenderwoche weiter", kündigt er an.

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