Hammelburg

Hammelburg: Klage gegen Baugenehmigung

Sieglinde und Heribert Schilling wehren sich gegen zusätzlichen Eingang und eine Erhöhung des Gebäudes. Die beiden 84-Jährigen ärgert der Umgang der Stadt mit ihnen. Aus dem Rathaus gibt es keine Stellungnahme zur Klage.
Mehrere Ordner mit Schreiben, Plänen und Zeitungsberichten liegen ständig auf dem Tisch der Schillings: Der Kampf mit der Stadt Hammelburg ums Bürgerhaus in unmittelbarer Nachbarschaft beschäftigt Sieglinde und Heribert Schilling bereits seit vier Jahren. Foto: Ralf Ruppert       -  Mehrere Ordner mit Schreiben, Plänen und Zeitungsberichten liegen ständig auf dem Tisch der Schillings: Der Kampf mit der Stadt Hammelburg ums Bürgerhaus in unmittelbarer Nachbarschaft beschäftigt Sieglinde und Heribert Schilling bereits seit vier Jahren. Foto: Ralf Ruppert
Mehrere Ordner mit Schreiben, Plänen und Zeitungsberichten liegen ständig auf dem Tisch der Schillings: Der Kampf mit der Stadt Hammelburg ums Bürgerhaus in unmittelbarer Nachbarschaft beschäftigt Sieglinde und Heribert Schilling bereits seit vier Jahren. Foto: Ralf Ruppert

Es könnte alles so schön sein: Nach der Schließung ihres Geschäftes für Kinder-Ausstattung am Marktplatz 1998 richteten sich Sieglinde und Heribert Schilling in dem Gebäude eine Wohnung fürs Alter ein. "Hier haben wir alles in der Nähe", schwärmen die beiden 84-Jährigen vom Wohnen in der Altstadt . Doch seit vier Jahren trübt sich die Freude zunehmend: "Die Stadt hat bei der Planung des Bürgerhauses keine Rücksicht auf uns genommen", wettert Sieglinde Schilling. Sie und ihren Mann stört vor allem, dass das ehemalige Kaufhaus um bis zu 90 Zentimeter höher wird und ein Zugang übers schmale "Schillingsgässchen" vorgesehen ist. "Das ist direkt unter unserem Schlafzimmer", sagt Heribert Schilling beim Blick aus dem Fenster. Deshalb hat das Ehepaar nun Klage gegen die Baugenehmigung eingereicht.

Laut Bescheid genehmigte das Landratsamt am 24. April "Umbau und Sanierung eines Geschäftshauses zum Bürgerhaus mit Stadt-Bibliothek und Tourist-Information sowie eines Verbindungsgangs im Kellergeschoss zum Rathaus ". Der Bescheid umfasst 14 Seiten, eingegangen wird darin auch auf Einwendungen von Nachbarn und die Geschichte des Bauvorhabens. Der erste Plan vom Mai 2018 war wegen des Bürgerbegehrens zum Bürgerhaus zurückgenommen worden. Seit Juni 2019 liegt der neue Entwurf vor, bei dem die Dachgauben gestrichen und das Dach um bis zu 30 Zentimeter abgesenkt wurde.

Die Hauptkritikpunkte der Familie Schilling blieben trotz des erfolgreichen Bürgerentscheids: So mündet einer der drei Zugänge zum neuen Bürgerhaus in die schmale Gasse zwischen dem Anwesen Schilling und dem ehemaligen Kaufhaus. Die 2,38 Meter breite Gasse gehört formal zur Frobeniusstraße, hat eigentlich keinen eigenen Namen, wird aber allgemein als Schillingsgässchen bezeichnet. Von den 2,38 Metern gehen in Zukunft sogar noch 18 Zentimeter für die geplante Wärmedämmung ab. Das Landratsamt stuft diese Überbauung der Grundstücksgrenze jedoch als "geringfügig" ein, zudem gehe sie ausschließlich "zu Lasten der öffentlichen Gasse".

Ursprünglich nur Notausgang

Auch zum Ausgang Richtung Anwesen Schilling nimmt das Landratsamt Stellung. "Das war ursprünglich als Notausgang eingezeichnet, irgendwann stand das aber plötzlich nicht mehr in den Plänen", erinnert sich Heribert Schilling. Laut Baugenehmigung handelt es sich um einen zweiten Rettungsweg für Teil-Bereiche des Bürgerhauses. Zudem gebe es zahlreiche Auflagen: So dürfen in dem schmalen Gässchen "keine das Rauchen unterstützenden Utensilien wie zum Beispiel Aschenbecher angebracht werden". Raucher sollen stattdessen mit Schildern auf den Bereich der öffentlichen Toiletten in Richtung Rathaus verwiesen werden.

Das Landratsamt beschränkt in seinem Bescheid zudem die Nutzungszeiten für Tourist-Info, Büros und Bibliothek auf werktags von 7 bis 19 Uhr. Allerdings dürfen der Bürgersaal mit 335 Besucherplätzen und die Multifunktionsräume von Montag bis Samstag bis Mitternacht und sonntags bis 22 Uhr genutzte werden. Lediglich private Feiern sind ausgeschlossen. Zudem ist die Zahl der Veranstaltungen mit geöffneter Glas-Fassade in Richtung Butten-Markt auf 18 Kalendertage im Jahr beschränkt. "Durch die in der Baugenehmigung festgelegten Auflagen wird den nachbarlichen Interessen in ausreichendem Maße Rechnung getragen", schreibt das Landratsamt, und: "Die Einwendungen der Nachbarn wurden im Baugenehmigungsverfahren hinreichend geprüft und gewürdigt, konnten jedoch letztendlich keine Berücksichtigung finden."

Dachvorsprung fällt weg

Das enttäuscht und erzürnt die Schillings: "Dass die Stadt keine Rücksicht nimmt, ist eine Schande", sagt Sieglinde Schilling. In den Schaukästen ihres ehemaligen Geschäftes im Schillingsgässchen kommentieren sie die Planungen des Bürgerhauses bereits seit Jahren. Dort haben sie unter anderem dokumentiert, dass die Proportionen des Bürgerhauses in grafischen Darstellungen der Stadt falsch dargestellt waren.

Bereits beim Bau des ehemaligen Kaufhauses in den 1960er Jahren sei festgelegt worden, dass die Fenster zum Anwesen Schilling auch aus Brandschutzgründen nicht geöffnet werden können. Außerdem sei bereits damals höher als erlaubt gebaut worden. Dass die Traufe nun noch einmal um bis zu 90 Zentimeter erhöht werden soll, wollen die Schillings ebenfalls nicht akzeptieren. Das Landratsamt geht allerdings davon aus, dass der Lichteinfall ins Schillingsgässchen durch einen kleineren Dachvorsprung und die entfallenen Dachgauben sogar verbessert wird.

Das Ehepaar Schilling betont, dass es immer gesprächsbereit gewesen sei: Bereits nach dem Kauf des Grundstücks 2016 haben sie mehrfach Gespräche angeboten. "Wir wurden kein einziges Mal gefragt", berichtet Heribert Schilling. Stattdessen seien ihnen fertige Pläne vorgesetzt worden. "Wir wurden nur verarscht", kommentiert Sieglinde Schilling das Verhältnis zur Stadt ganz direkt. Trotzdem betonen sie: "Wir sind nicht gegen das Bürgerhaus, im Gegenteil: Wir finden die Idee gut. Wir möchten nur, dass unsere Nachbarrechte gewahrt werden."

Der Gipfel sei gewesen, dass der Architekt in einer Bürgerversammlung sein mehrfach renoviertes Geburtshaus als "das lausigste Haus am Marktplatz" bezeichnet habe. "Das ist eine absolute Boshaftigkeit", ärgert sich Heribert Schilling bis heute darüber. "Wir sind aufgestanden und haben den Saal verlassen." Auch von vielen Bekannten hätten die beiden Ur-Hammelburger ähnliche Rückmeldungen bekommen.

Laut Landratsamt liegt nur die Klage der Familie Schilling vor, obwohl auch alle anderen beteiligten Nachbarn nicht unterschrieben haben. Den vorgebrachten Bedenken sei "in der Baugenehmigung Rechnung getragen" worden. "Unserer Ansicht nach fügt sich das geplante Gebäude in die Bebauung ein, einen Bebauungsplan gibt es für das Areal nicht", heißt es weiter aus Bad Kissingen. Die Stadt Hammelburg weiß offiziell bislang nichts von der Klage. Deshalb gebe Bürgermeister Armin Warmuth ( CSU ) auch keine Stellungnahme dazu ab.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Hammelburg
  • Altstädte
  • Armin Warmuth
  • Bau
  • CSU
  • Freude
  • Gebäude
  • Rathäuser
  • Rauchen und Nikotinsucht
  • Raucher
  • Sanierung und Renovierung
  • Stadt Hammelburg
  • Städte
  • Wohnen
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!