Hammelburg

Hammelburg: Rebellion für die Freiheit

Großflächiges, dessen Details der Betrachter heraus puzzeln muss aber auch kleinformatige Werke, für die der Platz in einem gutbürgerlichen Wohnzimmer ausreicht, präsentiert aktuell der Ernst J. Herlet im Alten Kaufhaus und im Fasskeller des Kellereischlosses.
Ernst J. Herlet (links) und der Galerist Roland Stumpf vor dem Werk "Kreuzfahrt". Winfried Ehling
Ernst J. Herlet (links) und der Galerist Roland Stumpf vor dem Werk "Kreuzfahrt". Winfried Ehling

Zur Vernissage am Freitagabend lud der Verein "kunstvereint", für den Maria Heckmann das Publikum willkommen hieß. Seit drei Jahren stellt kunstvereint im Bürgerhaus in spe Bilder von Künstlern aus der Region aus. Dabei trafen sich die Organisatoren und der Schweinfurter Maler, der in der "Alten Schmiede" in Windheim ein neues Zuhause fand und vereinbarten eine Präsentation.

Galerist Roland Stumpf, der eine Kunstgalerie im Landkreis Haßberge betreibt, kennt Herlet schon länger und charakterisierte dessen Person und seine Werke. "Das Geistige wird mit der Hand gemacht. Die Ausführung ist dabei wichtig. Der Künstler sieht und handelt", formulierte er. Und weiter: "Der Maler muss bereit sein, Grenzen zu überschreiten um das Neue zu erreichen. Kunst kann der Wirklichkeit nichts Neues hinzufügen. Deshalb braucht der Schaffende Ideen für eine andere Realität".

Basierend auf den Wirklichkeiten aus Jahrhunderten der Weltgeschichte gibt Herlet seinen Kreationen die reale Bodenhaftung einschließlich empathisch-kritischer, gedanklicher Begleitung, die für den Betrachter interpretierbar ist. Man nehme den harmlosen Begriff "Kreuzfahrt", der sich heutzutage meist mit Urlaub verbindet, den der Maler jedoch ganz anderes assoziiert. Ein riesiges, weißes Kreuz, ein verschwommener Schiffsrumpf und die verdrehte Zahl 1492 lassen darauf schließen, dass es sich um die Entdeckung Amerikas handelt.

Der Wahl-Windheimer führt dieses umwälzende Ereignis in anderen Bildern weiter. Der Schwangerschaftsbauch einer jungen, nackten Frau - offensichtlich eine Eingeborene - symbolisiert die Ur-Verbindung der Kontinente Europa und Amerika. Auch dies Ist Herlet nicht genug. In einem weiteren Unikat knüpft er an die "Christianisierung" des neuen Erdteils durch die spanische Krone an, die - mit Ausrottung und Ausplünderung vollzogen - das Bildnis "Machu Picchu" manifestiert. Fast als Anklage wertet der Schauende danach die "Bücher" - Bibel , Talmud und Koran - die der Maler in einem finsteren Raum festhält.

Monumentalstes Werk in dem von Herlet erst einmal geweißten Raum des Kaufhauses ist ein Triptychon dessen Mittelteil das Konterfei von Mao Tse Tung ziert. Der "Große Vorsitzende" der Kommunistischen Partei Chinas mit gütigem Blick, väterlicher Würde und angedeutetem Lächeln hätte sich wohl gefallen. Besonders als guter Hirte einer großen Herde, wie das beigemalte, zähnebleckende erste Klon-Schaf namens "Dolly" (Do Ly) suggeriert.

Ein Bild des Friedens? Mitnichten. Der harte Kontrast der roten, mit Kunstblüten verzierten Seitenflügel des dreigeteilten Gemäldes zeigt auch das andere Gesicht des Diktators. Den mutigen, einzelnen Mann der sich beim Protest auf dem "Platz des himmlischen Friedens" waffenlos einem Panzer entgegenstellte und ein verbogenes, von Tanks überrolltes Fahrrad auf dem rechten Flügel - Symbole für Rechtlosigkeit, Machtgier und millionenfachen Mord am eigenen Volk.

Man braucht eine gehörige Portion Verzweiflung ein Mensch zu sein angesichts der mit Schläuchen und Stoff umwickelten Köpfe, um die Qual der Nackten nachempfinden zu können. Hat Herlet mit der Projektion zum Verlust der eigenen Persönlichkeit und der alleinigen Kontaktaufnahme über die Technik eine düstere Zukunftsvision erschaffen?

Nein, "schöne Bilder" malt der Ausstellende nicht. Vielmehr rebelliert der Künstler, der Asien und Afrika bereiste, in seinen Werken für die Ära in der er aufgewachsenen ist - die, die den Geist der Freiheit trug. Form und Farbe stehen bei diesem Künstler über alles? Das mag sein. Doch die Essenz, die eigentliche Aussage seiner Werke sind es wert, sich auf Ernst J. Herlet einzulassen.

Die Ausstellung ist bis zum 25. November freitags von 14 bis 18 Uhr, an Samstagen von 10 bis 14 Uhr und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Im Fasskeller ist ein Besuch am Freitagabend oder auf Anfrage bei der Gebietswinzergenossenschaft (Stefan Merz) möglich. Alle Werke stehen zum Verkauf.

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