Hammelburg

Hammelburg: Virtuelle Realität lässt Besucher staunen   

Die erste Veranstaltungsreihe des Naturerlebniszentrums Rhön weckt Neugier auf Kommendes. Bei den technischen Möglichkeiten will die neue Einrichtung ganz vorn dabei sein.   
Mit der Spezialbrille kann man im Naturerlebniszentrum Rhön in das Bodenleben eintauchen.
Foto: Wolfgang Dünnebier | Mit der Spezialbrille kann man im Naturerlebniszentrum Rhön in das Bodenleben eintauchen.

Abenteuer Bodenleben heißt die Veranstaltungsreihe, mit der das Naturerlebniszentrum Rhön Premiere feiert. Schon beim Auftakt mit etlichen Ehrengästen in der Markthalle wurde deutlich, dass die Einrichtung an der Spitze künftiger  Umweltbildung dabei sein will.  Virtual Reality (VR) heißt die Technik, die Teilnehmer in ungeahnte Welten abtauchen lässt.              

Durch Corona hatte sich die Eröffnung um Monate verschoben. "Eigentlich war sie schon für Mai geplant", sagte Joachim  Schneider. Kleiner als ursprünglich angepeilt war die Liste der Ehrengäste, die der Leiter des Erlebniszentrums nun zum Auftakt begrüßte.

Etwas holpriger Start

"Endlich geht es los", freute sich Bürgermeister Armin Warmuth, "die Schulen haben schon danach gelechzt". Doch nicht nur durch Corona gestalte sich der Start etwas holprig, räumte Warmuth ein. Dazu tragen auch die Bauverzögerungen beim Bürgerhaus bei. Deshalb konnte die Stadtbücherei das Kellereischloss noch nicht räumen, wo sich künftig das Erlebniszentrum ausbreiten soll. Im Februar 2021 soll es dabei Fortschritte geben. Und zwar mit einem Teilabriss am ehemaligen Hammelburger Kaufhaus, welches für das Bürgerhaus weichen wird, stellte der Bürgermeister in Aussicht   

Auf die künftige Ausrichtung des Naturerlebniszentrums in Hammelburg ging Abteilungsdirektor Bertram Eidel von der Regierung von Unterfranken ein. Es werde sich vor allem an Jugendliche und junge Erwachsene wenden. Um diesen Personenkreis anzusprechen, setze man verstärkt technische Elemente ein und werde dazu die Kooperation mit der Universität Würzburg ausbauen. Gleichzeitig wolle man das Erleben in der echten Natur mit traditionellen Utensilien, wie Becherglas und Lupe, nicht vernachlässigen.

Von einem wichtigen Startsignal nach außen durch die Ausstellungseröffnung sprach Landrat Thomas Bold. Das Zentrum lebe ja von Ausstellungen und Vorträgen. Der Boden biete sich gerade in einer erfolgreichen Weingegend als wichtiges Thema an.

Eindrucksvolle Präsentation 

Nach den Grußworten in der Markthalle gingen die Gäste in die Stadtbücherei, um ein zentrales Element der ersten Veranstaltungsreihe auszuprobieren. Es handelt sich um ein Modul des Senckenberg-Museums  Görlitz, das bis in den November zur Verfügung steht.  Dieser erste Schritt des Erlebniszentrums in die VR-Realität ist für den Anfang allemal eindrucksvoll, wenn man sich nämlich Spezialbrille überstreift, um auf diese Weise imaginär auf die Größe einer Landassel zu schrumpfen.

Dem Boden ist man durch die VR-Brille denkbar nah. Das Geschehen können weitere Beobachter am Computerbildschirm verfolgen. 
Foto: Wolfgang Dünnebier | Dem Boden ist man durch die VR-Brille denkbar nah. Das Geschehen können weitere Beobachter am Computerbildschirm verfolgen. 

Scheinbar krabbelt man da durch Herbstlaub und kleine Bodengänge. Rasch wirkt der ganze Körper mit, um über Sensoren und den Hand-Controller die eigene Perspektiven zu steuern. Gebannt gingen da am Montag manche der Ehrengäste sogar in die Knie, um alle Möglichkeiten voll auszukosten.           

Mehr als eine Spielerei

Künftig ist in dem Zentrum wohl mehr in dieser Richtung zu erwarten. Denn die Einrichtung erfährt wichtige Impulse durch die Universität Würzburg. Dort ist virtuelle Realität ein wichtiges Forschungsgebiet. Dass es sich dabei um viel mehr als eine Spielerei handelt, machte Prof. Dr. Carolin Wienrich in ihrem Vortrag deutlich.

"Wir forschen daran, wie wir die Technik einsetzen, um Menschen positiv zu motivieren", berichtete die Expertin. Denn die virtuelle Realität setze mit einer Täuschung der Wahrnehmung direkt an der Psyche an.  

Betroffenheit verstärken

Anschaulich berichtete Wienrich von der "Einstellungs-Verhaltens-Lücke", die uns daran hindere,  uns zum Beispiel klimagerechter zu verhalten. Zu sehr fehle es oft an der unmittelbaren Betroffenheit längst vorhandener Auswirkungen. Die gefährlichen Folgen kommen einem durch Computersimulation näher. Etwa, wenn man mittels Computersimulation plötzlich in einem philippinischen Dorf durch die Straßen watet, weil das Wasser  wegen des steigenden Meerespiegels über die Ufer getreten ist.

Auch zur Selbst- und Fremdwahrnehmung kann die virtuelle Realität wichtige Erkenntnisse beisteuern. Möglichkeiten gibt es viele. Ob man sich in einen älteren, einen jüngeren, einen größeren, kleineren oder einen Menschen mit anderer Hautfarbe hineinversetzt: Wissenschaftlich erwiesen sei inzwischen, dass die technischen Möglichkeiten für sozialeres Verhalten und gegen Vereinsamung wirken können. "Natürlich ist auch Missbrauch möglich", mahnte die Professorin alle Nutzer zur kritischen Begleitung alle Entwicklungen.                   

Noch einzelne Plätze frei 

"Da habe ich ja schon Ideen für künftige Angebote",  folgerte Joachim Schneider als Leiter des Naturerlebniszentrums aus dem Vortrag. Jetzt ist das dreiköpfige Team des Zentrums erst einmal mit der Ausrichtung der Veranstaltungsreihe Abenteuer Bodenleben beschäftigt. Anmeldung zu einzelnen Veranstaltungen ist noch möglich.       

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