Hammelburg

Hammelburger Ratskeller als antike Tempelstätte

Eine Metalband aus München nutzt einen Weinkeller aus dem Saaletal, um ein Musikvideo zu drehen, das im antiken Mesopotamien spielt. Schlagzeuger Jonathan Keller aus Thulba erklärt, wie es dazu kam.
Feuer leuchtet das Gewölbe  aus, Totengöttin Ereschkigal  steht im Mittelpunkt der Szene. Jonathan Keller
Feuer leuchtet das Gewölbe aus, Totengöttin Ereschkigal steht im Mittelpunkt der Szene. Jonathan Keller

Für einen Tag hat sich der Rathauskeller in einen altmesopotamischen Tempel verwandelt, wurde zur heiligen Stätte von Ereschkigal, der Totengöttin aus der sumerischen Mythologie. Die Metalband Eridu aus München hatte sich das Gewölbe als Kulisse ausgesucht, an der sie ihr erstes Musikvideo zum Lied "Astral Warfare" gedreht hat. Schlagzeuger Jonathan Keller kommt aus Thulba, ging in Hammelburg zur Schule und engagiert sich seitdem er 15 ist im Wasserhaus.

Um zu erklären, warum eine Münchner Metalband einen Weinkeller im Saaletal braucht, um ein Video zu drehen, das im antiken Zweistromland spielt - da muss der Luft- und Raumfahrtingenieur dann doch etwas weiter ausholen. Musikalisch greife Eridu orientalische Elemente auf, inhaltlich beschäftige sich die Band mit der mesopotamischen Hochzivilisation - inklusive legendenhafter Schlachten, obskurer Zeremonien und antiker Götterkulte. "Das ist eine wenig beachtete Thematik, die Stoff für spannende Geschichten liefert", sagt Keller. Außerdem hilft sie dabei, sich von anderen Bands abzusetzen. "Aus der Masse rauszustechen ist gar nicht so leicht", meint er. Mit dem aufwendigen Video und dem dazugehörigen Album hoffen Keller und Bandkollegen jetzt darauf, bei einer Plattenfirma unter Vertrag zu kommen.

Zurück zum Video: "In unserem Kulturkreis sind Wüsten und Tempelanlagen im altmesopotamischen Stil natürlich schwer zu finden", erzählt Keller. Also musste eine Alternative her, die in Sachen Mystik mithalten kann und die bezahlbar ist. An letzterem scheiterte die Kulissensuche in der Landeshauptstadt. Da erinnerte er sich an die urigen Gewölbe in seiner Heimat. "Ich fand die ursprüngliche Art der Weinkeller schon früher sehr schön", sagt er.

Guter Kontakt zum Rathaus

Das Album der Band trägt den Titel "Lugalbanda" und setzt sich mit dem gleichnamigen Gottkönig auseinander. Im Lied zum Video geht es um eine Vision Lugalbandas. "Der König sieht ein Lichtphänomen am Himmel und interpretiert es als zwei Heerscharen, die im Himmel aufeinandertreffen", erklärt der Schlagzeuger . Die Band wollte das Thema der Schlacht im Video umzusetzen - symbolisch dargestellt durch die Göttin der Unterwelt. Keller: "Zu ihren Ehren könnte die Schlacht stattgefunden haben. Darum haben wir sie ins Video eingebunden."

Die Bildsprache des Videos ist schlicht, düster, atmosphärisch. Die Sequenzen wechseln zwischen pyrotechnischen Effekten, der geheimnisvollen Gottheit mit Sternenkrone und orientalischen Gewändern (gespielt von Kellers Freundin Fay Berntssen, einer Bauchtänzerin) und der Band, die zwischen den massiven, dunklen Steinmauern auftritt. "Wir hatten uns vorher die Stimmung vorgestellt", sagt er. Die Band zeichnete Bilder und trug Motive aus dem Internet zusammen. Regisseur Kilian Lieb und Pyrotechniker Philip Plan inszenierten anhand dieser Ideen dann das Video. "Die Stimmung, die wir erzeugen wollten, kommt wunderbar zur Geltung", ist der Musiker mit dem Ergebnis zufrieden.

Ein Drehtag war nötig, zum Aufbauen ließ die Stadtverwaltung die Künstler schon am Vorabend ins Gewölbe. Die Stadt stand der ungewöhnlichen Anfrage aufgeschlossen gegenüber. "Wir waren überrascht, wie unkompliziert alles ging." Von 7 bis 20 Uhr haben Band und Team den Ratskeller für ihre Aufnahmen in Beschlag genommen. Das war im Sommer. "40 bis 50 Mal haben wir das Lied gespielt und in unterschiedlichen Einstellungen abgefilmt", erzählt Keller. Seitdem wurde das Material geschnitten, bearbeitet und zum fertigen Video zusammengesetzt. Vor kurzem hat die Band es veröffentlicht, der Clip steht zum Beispiel hier zum Anschauen bereit.

Infos zur Band Eridu Besetzung

Eridu wurde 2017 in München gegründet, als Band im Extremen Metal. Die Musiker benutzen Künstlernamen, Mitglieder sind: Enki ( Gesang ), Ishkur (Jonathan Keller, Schlagzeug ), Martu (Bass), Zahak (Rhythmus Gitarre) und Azag (Melodie Gitarre). Das Album Lugalbanda wurde im Mai veröffentlicht. Weitere Informationen zur Band finden Sie im Internet auf Facebook und Instagram.

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