Hammelburg

Hammelburger Stadtrat: CBB und Grüne erheben Ansprüche auf Stellvertreter-Posten

Noch gibt es keine Vorgespräche, aber in zwei Wochen konstituiert sich der neue Stadtrat, bildet Ausschüsse und wählt stellvertretende Bürgermeister. Reimar Glückler und Elisabeth Assmann melden Interesse an.
Auch zu Beginn der neuen Amtszeit übernimmt der Hauptausschuss formal als Ferienausschuss die Geschäfte der Stadt Hammelburg. Bürgermeister Armin Warmuth (vorne) wird auch dem neuen Gremium dieses Vorgehen vorschlagen.  Foto: Ralf Ruppert       -  Auch zu Beginn der neuen Amtszeit übernimmt der Hauptausschuss formal als Ferienausschuss die Geschäfte der Stadt Hammelburg. Bürgermeister Armin Warmuth (vorne) wird auch dem neuen Gremium dieses Vorgehen vorschlagen.  Foto: Ralf Ruppert
Auch zu Beginn der neuen Amtszeit übernimmt der Hauptausschuss formal als Ferienausschuss die Geschäfte der Stadt Hammelburg. Bürgermeister Armin Warmuth (vorne) wird auch dem neuen Gremium dieses Vorgehen vorschlagen. Foto: Ralf Ruppert

Morgen in zwei Wochen, am Freitag, 8. Mai, um 17 Uhr kommt der neue Hammelburger Stadtrat in der Aula der Grundschule zur konstituierenden Sitzung zusammen. Dann werden wichtige Weichen für die kommenden sechs Jahre gestellt. Anders als 2014 scheint es bisher jedoch noch keinerlei Vorgespräche gegeben zu haben. "Bei mir ist jedenfalls noch nichts angekommen", sagt Bürgermeister Armin Warmuth ( CSU ). Aktuell habe er mehr mit Corona, vor allem dem Ausbruch im Bürger-Spital, um die Ohren. Immerhin habe die Stadt-Verwaltung schon einmal durchgerechnet, wie sich die Ausschüsse bei verschiedenen Größen zusammensetzen: "Ich gehe wieder von einem Hauptausschuss mit zehn Mitgliedern aus", sagt Warmuth. Aber entscheiden werde auch das der neue Stadtrat .

Bei seinen Stellvertretern hat Warmuth noch gar keine Tendenz gehört: "Ich kann mit vielen zusammenarbeiten, wichtig ist mir eine loyale Vertretung." Auch die Zusammensetzung des 24-köpfigen Stadtrates aus neun Gruppierungen sieht Warmuth "vollkommen unaufgeregt". Ob wie bisher acht oder jetzt neun Listen: "Die Bevölkerung will aus meiner Sicht eher ein Miteinander als ein Gegeneinander haben." Der Bürgermeister kündigte zudem an, dass der Hauptausschuss auch in der neuen Amtszeit vorerst die Geschäfte des Stadtrates übernimmt. Nach der konstituierenden Sitzung wird es also zunächst keine weitere Sitzung im Plenum geben.

Glückler: "Ich hätte Interesse"

Einer, der sich bereits klar positioniert, ist Reimar Glückler , der seit 1990 für den Christlichen Bürgerblock (CBB) im Stadtrat sitzt: "Ich hätte Interesse", sagt er auf die Frage, ob er 2. Bürgermeister bleiben will. Der 75-Jährige war bereits zwei Perioden 3. und wurde 2014 dann 2. Bürgermeister. Der CBB hatte bei der Kommunalwahl einen Sitz dazu gewonnen und stellt mit vier Räten die zweitstärkste Fraktion. Den Anspruch auf den 2. Bürgermeister erkennen auch mehrere andere Fraktionen auf Nachfrage an.

"Der CBB und die Grünen sind sicherlich die Wahlgewinner", sagt etwa CSU-Fraktionssprecher Martin Wende . Die CSU hatte als erste Fraktion bereits ein Treffen, um die Strategie für die kommenden Jahre zu besprechen. "Wir wollen bei vielen Themen unsere Linie beibehalten", nennt Wende als Ergebnis. Deshalb habe er sich auch wieder als Fraktionsvorsitzender zur Verfügung gestellt und sei einstimmig gewählt worden. Mit acht von 24 Stadträten sieht die CSU keine Chancen, neben dem Bürgermeister auch noch einen Stellvertreter zu stellen, deshalb geht Wende auf CBB und Grüne zu: "Wir werden versuchen, möglichst viele mit ins Boot zu holen", gibt er als Strategie aus.

In der CBB-Fraktion gibt es zwei Neuerungen: Dominik Sitter wechselt am 1. Mai im Stadtrat von der Bürgerliste zum CBB, Dr. Reinhard Schaupp saß bis 2014 für die SPD im Stadtrat und wurde nun über die CBB-Liste gewählt: "Ich sehe mich als unabhängiger Stadtrat ", kommentiert Schaupp seine Position. Ungewöhnlich ist, dass seine Frau Rita Schaupp der SPD-Stadtratsfraktion angehört. Er sieht das als "innerfamiliäre Pluralität": "Wir führen eine harmonische Ehe, auch wenn wir uns bei verschiedenen Gruppierungen beworben haben."

Auch seine Frau Rita Schaupp sieht die Situation entspannt: "Für mich ist Kommunalpolitik keine Parteipolitik ", sagt die amtierende 3. Bürgermeisterin. Die 58-Jährige war vor sechs Jahren nach eigenen Angaben überrascht, dass sie in den Stadtrat gewählt wurde und Bürgermeister Warmuth sie auch noch gleich als 3. Bürgermeisterin vorschlug. Die Chancen auf eine Wiederwahl schätzt sie jetzt gering ein: "Ich würde antreten, aber natürlich würden der CBB und den Grünen eher die Vertreter-Posten zustehen", sagt sie, und: "Dann fällt die SPD halt hinten runter." Schließlich habe die Fraktion ja einen von drei Sitzen verloren: "Das ist der Wählerwille."

"Die Grünen werden einen Anspruch erheben auf einen Stellvertreter-Posten", berichtet Elisabeth Assmann auf Nachfrage. Noch haben die Fraktionen die Aufgaben nicht verteilt, deshalb will sich die Diebacher Ortsbeauftragte auch nicht festlegen, aber: Sie sei "nicht abgeneigt", sagt sie auf Nachfrage. Zudem habe sie von den drei Grünen-Stadträten vermutlich am ehesten die Zeit dazu: "Ich würde mich der Aufgabe stellen", kündigt Assmann an.

Ganz weit weg sind die ganzen Spekulationen um die Größe der Ausschüsse und die Verteilung der Stellvertreter-Posten noch für die beiden jüngsten Stadträtinnen , die beiden 18-Jährigen Maria Pfaff ( Junge Liste ) und Emma Bindrum (Generation Z). "Ich lasse das auf mich zukommen", sagt Bindrum, und: "Mir ist bewusst, dass ich am Anfang nicht so viel mitreden kann." Als einzige Vertreterin der neuen Gruppierung Gen Z hat sie nicht mal Fraktionsstatus und kommt ohne Ausschuss-Gemeinschaft nicht mal in den Hauptausschuss, der zunächst die Geschäfte übernimmt. Das sei angesichts der aktuell komplizierten Vorbereitung aufs Abitur aber auch okay. Außerdem wolle sie nach dem Abi länger ins Ausland und danach eine Ausbildung bei der Polizei beginnen.

Bindrum und Pfaff würden im Stadtrat gerne nebeneinander sitzen. Auch Maria Pfaff ist froh, wenn sie nicht zusätzlich noch in viele Ausschüsse kommt, weil sie als einzige Stadträtin aus Obererthal bereits das Amt der Ortsbeauftragten dort übernehmen musss. "Deshalb passt das schon, wenn es im Stadtrat langsamer losgeht", kommentiert sie die corona-bedingte Ferienausschuss-Lösung. Der Vater von Emma Bindrum, CSU-Stadtrat Patrick Bindrum , plädiert für Rücksicht auf die neuen Stadträte : "Wichtig ist, dass wir vor allem die jungen Stadträtinnen unterstützen, gerade die Ortsbeauftragte Maria Pfaff."

Klare Trennung der Rollen

Erst anfreunden muss sich auch Matthias Ludolph, Leiter des Frobenius-Gymnasiums, mit der neuen Situation, bald zwei Stadträtinnen in der Q 11 zu haben: "Wir werden die Rollen als Schülerinnen und Mandatsträgerinnen klar trennen", kündigt er an. Es sei durchaus im Sinne des politischen Bildungsauftrages, dass sich Schüler politisch engagieren, allerdings sei im Unterricht auch in Zukunft kein Wahlkampf erlaubt. Ob er sich in Zukunft über politische Themen wie den geplanten neuen Schul-Campus mit Maria Pfaff und Emma Bindrum austausche, müsse sich noch ergeben.

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