Bad Kissingen

Harfen werden nicht nur im Himmel gezupft

Wenn beim Winterzauber ein Konzert mit Harfe auf dem Programm steht, könnte man einen Engel vermuten, der dem Jahrtausende alten Instrument sphärische Klänge entlockt.
Cornelia Patzlsperger und Sinisa Horn. Foto: Werner Vogel
Cornelia Patzlsperger und Sinisa Horn. Foto: Werner Vogel
Der Engel an der Harfe hätte dann blond zu sein, müsste eine glockenhelle Stimme haben, figurlos scheinen und feierlich überirdisch in Fernen sehen. Cornelia Patzlsperger aber ist anders, ganz anders. Da betritt eine attraktive brünette Schönheit in rotem Korsagenkleid die Bühne und hat keine engelszarte Stimme. Dazu ist sie sehr irdisch, sehr fröhlich, vor allem aber sehr musikalisch. Was ist da passiert im Rossini-Saal, dass schon zur Pause bei "Ein Hoch auf uns" mitgesungen, rhythmisch geklatscht und am Ende getrampelt und nach Zugaben gerufen wurde?


Cohen statt Händel

Doch, es gab Anklänge an christliche Hochfeste, als Cornelia Patzlsperger das Halleluja sang. Allerdings nicht das von Händel, sondern den Hit von Leonhard Cohen. Da wird auch jubiliert, aber weniger himmlisch, eher erdig, kantig mit einer Harfe, die die Melodie zwar vorgibt, gleichzeitig aber Drums und Rhythmusgitarre ersetzt. Mit einer bewusst geführten Stimme, die, zunächst noch verhalten, später aber befreit zeigt, wie man bekannte Rocksongs mit eigenem Stil mitreißend interpretiert.


Wechsel ins Bayerische

Die Wahlmünchnerin kann aber auch innig, vermittelt Louis Armstrongs "Wonderful World" ganz neu. Da darf die Harfe mit fließenden Glissandi ihrer zurückgenommenen Stimme gleichwertiger Partner sein. Auch ihre eigenen Songs sind Balladen, die mit ihrem Instrument außergewöhnliche Klangteppiche ausrollen, wo sie aber auch ihre Stimme in weiche Tiefen und gleißende Höhen führt. "Du bist es" und "Nun ist es Liebe" singen von menschlichen Gefühlen, die sie überzeugend wiedergeben kann, weil sie die 47 Seiten der Konzertharfe virtuos beherrscht.

Aber bei "So verrückt", da bricht sich bayrisch lebenslustiges Temperament so richtig Bahn, moduliert sie ideenreich, entlockt der Harfe klangmalerische Raffinessen und ihre Stimme funkelt und sprüht.
Nach der Pause wird's dann bayrisch-zünftig. Die gebürtige Bad Tölzerin erscheint im Dirndl mit Gitarre und bringt auch noch ihre Mama mit, die nicht nur ihre "bayerische Amtstracht" geschneidert hat, sondern mit ihr auch noch die eine Volksweise im Duett singt. Einfach herzerfrischend! Eine kleine Weile weht noch Bodenständiges durch den Rossini-Saal, als Patzslperger auch dem Hackbrett luftig verschmitzte Töne zu entlocken weiß. Da passt der Jodler, den sie selbst geschrieben hat, ins Bild, zeigt vor allem aber ihr Talent als Komponistin. Blitzsauber handhabt sie mit erstaunlichem Tonumfang ihre Stimme. Perlende Arpeggien begleiten den rockigen Jodler. "Des is a Tag" bleibt im Gedächtnis. Crossover geht auch im Dirndl! Dann ist es aber auch genug mit Bayern. Flugs hat sie sich ihrer Dirndlschürze entledigt,in Hot Pants geht's mit Songs wie an der nächtlichen Pianobar weiter.

Da wird es höchste Zeit, ein Loblied auf ihren Begleiter zu singen. Sinisa Horn ist nicht nur ein ganz feiner Musiker, er hat auch ein sicheres Gespür, was das Piano neben der mächtigen Stimme und dem raumfüllenden Instrument darf und kann. Horn begleitet nicht nur auf dem Piano, sondern auch mit einem weichen Bariton. Der ergänzt, füllt auf, glättet aber auch und mildert. Seine Begleitung hebt das Konzert in eine andere Liga. Wenn man erfährt, dass die Zusammenarbeit in Bad Kissingen eine Premiere war, kann man der Künstlerin nur raten, die Zusammenarbeit fortzusetzen. Zu Recht wurde auch Sinisa Horn am Ende frenetisch gefeiert. Aber noch eine weitere Überraschung hatten die beiden Künstler parat. Völlig offen, unaufgeregt und herzlich stellten sie sich schon in der Pause und am Ende des Konzerts dem Publikum im Foyer. Kein Handyfoto war zu viel, Cornelia Patzlsperger schrieb mit entwaffnendem Lächeln ihren Namen dutzendfach auf Eintrittskarte und CD Cover.

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