Bad Kissingen

Heftige Kritik an Helios in Bad Kissingen und Hammelburg

Heftige Kritik am Helios-Konzern übte Kathrin Weidenfelder von ver.di in München bei der Mai-Kundgebung im Bayerischen Hof von Bad Kissingen.
Kathrin Weidenfelder im Bayerischen Hof. Dieter Britz
Kathrin Weidenfelder im Bayerischen Hof. Dieter Britz
Kathrin Weidenfelder weiß, wovon sie spricht. Viele Jahre hat sie als Kinderkrankenschwester gearbeitet, heute ist sie Gewerkschaftssekretärin bei der Gewerkschaft ver.di in München und dort
zuständig für den Bereich Gesundheit und soziale Dienste mit den Schwerpunkten Pflege und Gesundheitsleistungen. Der DGB-Kreisvorsitzende Gerhard Klamet konnte sie zur Mai-Kundgebung im Hotel Bayerischer Hof als Rednerin gewinnen. Über 100 DGB-Mitglieder wollten hören, was sie zum Thema "Solidarität, Vielfalt, Gerechtigkeit", dem bundesweiten Motto für den Tag der Arbeit im Jahr 2018 zu sagen hatte.

Besonders kritisierte sie, dass kommunale Krankenhäuser noch immer privatisiert werden und in den Augen der neuen Eigentümer reine Renditeobjekte sind. Gesundheit werde in Deutschland als Ware betrachtet, kritisierte der DGB-Kreisvorsitzende, Gerhard Klamet . Der Plan, Pflege-Fachkräfte aus dem europäischen, Ausland zu holen, sei gescheitert. Diese seien angesichts der Zustände in
Deutschland lieber wieder zurück in ihre Heimat gegangen.

In seinem Ausblick für 2018 erwähnte er, dass das DGB-Ortskartell Ramsthal am 9. Juni sein 50-jähriges Bestehen feiert. Festredner ist Fritz Schösser, der frühere DGB-Landesvorsitzende. In Ramsthal stehe übrigens, so Gerhard Klamet, der einzige Maibaum in Bayern mit einem DGB-Logo. Am 26. September findet im bayerischen Hof der "heiße Stuhl" mit Landtags-Kandidaten statt. Dort werden sie dann nach ihrer Meinung zu diversen Themen befragt.


Die Mai-Kundgebung im kommenden Jahr wird nicht wie gewohnt im "Bayerischen Hof" stattfinden, sondern auf der Trimburg. Festredner ist der unterfränkische DGB-Regionsgeschäftsführer
Frank Firsching. Grund für diesen Ortswechsel ist die geplante Zusammenlegung der DGB-Kreisverbände Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld mit Gerhard Klamet an der Spitze.

Bei den Betriebsratswahlen seien gute bis sehr gute Ergebnisse für die DGB-Gewerkschaften erzielt worden. Das nicht mehr existierende Steigenberger Hotel sei das einzige mit einem guten Organisationsgrad und einem Betriebsrat gewesen. "In der Staatsbad GmbH wird es keine Wahl mehr
geben" bedauerte der DGB-Kreisvorsitzende.

"Mit aller Gewalt gegensteuern" müssten die Kollegen, wenn in Betrieben AfD-nahe Kandidatenlisten
auftauchen. Er erinnerte daran, dass die Gewerkschaft ver.di die Haustarifverträge für die Helios-Kliniken in Bad Kissingen und Hammelburg gekündigt hat. Er hofft auf einen vernünftigen neuen Vertrag in absehbarer Zeit.

Der Helios-Konzern mit seinen beiden Krankenhäusern in Bad Kissingen und Hammelburg handele im Sinne absoluter Gewinnmaximierung bei gleichzeitig maximaler Kosteneinsparung, "und das alles auf Kosten der Gesundheit der Patienten und dem Gehalt, der Arbeitsbedingungen und damit auch der Gesundheit der Kolleginnen und Kollegen. " Die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger und der Krankenhaus-Mitarbeiter sei aber keine Ware und dürfe nicht länger den Spekulationen von Investmentfirmen preisgegeben werden. "Im Krankenhaus geht es darum, dass ich gesund wieder rauskomme, nicht um Rendite", betonte sie.

Markus Höppner, Helios-Pressesprecher sagt zu diesem Thema auf Anfrage dieser Zeitung: "Dass sich Tarifparteien zusammensetzen, um einen Tarifvertrag neu zu verhandeln, ist ein normaler Vorgang. Dass die Verhandlungen von entsprechender Rhetorik begleitet werden, ebenfalls. Wir sind weiterhin verhandlungsbereit und zuversichtlich, zu einer Einigung zu kommen. Die Bevölkerung weiß, dass unsere beiden Kliniken einen wichtigen und wertvollen Beitrag zur Gesundheitsversorgung im Landkreis und darüber hinaus leisten. Unsere medizinische Qualität ist dabei ausgezeichnet, wie unsere Qualitätszahlen für das Jahr 2017 belegen." Im Laufe des Mais, so Höppner weiter, würden die Zahlen für jedermann frei zugänglich im Internet veröffentlicht werden. "Die hohe medizinische Qualität ist das Ergebnis der engagierten und kompetenten Zusammenarbeit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller Berufsgruppen, denen wir sichere Arbeitsplätze, ein modernes Arbeitsumfeld und berufliche Entwicklungsperspektiven in zwei wirtschaftlich gesunden Kliniken anbieten."

Kathrin Weidenfelder kritisierte auch das Eindringen geldgieriger Unternehmen in den Altenpflege- und Seniorenbereich: "Immer mehr Unternehmen aus aller Welt drängen auf den Altenpflegemarkt und haben nur eines im Blick, die Rendite." In der Krankenhausbranche gehe es oft um "Geld, Geld, Geld!" Die Investmentfirmen kämen wegen der hohen Rendite, "aber das ist nicht meine Gesellschaft."

Kathrin Weidenfelder kritisierte es als "grauenvolle Entwicklung," dass viele Kommunen ihre Krankenhäuser verkauft haben. Öffentliche Daseinsvorsorge müsse kommunal bleiben.

Zur Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, den Pflegenotstand mit Fachkräften aus dem Ausland zu decken, meinte sie, mittlerweile gebe es einen Managertourismus mit einer regelrechten Jagd nach Pflegekräften, allerdings mit nur sehr wenig Erfolg. Die neuen
Kollegen würden nicht in die Betriebe und ihre neue Umgebung integriert, ihnen keine Möglichkeit gegeben, die Sprache zu lernen. Unter diesen Arbeitsbedingungen würden viele nach einiger Zeit wieder zurück zu ihren Familien und ihre gewohnte Umgebung gehen. "Für alle gilt
das gleiche, die Arbeitsbedingungen müssen stimmen. " sw

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