Münnerstadt

Heimatspielhaus Münnerstadt: Seit 235 Jahren geht in der Stadt die Post ab

Bis 8. November ist im Heimatspielhaus eine neue Ausstellung zur Postgeschichte in Münnerstadt zu sehen. Sie beleuchtet unter anderem, wo die Post überall untergebracht war, erklärt wann die erste Telegrafenstation kam und wie ein französischer Offizier zum Posthalter wurde.
Im Rathaus war das Postamt 1894 bis 1932 untergebracht. Das Foto wurde mit  einem 220-Grad-Fisheye-Objektiv auf aufgenommen und dann noch mit einem  Kaleidoskop-Zusatzprogramm verfremdet. Foto: Dieter Britz       -  Im Rathaus war das Postamt 1894 bis 1932 untergebracht. Das Foto wurde mit  einem 220-Grad-Fisheye-Objektiv auf aufgenommen und dann noch mit einem  Kaleidoskop-Zusatzprogramm verfremdet. Foto: Dieter Britz
| Im Rathaus war das Postamt 1894 bis 1932 untergebracht. Das Foto wurde mit einem 220-Grad-Fisheye-Objektiv auf aufgenommen und dann noch mit einem Kaleidoskop-Zusatzprogramm verfremdet. Foto: Dieter Britz

Im Obergeschoss des Heimatsspielhauses heißt es bis zum 8. November "da geht die Post ab - 235 Jahre Münnerstädter Postgeschichte". So lautet der Titel einer kleinen, aber hochinteressanten Ausstellung , die am Freitag eröffnet wurde. Wegen der Corona-Pandemie begrüßte Martin Kuchler , der Vorsitzende des Heimatsspiel-Vereins, nur eine kleinere Zahl von Gästen zur Vernissage. Er dankte insbesondere Ortwin Guhling, der die Ausstellung konzipiert hat, und Christine Schikora. Die Grafikerin ist für die gestalterische Umsetzung und die Herstellung der Ausstellungstafeln verantwortlich.

Kuchler betonte, dass diese Ausstellung eigentlich als Beitrag zur 1250-Jahr-Feier der Stadt gedacht gewesen sei. Bürgermeister Michael Kastl ( CSU ) sagte: "Da geht die Post ab - das würde ich gerne öfter in der Stadt hören" und er merkte an: "Corona macht uns nachdenklich und sorgenvoll". Wie es mit weiteren geplanten Veranstaltungen zum Stadtjubiläum weitergehe, sei noch unsicher.

Ortwin Guhling dankte insbesondere Christine Schikora, dass sie die Konzeption der Ausstellung so professionell umgesetzt hat. Darüber hinaus dankte er seinem Vater Klaus Dieter-Guhling. Der Münnerstädter Stadtarchivar hat bei der Zusammenstellung und beim Suchen von Material mitgeholfen. "235 Jahre Postgeschichte sind etwas gerundet, denn eigentlich sind es nur 234 Jahre", räumte Ortwin Guhling ein. Die Postgeschichte sei ein Stück greifbarer Zeitgeschichte und zeige auch die persönlichen Schicksale von Menschen. Dazu zählt zum Beispiel ein Feldpostbrief aus dem Zweiten Weltkrieg mit dem Stempel "zurück an Absender. Empfänger gefallen ..."

Die zahlreichen Schautafeln sind sehr informativ und dokumentieren zum Beispiel, wo die Post in den 234 Jahren überall residierte. Angefangen hat es im Gasthaus zum Goldenen Löwen (1786 bis 1841), gefolgt vom Gasthaus zum Adler (1841 bis 1847) und dem Gasthaus zum Fränkischen Hof (1847 bis 1874). Es folgten der Bahnhof (1874 bis 1894) und das Rathaus (1894 bis 1932). Dann zog die Post um in ein eigens in der Bahnhofstraße errichtetes Gebäude und blieb dort fast 60 Jahre bis 1990. Die Immobilie beherbergt heute das Rote Kreuz . Bis 2002 war das Postamt anschließend am Marktplatz direkt gegenüber dem Rathaus untergebracht und zog schließlich ins "Tintenfässchen" um.

Auch das gehört zur Postgeschichte: 1869 bekam die Stadt eine Telegrafenstation, seitdem konnten die Münnerstädter Telegramme aufgeben. 1903 wurde das Ortstelefonnetz mit zehn privaten Telefonanschlüssen in Betrieb genommen. Die Gespräche wurden damals noch alle handvermittelt, Selbstwählbetrieb gab es erst ab Februar 1957. Sogar Ansichtskarten der Stadt stellt Ortwin Guhling aus.

Die Ausstellung dokumentiert auch, wie die Ausstellung überhaupt zustande kam: Im Herbst 2019 tauchten zwei englischsprechende Herren im "Fränkischen Hof" auf und erkundigten sich bei Antje Abeska nach der Geschichtedes Gebäudes. Se holte Martin Kugler hinzu, der gleich feststellte, dass einer der beiden, Dr. Thomas Dooley, ein Nachfahre von Ludwig Rambour, dem Posthalter von 1807 bis 1822 im "Goldenen Löwen" war. Dieser Posthalter war ursprünglich Offizier in der Armee des französischen Kaisers Napoleon . 1801 kam er als Louis nach Münnerstadt und verliebte sich in Johanna Barbara Mahler, die Tochter des ersten Posthalters der Stadt . Sie erwiderte seine Liebe, er blieb hier und sie heirateten. Auch er wurde als Nachfolger seines Schwiegervaters Posthalter. Als er 1822 starb, übernahm Sohn Karl das Amt.

Thomas Dooley ist übrigens im Besitz von Bildern seiner Münnerstädter Urahnen, die auf einer Schautafel gezeigt werden. Dabei handelt es sich vermutlich um die allerersten lebensechten Bilder von Bürgern der Stadt , schätzt Ortwin Guhling. Martin Kuchler und Ortwin Guhling dankten auch den Mitgliedern des Rhönklub-Fotokreises, die einen sehenswerten Beitrag zur Ausstellung leisten. Sie hatten die Aufgabe bekommen, das Kapitel "Postgeschichte" künstlerisch aufzuarbeiten. Sie fotografierten deshalb alle Gebäude, in denen die Post seit 1786 untergebracht war und verfremdeten die Fotos zum Teil recht stark mit allem, was Bildbearbeitung und Kameratechnik hergaben. Diese Bilder werden in Dauerschleife auf einem Monitor gezeigt.

Öffnungszeiten und Rahmenprogramm

Die Ausstellung ist bis zum 8. November donnerstags bis samstags von 10 bis 17 Uhr und sonntags von 11.30 Uhr bis 18 Uhr zu sehen. Am Sonntag, 25. Oktober gibt es um 16 Uhr eine Führung durch die Ausstellung mit Ortwin Guhling. Anmeldung per E-Mail an heimatspielhaus@web.de oder unter Tel.: 09733/780550. Am Mittwoch, 4. November, ab findet in der Alten Aula ein Vortrag von Ortwin Guhling statt zum Thema "Streifzug durch die lokale Postgeschichte vom späten 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart" (Veranstalter Henneberg-Museum).

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