LKR Bad Kissingen

Hochzeit in der Krise

Seit Corona unseren Alltag beherrscht, verändert sich auch unser Umgang mit einschneidenden Lebensereignissen. Welchen Einfluss hat Corona auf Beerdigungen und Hochzeiten?
Allein auf weiter Flur? Momentan finden Hochzeitsfeiern auch nur im kleinsten Kreis statt. Fotolia       -  Allein auf weiter Flur? Momentan finden Hochzeitsfeiern auch nur im kleinsten Kreis statt. Fotolia
Allein auf weiter Flur? Momentan finden Hochzeitsfeiern auch nur im kleinsten Kreis statt. Fotolia

Leider wird das in der nächsten Zukunft noch die derzeitige Situation auf Friedhöfen im Landkreis sein: Beerdigungen im kleinsten Kreise, oft nur die engsten Familienangehörigen. Und auch Trauungen sind zu Zeiten von Corona nicht ein großes Fest mit Familie und Freunden. Zumindest bis zum 19. April.

So lange dauert momentan der von der bayerischen Staatsregierung ausgerufene Katastrophenfall. Bei Bestattungen handelt es sich dem Grundsatz nach um Veranstaltungen, deshalb gilt auch für sie eine Beschränkung bis zum 19. April. Dies umfasst Trauergottesdienste, Aussegnungen, Verabschiedungen und Beisetzungen.

Damit eine Beerdigung trotzdem stattfinden kann, erfragt das Bestattungsunternehmen beim Landratsamt eine Ausnahmegenehmigung. Die Trauergesellschaft darf maximal 15 Trauergäste und nur den engsten Kreis umfassen. Bestattungsmitarbeiter und der Pfarrer werden nicht mitgezählt. "Es geht ums Ausgrenzen. Das muss man so deutlich sagen. Die meisten Leute kommen spielend auf 15 Personen", sagt Bestattermeister Rüdiger Fehr vom Bestattungsunternehmen Apfelbacher und Fehr aus Bad Kissingen. Außerdem dürfen Angehörige den Bestattungstermin nicht in der Presse oder auf anderem Weg bekannt machen, um zu verhindern, dass die Zahl von 15 Personen überschritten wird. So steht es in einem Schreiben des Bayerischen Staatsministeriums. Trauergäste, die Fieber haben oder Husten, dürfen nicht zur Bestattung kommen.

Der Erdwurf, den Angehörige oft mit einer kleinen Schaufel am offenen Grab machen, ist verboten. Auch den Sarg mit Weihwasser zu besprenkeln, geht nicht. Das Kondolenzbuch ist untersagt. "Das alles sind Empfehlungen. Diese gibt es, um Kontakt zu vermeiden, darum geht es", erklärt Fehr die Einschränkungen. Er verweist auf Möglichkeiten, die Angehörige noch haben: "Jemand kann sein eigenes Weihwasser oder in der Hosentasche Erde mitbringen." Nur an andere Personen weitergeben, das solle man nicht.

Blumen gibt es noch

Livemusik sei schwierig, Musik vom Band ginge. Auf Blumen musste laut Fehr noch niemand verzichten: "Wir konnten unsere Mandaten bisher mit Blumen versorgen." Es gebe auch Veränderungen in der Besprechungs- und Beratungskultur, sagt Fehr. Er versuche, den Menschen schon im Vorfeld Informationen auf seiner Homepage zukommen zu lassen. "Zum Beratungsgespräch dürfen nur zwei Angehörige kommen. Hausbesuche sind ausgeschlossen."

Beerdigungen können auch verschoben werden. "Bei Urnenbestattungen ist das möglich." Erdbestattungen müssten innerhalb von 96 Stunden nach dem Tod vorgenommen werden. Sterbeurkunden stelle das Standesamt bisher ohne größere Verzögerungen aus.

"Man kann sich bei Beerdigungen nicht auf die Weise nahe sein wie sonst. Es ist etwas anderen, ob man zwei Meter Abstand hält oder ob man jemanden umarmt", sagt Dekan Stephan Hartmann.

Seelsorger am Telefon

"Trauergespräche sind am Telefon schwieriger", sagt er. Als Beispiel nennt er den Fall, wenn ein Angehöriger mal fünf Minuten schweige. Als direkter Tischnachbar sei das kaum problematisch. Am Telefon fünf Minuten nichts zu sagen, sei schon schwieriger.

Als Seelsorger spricht er auch mit Menschen mit existenziellen Ängsten: "Jetzt ploppen viele wirtschaftliche Fragen auf. Die Menschen fragen sich, wie es jetzt mit ihrer Firma weitergeht. Da kann ich nur ein paar beruhigende Worte sprechen, da hab ich ja null Ahnung!"

Und was ist mit Paaren, die heiraten möchten, aber unsicher sind, ob die Feier überhaupt stattfinden kann? "Ich kann nicht in die Glaskugel schauen. Wir als Priester können da keine Tipps geben", sagt Hartmann. Julia Morschhäuser, 28, aus Erlangen, will ihren Partner am 10. Juli standesamtlich heiraten. "Wir müssen nur noch hingehen, ja sagen und unterschreiben", sagt die medizinische Fachangestellte. Ihr Standesamt erlaubt jetzt acht Teilnehmer inklusive Brautpaar. Seit der Corona-Krise ist vieles ungewiss: Kann die freie Trauung einen Tag später mit rund 90 Gästen im Juli stattfinden?

"Die Hochzeit ist ein Fest, bei dem man seine Lieben ganz nah bei sich haben will. Auch Omas und Opas. Man will sich umarmen. Da wollen wir kein Risiko eingehen." Der Vertrag mit dem Restaurant , wo sie feiern wollen, sieht eine Ausfallgebühr von 3000 Euro vor. "Ein Batzen Geld!", sagt Julia Morschhäuser. Hinzu kommen Kosten für Fotograf und Redner. "Die haben auch eine Anzahlung erhalten." Aktiv sei noch niemand auf sie zugekommen.

Und dann sind da die Gäste, die nachfragen, ob die Hochzeit stattfindet. "Bei Whatsapp gibt es dieses Emoji, der ratlos guckt und beide Arme hochreißt", beschreibt Julia Morschhäuser ihre Antwort auf Nachfragen der Gäste. Und wo könnten die Gäste bleiben? "Hotels sind ja auch geschlossen." Sie will noch abwarten. "Man hofft immer noch. Anderseits haben wir uns damit abgefunden, dass es am 11. Juli wohl nicht klappen wird." Sie habe mit verschiedenen Ärzten gesprochen. "Die Corona-Krise hat ihren Höhepunkt noch nicht erreicht."

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