LKR Bad Kissingen

Höhere Energiekosten ab Januar

Ab 1. Januar wird eine CO2-Abgabe fällig unter anderem auf Benzin, Diesel, Heizöl und Gas. Ändern die Stadtwerke deshalb ihre Preise und müssen Verbraucher nun mehr zahlen? Das müssen Verbraucher jetzt wissen.
Schon ein Grad an Raumtemperatur weniger, kann Kosten sparen. Foto: Charlotte Wittnebel-Schmitz       -  Schon ein Grad an Raumtemperatur weniger, kann Kosten sparen. Foto: Charlotte Wittnebel-Schmitz
| Schon ein Grad an Raumtemperatur weniger, kann Kosten sparen. Foto: Charlotte Wittnebel-Schmitz

Viele Haushalte wurden bereits von ihren Energieversorgern informiert: Ab Januar steigen die Preise für Benzin , Diesel , Heizöl und Gas. Grund ist die Einführung eines Preises für die Nutzung von Brennstoffen, bei deren Verbrennung Kohlendioxid (CO2) entsteht. Für einen Beispielhaushalt bedeutet das nach Berechnungen der Verbraucherzentrale Mehrkosten von gut 200 Euro.

Ziel: Kohlendioxid senken

Diese CO2-Bepreisung aus dem Klimapaket der Bundesregierung soll dabei helfen, bis 2030 den Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid zu senken. Gleichzeitig werden fossile Energieträger teurer. Damit werden Anreize gesetzt, auf klimaschonende Technologien umzusteigen, mehr Energie zu sparen und erneuerbare Energien zu nutzen.

Als Gegenmaßnahme sollen nach dem Willen der Politik die Strompreise gesenkt werden, was aber nicht alle Energieversorger vorhaben. Wie reagieren die Stadtwerke im Landkreis?

Preispolitik der Stadtwerke

"Wir führen in 2021 keine Preiserhöhung bei Erdgas durch", sagt Michael Garhamer, Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Brückenau . Da die aktuellen Börsenpreise für Erdgas gefallen sind, sei es ihnen zumindest im Jahr 2021 möglich, Kunden zu gleichen Grundversorgungstarifen zu beliefern.

Und er versichert: Auch beim Strom gebe es 2021 keine Preiserhöhung.

Auch die Stadtwerke Hammelburg haben gute Nachrichten: "Erfreulicherweise ist es den Stadtwerken Hammelburg gelungen, durch die gesunkenen Bezugskosten für Gas die zusätzlichen Kosten durch den CO2-Preis annähernd auszugleichen", sagt Anja Binder, Geschäftsführerin der Stadtwerke Hammelburg. Für Kunden der Hammelburger Stadtwerke blieben die Preise für Gas daher im Jahr 2021 vorerst gleich.

"Auch die Stromkunden werden im Jahr 2021 - sofern keine Änderung von Preisbestandteilen erfolgt, auf die die Stadtwerke Hammelburg keinen Einfluss haben - von stabilen Strompreisen profitieren."

Unterschied Grundversorgung und Produktverträge

Bei den Stadtwerken Bad Kissingen steigt der Preis für das verbrauchte Gas (Arbeitspreis) um 0,18 Cent je kWh im Bereich der Grund- und Ersatzversorgung. "Wir haben unsere Kunden, die sich in der Grundversorgung befinden, über eine moderate Anpassung informiert und sie gleichzeitig gebeten, sich auch über alternative Erdgasprodukte bei unserem Kundenzentrum zu informieren oder beraten zu lassen", teilt Geschäftsführer Manfred Zimmer mit.

Im Gegensatz zur Grundversorgung haben Produktverträge meist eine feste Vertragslaufzeit und feste Preise. Deshalb bleiben die Erdgaspreise hier unverändert.

Beratung

Nathalie Bachmann von der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Landratsamtes nennt Beratungsmöglichkeiten: "Bezüglich der energetischen Sanierung von Wohngebäuden - und damit geht es auch bei vielen Gebäuden um die Einsparung von Erdgas - bietet unser Fachmann von der Unteren Immissionsschutzbehörde eine Impulsberatung für die Bürger und Bürgerinnen an." Im Regelfall verweise dieser dabei auf freie Energieberater, die mit ihren EDV-Programmen die Einsparungen im Rahmen einer Gebäudesanierung berechnen können.

Ab Mai 2021 werde außerdem der Energieausweis im Neubaubereich und beim Verkauf bzw. der Vermietung von Häusern oder Wohnungen um eine CO2-Angabe erweitert.

Im Folgenden ein Überblick in zehn Punkten.

1. Klimapaket

Die Bundesregierung hat mit dem Klimapaket ein Bündel an Maßnahmen beschlossen. Unter anderem werden Erdgaslieferanten ab dem 1. Januar 2021 dazu verpflichtet, Emissionszertifikate für die Verbrauchsmengen ihrer Kunden zu erwerben ("CO2-Preis"). Im Jahr 2021 kostet ein solches Zertifikat 25 Euro für eine Tonne CO2. Nach schrittweisen Steigerungen wird 2025 ein Preis von 55 Prozent erreicht sein (ohne Mehrwertsteuer).

2. Mehrkosten

Die Mehrkosten müssen zunächst Heizöl- und Kraftstoffhändler sowie Gasversorger bezahlen. Wie viel davon sie an ihre Kunden weitergeben, entscheiden die Unternehmen selbst.

3. Preisänderungen

Zum Jahreswechsel haben zwar einige Versorger Preissenkungen angekündigt, andere werden ihre Tarife aber erhöhen. Das haben erste Auswertungen der Internet-Vergleichsportale Verivox und Check24 ergeben.

Für die Entlastung der Verbraucher sollen eine Senkung des Strompreises und die Pendlerpauschale für Arbeitnehmer mit längeren Fahrwegen sorgen.

4. Berechnung

Die Verbraucherzentrale hat eine Berechnungsgrundlage für die Preissteigerung der Heizkosten erstellt: Den Energieverbrauch von Haus bzw. Wohnung in Kilowattstunden (kWh) pro Jahr der Heizkostenabrechnung entnehmen. Dann den Energieverbrauch mit dem sogenannten Emissionsfaktor des Energieträgers Gas (202 Gramm/kWh) bzw. Öl (266 Gramm/kWh) multiplizieren und schließlich die damit errechnete CO2-Bilanz des Energieverbrauchs mit dem zukünftigen CO2-Preis multiplizieren.

Unter www.verbraucherzentrale.de gibt es auch einen interaktiven Rechner.

5. Heizöl

Voraussichtlich werden im neuen Jahr acht Cent auf den Liter Heizöl aufgeschlagen. Wie beim Strom und Gas werden zudem wieder 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig. Die Verbraucherzentrale empfiehlt rasches Handeln: Bei einer Tankfüllung von 3000 Liter mache es in der Summe einen Preisunterschied von etwa 275 Euro, wenn noch 2020 statt im Jahr 2021 geliefert werde. Ein Jahresbedarf von 2000 Litern Heizöl werde zum kommenden Jahr mit etwa 159 Euro CO2-Preis belegt.

6. Gas

Mit durchschnittlich 6,31 Cent je Kilowattstunde lag der Gaspreis heuer laut Bundesnetzagentur in Deutschland europaweit im Mittelfeld. Ab 2021 wird Erdgas laut Umweltministerium um 0,6 Cent pro Kilowattstunde teurer. Vergleichsportale im Internet haben aus den bisher angekündigten Preiserhöhungen einen Anstieg um mehr als sieben Prozent errechnet.

Bei einem Gasverbrauch von 20 000 Kilowattstunden rechnet die Verbraucherzentrale für 2021 mit einem CO2-Mehrpreis von 120 Euro.

7. Strom

Als Gegenmaßnahme zur CO2-Abgabe hat die Bundesregierung die EEG-Umlage (Erneuerbare Energien Gesetz) gedeckelt. Diese wird zur Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen verwendet.

2021 wird die EEG-Umlage 6,5 Cent pro Kilowattstunde betragen, im Jahr darauf sind es 6 Cent. Die Verbraucherzentrale kritisiert, dass die meisten Energieversorger trotz der Senkung der Umlage diese Vorteile nicht an ihre Kunden weitergeben. Sofern ein Anbieter dies 1:1 tut, kann ein Haushalt mit 3000 Kilowattstunden Jahresverbrauch etwa neun Euro im Jahr sparen.

Deutschland hat ohnehin neben Dänemark die höchsten Strompreise in der EU, wie die Bundesnetzagentur errechnet hat. Am Stichtag 1. April 2020 bezahlten die Verbraucher im Durchschnitt 32,05 Cent, vier Prozent mehr als im Jahr zuvor.

8. Spritkosten

Hier führt die Erhöhung laut Verbraucherzentrale zu Mehrkosten von etwa 85 Euro, wenn man eine jährliche Fahrleistung von 15 000 Kilometern und einen Benzinverbrauch von acht Litern pro 100 Kilometer annimmt.

9. Steuererklärung

Im Klimapaket wurde auch die steuerliche Abschreibung von energetischen Sanierungsmaßnahmen beschlossen. Bis zu einer Gesamtsumme von 200 000 Euro können künftig der Austausch von Fenstern, die Dämmung der Gebäudehülle und die Erneuerung von Heizkesseln (in ausschließlich selbst genutzten Einfamilienhäusern) bei der Steuererklärung geltend gemacht werden. Verteilt über drei Jahre können 20 Prozent der Kosten von der Steuerschuld abgezogen werden. Maximal sind 40 000 Euro als Zuschuss möglich.

10. Förderprogramme

Mit neuen Förderprogrammen der Kreditanstalt für Wiederaufbau ( KfW ) und einer Verbesserung der Förderprogramme des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle ( BAFA ) werden energetische Sanierungen an Gebäuden und Heizungen finanziell attraktiver und verringern Energieverbrauch , CO2-Fußabdruck und Heizkosten. Maßnahmen zur Heizungserneuerung werden nun mit bis zu 45 Prozent gefördert, teilweise gibt es auch Zuschüsse der Bundesländer und Kommunen.

Vor allem der Wechsel vom Energieträger Öl hin zu Gas und erneuerbaren Energien wird durch eine zusätzliche Förderung attraktiver.

Wichtig: Erst den Antrag stellen, dann loslegen. Unter www.kfw.de gibt es Adressen von Energieberatern, die bei der Antragsstellung helfen.

Auch die kommunalen Stadtwerke und Energieversorger vor Ort bieten Energieberatungen an. Infos stehen auf den jeweiligen Internetseiten.

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