Bad Kissingen

Bad Kissingen: Hotelkomfort für Insekten

Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten will Vorbild sein und interessierten Menschen praktische Hinweise beim Insektenschutz liefern. In Bad Kissingen ist ein Insektenhotel entstanden.
Forstamtmann Michael Sautter (rechts) und Forstwirtschaftsmeister Michael Schneider präsentieren ihr Musterhotel für Insekten am AELF Bad Kissingen.  Foto: Sigismund von Dobschütz       -  Forstamtmann Michael Sautter (rechts) und Forstwirtschaftsmeister Michael Schneider präsentieren ihr Musterhotel für Insekten am AELF Bad Kissingen.  Foto: Sigismund von Dobschütz
Forstamtmann Michael Sautter (rechts) und Forstwirtschaftsmeister Michael Schneider präsentieren ihr Musterhotel für Insekten am AELF Bad Kissingen. Foto: Sigismund von Dobschütz

Mit seiner Aktion "Naturnahe Gestaltung der Ämter-Außenanlagen" will das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) an den drei Dienststellen mit Wiesen, Blühflächen und verschiedenartigen Insektenhotels der Bevölkerung ein Vorbild und interessierten Privatleuten praktische Beispiele für verstärkten Natur- und Insektenschutz inmitten von Wohnbebauung geben. Denn Artenvielfalt und Arterhaltung - Fachleute sprechen von Biodiversität - sind ein aktuelles Anliegen der Bevölkerung , wie das Volksbegehren "Rettet die Bienen " im vergangenen Jahr zeigte.

Blühfläche in Bad Neustadt

Insekten brauchen vor allem ausreichend Nahrung, die allerdings rund um die drei Amtsgebäude kaum geboten wurde, weshalb am Sitz der AELF-Hauptverwaltung in Bad Neustadt jetzt eine neue Blühfläche mit einer für städtische Anlagen gut geeigneten Saatgutmischung aus ein- und mehrjährigen Blütenpflanzen angelegt wurde. Zusätzlich erbauten dort die beiden Forstwirtschaftsmeister Michael Schneider und Christoph Schlereth aus Eichen-Kernholz als moderne Insektenhotel-Variante eine dekorative Steelengruppe aus fünf Insekten-Niststämmen mit erforderlichen Einbohrungen. Für das ehemalige Bad Neustädter Forstamt und das Amtsgebäude in Bad Kissingen bauten sie jeweils ein klassisches Insektenhotel, zusammengesetzt aus heimischen Hartholz-Stücken - überwiegend Eiche, aber auch Kirsche und Birke - sowie Papphülsen und Lehmbrocken.

"Insektenhotels aus Hartholz bieten vor allem Wildbienen und solitär lebenden Wespenarten beste Unterschlupfmöglichkeiten", erklärte dazu Forstamtmann Michael Sautter, Leiter des Forstreviers Bad Kissingen II, beim Pressegespräch. "Beide sind nicht aggressiv, für Menschen völlig ungefährlich, aber für die Pflanzenbestäubung wichtig, weshalb solche Insektenhotels auch in heimischen Gärten aufgestellt werden können." Hartholz liefere zudem glattere Bohrlöcher. Splitter im Innern könnten die Insekten verletzen, ergänzte Forstwirtschaftsmeister Schneider. "Die Bohrlöcher mit unterschiedlichen Durchmessern von wenigen Millimetern sollten jeweils zehnmal so lang wie ihr Durchmesser sein", empfiehlt der Forstwirtschaftsmeister. "Dies sind Erfahrungen aus der Natur." Maximale Sicherheit ohne Splitter garantieren den Insekten die 12 Zentimeter langen Pappröhrchen, die deshalb zusätzlich in den Holzkasten eingebaut wurden.

Maximaler Wohnkomfort

Die Musterhotels des AELF bieten den Insekten sogar maximalen Wohnkomfort, da im Kasten auch ein Lehmbrocken eingesetzt ist. "Mit dem Lehm verstopfen die Tiere ihre Behausung zum Schutz des Geleges", erklärte Schneider. Nachdem die Larven geschlüpft sind und den Lehmpfropfen beseitigt haben, kann das Loch von "Nachmietern" genutzt werden.

Am Insektenhotel des Bad Kissinger AELF-Amtssitz ist nicht nur für Unterkunft, sondern auch für Vollpension gesorgt, denn das Holzgebilde steht am Rand einer wild wachsenden Wiese. "Eine ideale Kombination" ist dies für die forstwirtschaftlichen Hotelbetreiber, denn es bedarf nicht zwingend einer für Insekten angelegten Blühwiese. Auch die Blütenpflanzen einer Wildwiese geben den Insekten wertvolle Nahrung. Wichtig ist allerdings, vorhandene Grünflächen nur noch selten und Einzelflächen zeitversetzt zu mähen. Blühende Bestände dürfen natürlich erst nach dem Verblühen gemäht werden.

Landwirte im Landkreis Bad Kissingen steigerten im vergangenen Jahr ihre Flächenbestände an Sonnenblumenfeldern von 120 auf 190 Hektar, den Bestand an Blühwiesen von 560 auf 790 Hektar. Doch nicht nur Land- und Forstwirte sollten sich um Naturschutz und Artenvielfalt sorgen, ruft Forstamtmann Michael Sautter alle Eigenheimbesitzer zu privatem Engagement auf: "Jeder einzelne Bürger kann etwas in seinem Garten machen."

Hier bekommt man Informationen: Zu Blühwiesen: Projektteam "Grüngitter", Julia Grauberger, Telefon: (0971) 801-4144, Email: julia.grauberger@kg.de; und: Katharina Arnold, Telefon: 0971/ 801 4143, Email: katharina.arnold@kg.de;

Infos zu den zu Insektenhotels und dauerhaften Staudenmischungen gibt es bei: Dieter Büttner, Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege, Telefon 0971 801 5112, Email: dieter.buettner@landkreis-badkissingen.de.

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