Hammelburg

Humor, Tanz und Trauer

Diese Sinfonie ließ niemanden kalt: Das Bruckner-Orchester spielte Schostakowitsch. Erstmals dirigierte Felix Mildenberger.
Rund 90 Musiker, darunter die Mehrheit von 51 Streichinstrumenten, saßen eng gedrängt zusammen.  Fotos: Gerd Schaar
Rund 90 Musiker, darunter die Mehrheit von 51 Streichinstrumenten, saßen eng gedrängt zusammen. Fotos: Gerd Schaar

Bombastisch, dynamisch und höchst eindrucksvoll wirkte das Konzert des Bruckner-Orchesters am Mittwoch im Großen Saal der Musikakademie. Felix Mildenberger dirigierte hier das Bruckner-Orchester zum ersten Mal. Die Zuhörer waren stark beeindruckt und spendeten nach den vier Sätzen der siebten Sinfonie von Dimitri Schostakowitsch (1906 bis 1975) frenetischen Beifall.

Das Orchester brauchte viel Platz. Rund 90 Musiker, darunter die Mehrheit von 51 Streichinstrumenten, saßen eng gedrängt zusammen, und trotzdem nahm die Orchesterfläche mindestens die Hälfte der Saalfläche ein. "Hier herrschen optimale Bedingungen für die Vorbereitungen zu einem solchen Konzert", bestätigte die Erste Geigerin Yaltah Worlitsch der Zeitung. Auch Dirigent Mildenberger war von der Musikakademie mit Lobesworten angetan. Seit dem 27. Dezember ist das Coburger Bruckner-Orchester dort zu Gast. Jährlich geben diese bundesweit angereisten Musiker der Spitzenqualität ein solches Konzert zur Begrüßung des neuen Jahres, mittlerweile zum 17. Mal. Tags darauf spielten sie in Grafenrheinfeld.

"Wir sind keine Profimusiker", bestätigte Christoph Beimdiek aus Aachen, der die Pauke schlägt. Er sei bereits das fünfte Mal dabei und kenne die meisten Orchestermitglieder. Doch gebe es auch etliche Neue. "Die Begeisterung an der Musik auf hohem Niveau hält uns zusammen", sagte er. Und der 28-jährige Dirigent habe alles gut im Griff. Der nahezu zwei Meter hohe Mildenberger räumte erst einmal den für ihn bereitgestellten Dirigentenstuhl beiseite, bevor er seinen Taktstock hob. Schnell merkten die Zuhörer, dass hier musikalische Kompetenz und Einfühlungsvermögen vorhanden sind. Mildenbergers Dirigat ist international gefragt. Viele Auszeichnungen pflastern seinen Weg.

Der Krieg, der sowjetische Kampf gegen den Faschismus und das von deutschen Truppen besetzte Leningrad waren die Hintergründe für Schostakowitschs siebte Sinfonie. Aus verhalten leisen Trommelschlägen wächst die Dynamik zu furiosen Lautstärken. Aus leisen und harmonischen Klängen droht die Entgleisung mit grellen Klängen. Die Streicher dominierten nicht nur in der Anzahl. Sie beherrschten über lange Distanzen auch das Klangbild des Konzertes. Die gesamte Bandbreite dieser instrumentalen Möglichkeiten wurde ausgereizt, von leisen Saitentönen bis hin zum prasselnden Hintergrund der Violinen, wenn zum Beispiel mit dem Bogenschaft auf die Saiten geschlagen wird. Verstärkend hinzu kamen die Bläser. Auf die nur wenige Meter entfernt sitzenden Zuhörer verfehlte dies die von Schostakowitsch vorgedachte Wirkung nicht.

In weiteren Sätzen der Sinfonie erlebten die Zuhörer den Wechsel von Humor , Tanz und Trauer . Der Schmerz über so viele Tote war unüberhörbar, wenn Fagott oder Flöten traurige Soli spielten. Auch der nach dem Sieg der Roten Armee fällige Siegesmarsch klang nicht gerade fröhlich. Von "Dur" wurde auf "moll" umgestimmt. Stalin wertete dieses unfröhliche Ende als Kritik, und so verbot der sowjetische Komponisten-Verband 1948 die Aufführung dieser Sinfonie.

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