Kothen

"Ich möchte meine Kinder im Glauben erziehen"

Michael Wegel aus Kothen will sich in der Osternacht taufen lassen. Diakon Sell bereitet ihn auf die Taufe mit "Homeschooling" im Wechsel mit Gesprächen vor. Er wird auch Wegels Taufpate im Kiliansdom.
Michael Wegel  will sich in der Osternacht im Würzburger Kiliansdom taufen lassen. Foto: Kerstin Schmeiser-Weiß       -  Michael Wegel  will sich in der Osternacht im Würzburger Kiliansdom taufen lassen. Foto: Kerstin Schmeiser-Weiß
| Michael Wegel will sich in der Osternacht im Würzburger Kiliansdom taufen lassen. Foto: Kerstin Schmeiser-Weiß

Manchmal braucht es einen kleinen Stups, um etwas in Bewegung zu setzen. Bei Michael Wegel aus Kothen war es die Frage: "Willst Du mein Firmpate sein?" Gefragt hatte der jüngere Halbbruder seiner Frau Lisa. Wegel sagte zu. Doch zuvor will er das Versprechen einlösen, das er bei seiner Hochzeit gegeben hatte: Um seine Kinder im christlichen Glauben erziehen zu können, will er sich taufen lassen.

Diakon Sell Taufpate

Nach einer etwas verkürzten, aber intensiven Taufvorbereitung will sich der 32-Jährige in der Osternacht im Würzburger Kiliansdom durch Bischof Franz Jung taufen lassen. Wegel ist einer von insgesamt sieben Erwachsenen im Bistum Würzburg , die sich an Ostern oder in der Osterzeit taufen lassen wollen. Diakon Kim Jung Nam Sell, der ihn auf die Taufe vorbereitet, wird auch sein Taufpate sein. Die beiden kennen sich bereits seit 2017. "Manchmal braucht man im Leben einen gewissen Anstoß", sagt Sell mit einem Schmunzeln: "Das Herz hatte schon Ja gesagt, aber der äußere Anstoß fehlte noch." Rückblickend weiß Wegel: "Glauben tue ich schon immer."

Viel in Kirchen und Domen gearbeitet

Michael Wegel stammt aus einem Dorf in der Nähe von Weimar. Sein Vater sei zwar getauft, aber die Familie nicht religiös gewesen, erzählt er. "Aber viele in meinem Freundeskreis waren getauft. Ich war als Einziger im Ethikunterricht." Während seiner Ausbildung zum Stahlbetonbauer habe er auch viel in Kirchen und Domen gearbeitet. "Man unterhält sich mit dem Pfarrer , man kommt an Stellen, wo normalerweise keiner hinkommt. Leise Arbeiten haben wir auch während der Gottesdienste gemacht. Da bekommt man schon einiges mit. Und wenn man neugierig ist, guckt man ein bisschen mehr hin", beschreibt er.

Dann verlor er zuerst seinen Vater und danach seinen Großvater, zu dem er eine enge Beziehung hatte. "Ich habe angefangen, mehr zu beten und das Gespräch mit Gott zu suchen."

Kontakt mit der katholischen Kirche

In Kontakt mit der katholischen Kirche kam Wegel über seine Frau Lisa. Dass die beiden sich kennen lernten, kann man als Zufall sehen - oder als Fügung. Als die Grenzwaldbrücke an der A7 saniert werden musste, gehörte er zum Team und wurde von seiner Firma vor Ort einquartiert. "Ich war in der Ferienwohnung ihrer Mutter untergebracht", erzählt er. Jahre später wurden sie ein Paar. Michael Wegel begleitete sie zu den Gottesdiensten und begann, in der Gemeinde mitzuhelfen, beispielsweise bei den Festen im Kindergarten. 2018 heirateten sie. Getraut wurden sie in der Kirche Sankt Josef der Bräutigam in Speicherz von Diakon Kim Jung Nam Sell. "Bei der Hochzeit habe ich versprochen, dass ich die Kinder katholisch erziehen werde", erinnert sich der 32-Jährige.

Schon bei den Gesprächen vor der Hochzeit und später bei den Vorbereitungen für die Taufe des gemeinsamen Sohns habe er einiges über den christlichen Glauben erfahren. Diakon Sell ergänzt: "Ich habe immer wieder gestichelt: Wenn Du schon an Gott glaubst, kannst Du Dich auch taufen lassen."

Versprechen geht nicht aus dem Kopf

Doch im stressigen Alltag sei vorerst wenig Zeit für solche Überlegungen gewesen, sagt Wegel. Aufgrund seines Berufs war er viel unterwegs, und an den Wochenenden sanierte er das ehemalige Gehöft seines Großvaters in Thüringen - eine Aufgabe, die er schon zu dessen Lebzeiten übernommen hatte und auch beenden wollte. Doch das Versprechen, das er bei seiner Hochzeit gegeben hatte, ging ihm nicht aus dem Kopf. "Ich möchte meine Kinder mit im Glauben erziehen. Ich möchte mitwirken, nicht irgendwo außen vor stehen", erklärt er.

Die Frage, ob er Firmpate werden wolle, war der entscheidende Schubs. Er schickte Diakon Sell eine WhatsApp mit der Frage: "Was muss ich tun, um getauft zu werden?" Da war es zwar schon Dezember 2020, und die Firmung soll 2021 sein, doch Sell beschloss pragmatisch: "Da müssen wir uns halt auf den Hosenboden setzen." Seitdem lernt Wegel sozusagen im Homeschooling mit dem "Youcat". In wöchentlichen Gesprächen klären sie offene Fragen, besprechen Bibelstellen und diskutieren, zum Beispiel über den Zölibat oder die aktuellen Krisen der Kirche . Es gebe in jeder Religion Dinge, über die man unterschiedlicher Ansicht sein könne, findet der 32-Jährige. An der katholischen Kirche gefallen ihm die Grundwerte und die Offenheit. "Egal ob ein Mensch schwarz oder weiß, schwul oder hetero ist, jeder ist willkommen." Beeindruckt hat ihn zudem, dass er als Nicht-Getaufter katholisch heiraten durfte.

Familie freut sich über Entscheidung

Dass die Taufe im Kiliansdom stattfinden soll, hat auch mit Corona zu tun. Vor eineinhalb Jahren habe Kothen einen neuen Pfarrer bekommen. Doch dann kam die Pandemie mit den Lockdowns, und es sei schwierig gewesen, eine persönliche Beziehung innerhalb der Gemeinde aufzubauen. Zumal die Kirchen aufgrund von Coronafällen ab Weihnachten erneut geschlossen werden mussten, sagt Sell. Erst seit Mitte Februar seien wieder Gottesdienste möglich. "Da habe ich gesagt, dass man sich auch im Dom taufen lassen kann." Bischof Jung sei auch sofort damit einverstanden gewesen. Nun hoffen sie, dass die Taufe nicht aufgrund von Corona im letzten Moment verschoben werden muss.

Die Familie seiner Frau freue sich über seine Entscheidung, sagt Wegel. Während der Vorbereitung hätten sich schöne und bereichernde Gespräche ergeben, erzählt Lisa Risse-Wegel. "Ich finde es schön. Ich hatte kein Problem damit, wie es vorher war. Aber es ist schön, dass er nun ein gewisses Wissen einbringen kann." Michael Wegel selbst sagt, dass er innere Ruhe und Zufriedenheit gefunden habe. Früher sei er ständig auf Achse gewesen, auch in seiner Freizeit. Jetzt sagt er: "Es muss nicht immer mehr sein. Man kann auch zufrieden sein mit dem, was man hat, und für die Menschen da sein, die einem wichtig sind."

Informationen zur Erwachsenentaufe gibt es auf der Homepage des Bistums Würzburg .

sti (pow)

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