Münnerstadt

Ihm verdankt Münnerstadt sein Heimatspiel

Viele Straßen in Münnerstadt tragen die Namen einstiger örtlicher Persönlichkeiten. Eine Serie verrät, welche Person hinter dem Straßennamen steckt. Heute ist der Ludwig-Nüdling-Weg an der Reihe.
Der schmale Ludwig-Nüdling-Weg führt vom Jörgentor entlang der Stadtmauer  bis zum Oberen Tor. Foto: Dieter Britz       -  Der schmale Ludwig-Nüdling-Weg führt vom Jörgentor entlang der Stadtmauer  bis zum Oberen Tor. Foto: Dieter Britz
Der schmale Ludwig-Nüdling-Weg führt vom Jörgentor entlang der Stadtmauer bis zum Oberen Tor. Foto: Dieter Britz

Der schmale, 430 Meter lange Ludwig-Nüdling-Weg zieht sich entlang der Stadtmauer vom Jörgentor bis zum Oberen Tor. Auch in Poppenhausen, Hofbieber, Petersberg und Großlüder (alle Landkreis Fulda) erinnern Wege und Straßen an diesen Seelsorger. Münnerstadt verdankt ihm sein Heimatspiel "Die Schutzfrau von Münnerstadt ".

Ludwig Nüdling wurde am 26. Februar 1874 in Poppenhausen (Rhön) geboren. Er bestand 1893 das Abitur in Bamberg und studierte danach Theologie in Fulda. 1897 wurde er zum Priester geweiht. 1898 bis 1899 war er Kaplan in Großkrotzenburg. Danach war er Domkaplan in Fulda. 1907 bis 1919 wirkte er als Pfarrer in Aufenau, wo im alten Pfarrhaus ein Nüdling-Museum eingerichtet wurde, und danach in Kleinsassen. 1933 wurde er nach Verhören durch die Gestapo wieder frei gelassen. Er bat seinen Bischof, in Pension gehen zu dürfen. Das wurde ihm gewährt, und er zog sich 1938 zu seiner Verwandtschaft auf dem Oberrotthof in der Gemeinde Schleid (Thüringen, südlich der Gedenkstätte Point Alpha ) zurück und lebte dort im Austragshaus, das zu seiner Rossbergklause wurde.

Glühender Marienverehrer

Als glühender Marienverehrer begründete er dort die Wallfahrtsstätte Marienlinden. Zu DDR-Zeiten war dieser kleine Wallfahrtsort wegen seiner direkten Nähe zur Zonengrenze nicht zugänglich, wurde 1991 aber neu belebt. Ludwig Nüdling starb am 4. Juli 1947 in Schleid. Als Priester allein wäre Nüdling über 70 Jahre nach seinem Tod vermutlich völlig in der Versenkung verschwunden. Doch er war nicht nur Seelsorger, sondern auch ein über Deutschland hinaus bekannter Schriftsteller, ein echter Vielschreiber.

1926 regte der damalige Bezirksamtmann (Landrat) von Bad Kissingen, Freiherr von Moreau an, zur Belebung des Kurbetriebs in Bad Kissingen und zur Stärkung des Tourismus in Münnerstadt ein Festspiel aufzuführen. Stadtpfarrer Pater Josef Eckstein und Bürger der Stadt griffen diese Idee auf und verpflichteten 1927 den als Autor sehr bekannten Pfarrer Ludwig Nüdling. Dieser fand bereits beim ersten Besuch das richtige Thema: Die Rettung der Stadt im Jahre 1641 vor den Schweden. Schon wenige Wochen später stellte er sein Stück vor, das im Spätsommer 1927 erstmals aufgeführt wurde. Bis 1934 wurde es bis zu elf Mal im Jahr pro Jahr gespielt. Die Nazi-Zeit und der Weltkrieg zwangen zur Unterbrechung, doch schon 1949 ging es weiter, und seitdem wird das Stück wieder alljährlich auf dem Anger aufgeführt.

Altes Textbuch von 1932

Seine Bücher, Bändchen und Traktate werden noch heute viel in Internet-Antiquariaten angeboten. Mit etwas Glück findet man sogar das alte Textbuch von 1932 (neuere gibt es nicht) zum Heimatsspiel. 1906 erschien ein sehr hübsches farbiges Eisenbahn-Bilderbuch mit Texten von ihm. Originale werden keine angeboten, aber originalgetreue Nachdrucke. Hier ein gereimter Ratschlag aus dem Bilderbuch: "wirst du hungrig auf der Reise, - Freund, dann lass dir eines sagen: - Hast du nicht viel Geld im Beutel, - Speise nicht im Speisewagen!" Bildtext

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