LKR Bad Kissingen

Im Landkreis Bad Kissingen gilt der Alarmfall "Rote Kiefer"

Die Hitze der Jahre 2018 und 2019 sowie der Borkenkäfer fordern stark sichtbar ihren Tribut in den Wäldern des Landkreises. Das stellt die Forstverantwortlichen vor vielfältige Probleme.
Nicht zu übersehen sind die stark angegriffenen oder abgestorbenen Bäume auch im Landkreis Bad Kissingen, hier in einem Waldstück zwischen Ramsthal und Ebenhausen. Foto: Steffen Standke       -  Nicht zu übersehen sind die stark angegriffenen oder abgestorbenen Bäume auch im Landkreis Bad Kissingen, hier in einem Waldstück zwischen Ramsthal und Ebenhausen. Foto: Steffen Standke
| Nicht zu übersehen sind die stark angegriffenen oder abgestorbenen Bäume auch im Landkreis Bad Kissingen, hier in einem Waldstück zwischen Ramsthal und Ebenhausen. Foto: Steffen Standke

Es leuchtet rot zwischen all dem Grün des Waldes, wenn man vom Knückelein Richtung Ramsthal schaut. Nicht die Laubbäume tragen - wie im Herbst - bunte Farben. Das Rot kennzeichnet die Kronen kranker und absterbender Kiefern . Ein untrügliches Zeichen, dass der Klimawandel auch am Wald im Landkreis Bad Kissingen nagt. Zunehmend rücken Forstbereiche und Baumarten in den Fokus, die bisher noch als krisensicher galten.

Maik Despang berät für die Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Rhön-Saale in Oberthulba Privatwaldbesitzer im gesamten Landkreis. Der Revierleiter kennt sich auch in den Waldkörperschaften Ebenhausen, Ramsthal und Gauaschach gut aus.

Süden besonders betroffen

Das Phänomen der "Roten Kiefern " beobachtet Despang zunehmend, besonders auf Kuppen oder an Hängen im südlichen Landkreis und auf der Fränkischen Platte. Er führt es auf die extrem heißen und trockenen Jahre 2018 und 2019 zurück. Aber auch das regenarme Frühjahr dieses Jahres habe die Kiefern gestresst.

Aber nicht nur die. Oliver Kröner, Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaften und Forsten in Bad Neustadt, das für alle Wälder in den Landkreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld zuständig ist, sieht Fichten als noch gefährdeter an. Dass diese Flachwurzler Trockenheit und Klimawandel kaum etwas entgegenzusetzen haben, ist bekannt. Aber sie stellen zusätzlich ein gefundenes Fressen für Borkenkäfer dar.

Bei den Kiefern sieht Kröner die Lage als nicht ganz so akut an. Obwohl sie "auf flachgründigen Muschelkalkstandorten, im Saaletal und den Seitentälern, auf Südhängen stärker als auf Nordhängen sehr stark leiden".

Sicher fordere das durch Trockenheit begünstigte und einen Pilz verursachte Kieferntriebsterben seinen Tribut. "Auch der Kiefernprachtkäfer hat leichtes Spiel, wenn der Baum gestresst ist." Doch insgesamt bestehe nicht der Handlungsdruck wie bei der Fichte, die konsequent herausgenommen werden müsse, um die Verbreitung der Borkenkäfer einzudämmen. Dass diese Schädlinge ganze Waldgebiete befallen und vernichten - es gehört zu den Urängsten der Forstleute.

Dr. Michael Kutscher, Leiter des Forstbetriebs Bayerische Staatsforsten in Bad Brückenau, und seine Mitarbeiter kämpfen einen ganz besonderen Kampf. 16 500 Hektar Staatswald betreut der Betrieb in acht Revieren in den Landkreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld. Die meisten davon liegen in den höheren Lagen der Rhön.

Eigentlich müssten diese Höhen wegen geringerer Temperaturen und ergiebigerer Niederschläge weniger anfällig für den Borkenkäfer sein. Doch auch hier fehlte zuletzt der Niederschlag . Kutscher meldet die größten Probleme mit dem Schädling aus den Revieren Kothen und Oberbach. "Die Hälfte des Jahreseinschlages von 106 500 Festmetern wird vom Borkenkäfer diktiert."

Als Hotspots nennt Kutscher die Schwarzen Berge, den Totnansberg, die Hänge rund um die Kissinger Hütte. Gerade dort wurden in den vergangenen Wochen sichtbar viele Fichten aus dem Bestand genommen.

Mit "Riesenkahlschlägen" habe das nichts zu tun, so Kutscher. Die bearbeiteten Flächen lägen meist unter einem Hektar; oft würden nur einzelne Bäume herausgezogen. "Wir finden beständig Borkenkäferholz, wenn auch wegen der jüngsten Niederschläge wieder weniger. Aber es bleibt ein Dauergeschäft."

So fällt jede Menge geschädigtes Holz an und die Frage stellt sich: wohin damit? Der Markt ist völlig übersättigt; die Preise liegen am Boden. Die Sägewerke reißen sich nicht nach befallenen Stämmen. Und Sturm Sabine hat für viel Windbruch gesorgt.

Also heißt es, das Holz zu lagern. Nur wo? 500 Meter muss der Platz für Borkenkäferholz von einem Fichtenbestand entfernt liegen, um den nicht erneut "anzustecken". Der Forstbetrieb Bad Brückenau hat einen bei Burkardroth/Stangenroth angelegt, sucht ständig neue. Ähnliches FBG Rhön-Saale.

Der Klimawandel wird sich fortsetzen: Und da sieht AELF-Amtsleiter Kröner eine Baumart zunehmend gefährdet, die als sehr widerstandsfähig galt: die Rotbuche. "Wir haben erhebliche Vitalitätsverluste."

Auch für diese Art werde es zu warm und zu trocken - obwohl sie im Landkreis heimisch und nicht eingeschleppt sei. Doch auch die Buche gerate an den Rand ihres Wohlfühlbereiches und in den Fokus von Schädlingen wie Kleiner Buchenborken- und Buchenprachtkäfer. Und obwohl Kröner nicht glaubt, dass "Buchonia" stirbt: Die Aussichten hält er nicht für rosig.

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