LKR Bad Kissingen

Im Landkreis Bad Kissingen steht die Corona-Ampel jetzt auf Rot

Es war nur eine Frage der Zeit: Mit sieben neuen Coronafällen stieg die Sieben-Tage-Inzidenz für den Landkreis auf 53,3 und somit über den Grenzwert von 50 Infizierten pro 100 000 Einwohner. Das zieht weitere gravierende Einschränkungen nach sich.
Im Landkreis Bad Kissingen ist die Sieben-Tage-Inzidenz über den Grenzwert von 50 Corona-Infizierten pro 100 000 Einwohner gestiegen und liegt jetzt bei 53,3. Ab Donnerstag, 0 Uhr, greifen verschärfte Beschränkungen. Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa       -  Im Landkreis Bad Kissingen ist die Sieben-Tage-Inzidenz über den Grenzwert von 50 Corona-Infizierten pro 100 000 Einwohner gestiegen und liegt jetzt bei 53,3. Ab Donnerstag, 0 Uhr, greifen verschärfte Beschränkungen. Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa
| Im Landkreis Bad Kissingen ist die Sieben-Tage-Inzidenz über den Grenzwert von 50 Corona-Infizierten pro 100 000 Einwohner gestiegen und liegt jetzt bei 53,3. Ab Donnerstag, 0 Uhr, greifen verschärfte Beschränkungen.

Aktuell (Stand 28. Oktober) sind 64 Menschen aus dem Landkreis Bad Kissingen nachweislich mit dem Covid-19-Virus infiziert ; einer von ihnen wird stationär behandelt. Das schreibt das Gesundheitsamt in einer Pressemitteilung vom Mittwochmittag. Die Zahl der Infizierten teilt sich demnach wie folgt auf die Altlandkreise auf: 51 im Raum Bad Kissingen, sieben in Hammelburg und sechs Fälle im Bereich Bad Brückenau. 322 Kontaktpersonen befänden sich aktuell in Quarantäne .

Damit sind im gesamten Landkreis seit Beginn der Pandemie insgesamt 374 Coronafälle bestätigt. 18 positiv getestete Menschen sind bisher gestorben; 292 gelten als gesundet. Die Neuinfektionen im Landkreis Bad Kissingen lassen sich im Wesentlichen nicht auf bestimmte Geschehnisse oder Personengruppen eingrenzen, schreibt das Landratsamt.

Dafür, dass sich die Fälle im Altlandkreis Bad Kissingen so ballen, gebe es "bislang keine plausible Erklärung", heißt es auf Nachfrage. Tatsächlich existierten dort mehrere Orte, an denen gehäuft Fälle auftreten würden. "Allerdings kann man dabei nicht von Hotspots reden."

Wegen der gestiegenen Fallzahlen "müssen im Kampf gegen das Virus weitere Maßnahmen ergriffen werden", heißt es in der Mitteilung weiter. Deshalb gelten ab Donnerstag, 29. Oktober, 0 Uhr laut einer Allgemeinverfügung des Landratsamtes stärkere Beschränkungen als bisher. Sie reichen zunächst bis zum 4. November, 24 Uhr.

Demnach dürfen sich privat und im öffentlichen Raum nur insgesamt fünf Personen (aus fünf verschiedenen Haushalten) oder zwei Haushalte (mit mehr als fünf Personen) treffen. Das gilt auch für Feiern. Zuvor waren es zehn Personen. Die Sperrstunde und das Alkoholverbot auf stark frequentierten öffentlichen Plätzen sowie ein Alkoholverkaufsverbot an Tankstellen und durch sonstige Verkaufsstellen und Lieferdienste wird auf 22 Uhr vorgezogen (vorher: 23 Uhr).

In der Stadt Bad Kissingen bleibt die am 25. Oktober eingeführte Maskenpflicht täglich zwischen 8 und 18 Uhr bestehen. Sie gilt für folgende Straßen und Plätzen: Obere und Untere Marktstraße, Marktplatz, Ludwigstraße, beginnend ab der Von-Hessing-Straße bis einschließlich Ludwigbrücke, Spargasse, Turmgasse, Brunnengasse, Grabengasse, Balthasar-Neumann-Promenade bis Ende Rosengarten, Rosengarten, Weingasse, Badgasse, Kirchgasse, Schulgasse und Zwingergasse.

Zudem gilt eine Maskenpflicht zwischen den Bus-Aus- und -einstiegen, am Berliner Platz entlang der Erhard- und Groppstraße bis hin zur Staatlichen Realschule Bad Kissingen, zum Jack-Steinberger-Gymnasium und der Anton-Kliegl-Mittelschule . Dies gilt montags bis freitags, aber nicht an schulfreien Tagen und in den nächste Woche beginnenden Ferien.

In allen Einrichtungen der Kindertagesbetreuung und in Heilpädagogischen Tagesstätten (HPTs) im Landkreis müssen ab diesem Donnerstag feste Gruppen gebildet werden; offene oder teiloffene Betreuung sind untersagt. Alle Beschäftigten haben in der Einrichtung Maske zu tragen.

"Feste Gruppen waren zuvor auch schon gewollt", sagt Simone Hartmann vom Kindergarten in Steinach. "Es ist schon schwierig umsetzbar. Man muss Stunden schieben; das Personal muss sich umstellen, alles läuft anders, als es geplant war." Es sei machbar - "solange keiner krank wird", betont Hartmann.

Täglich darf laut der Allgemeinverfügung nur eine Person Patienten beziehungsweise Bewohner von Krankenhäusern , Alten- und Pflegeheimen oder Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen besuchen. Bei Minderjährigen dürfen Eltern oder Sorgeberechtigte auch gemeinsam erscheinen, allerdings während einer festen Besuchszeit.

Unterdessen haben die beiden Helios-Häuser St. Elisabeth-Krankenhaus Bad Kissingen und OrthoClinic Hammelburg angesichts steigender Coronazahlen ein Besuchsverbot ausgesprochen. Es gilt ab diesem Donnerstag. "Mit Blick auf die aktuelle Situation wurde diese Maßnahme entschlossen, um Patientinnen und Patienten , ihre Angehörigen und alle Mitarbeiter der beiden Kliniken aktiv vor einer möglichen Covid-19-Übertragung zu schützen", heißt es in einer Mitteilung. Alle Angehörigen und Patienten werden um Verständnis gebeten.

Ausnahmen würden nur im "präfinalen Zustand" gewährt, heißt es weiter. Angehörige sollen sich telefonisch beim behandelnden Arzt melden. Ansonsten könne der Kontakt zwischen Patient und Besucher über die festen Telefone am Patientenbett oder das kostenloses WLAN in den Kliniken erfolgen. Nicht betroffen von der Einschränkung seien geplante Aufnahmen und operative Eingriffe. Auch die Notaufnahmen stehen laut Mitteilung nach wie vor zur Behandlung offen.

Dass die Corona-Ampel auch im Kreis Bad Kissingen auf Rot schaltet, war auch für Landrat Thomas Bold ( CSU ) eine Frage der Zeit. "Wir waren zuletzt knapp unterhalb der Grenze und hatten bei den Infektionszahlen eine steigende Tendenz." Die umliegenden Landkreise, mit Ausnahme von Main-Spessart, seien schon länger stark belastet.

Bold appelliert an die Bürger , die eigenen Kontakte einzuschränken und die Hygieneregeln einzuhalten, um das Ansteckungsrisiko zu verringern. "Ob es gelingt, die zweite Welle zu brechen, hängt auch davon ab, ob sich die Bevölkerung entsprechend verhält. Eigenverantwortung ist das Gebot der Stunde", betont er. Jeder könne seinen Beitrag leisten, um Infektionsketten zu unterbrechen, und um das öffentliche Leben, Geschäfte, Restaurants, Kulturveranstaltungen, Kitas und Schulen am Laufen zu halten.

An den Schulen sind einzelne Klassen in Quarantäne . Nach dem Rahmenhygieneplan des Kultusministeriums gelten ab einer Inzidenz von 50 folgende neue Regeln: Schüler und Lehrer müssen durchgehend Masken tragen. Zuvor war dies nur nötig, wenn sie den Mindestabstand von 1,5 Metern nicht einhalten konnten.Vollständige Schulschließungen nur wegen eines bestimmten Inzidenzwerts sind nicht vorgesehen.

Peter Rottmann, Schulleiter des Schönborn-Gymnasiums in Münnerstadt sagt: "Der Sprung der Inzidenz von 35 auf über 50 bringt keine großen strukturellen Veränderungen." Die Änderungen seien vor allem sozialer Art. Es wird keine Partner- und Gruppenarbeiten mehr im Unterricht geben. "Die Schüler bleiben konsequent am Platz, sodass näherer Kontakt vermieden wird."

Die musikalische Bildung werde auf Instrumente und Gesang verzichten, der Sportunterricht etwas verändert. Vor allem für die Lehrer gebe es leichte Veränderungen: Sie müssten ihren Unterricht anders aufziehen. Im Fremdsprachunterricht sei es beispielsweise schwieriger, eine korrekte Aussprache mit Masken zu üben. Hier müssen die Lehrkräfte Alternativen anwenden.

Das Maskentragen führte laut Rottmann bisher zu keinen Verwerfungen: "Die Schülerschaft nimmt die Maskenpflicht sehr diszipliniert wahr." Einen zweiten Lockdown schließt er nicht aus: "Vorstellen kann ich es mir, aber, wenn man einen Blick auf die Nachrichtenlage wirft, können wir hoffen: Die Schulen müssten als letzte schließen." Und wenn es so weit kommt?. "Ich würde sagen, wir sind vorbereitet."

Für das Gesundheitsamt bleibt "die schnelle Ermittlung von Kontaktpersonen von großer Bedeutung". Mit zunehmenden Fallzahlen werde dies immer umfangreicher. "Aber momentan gelingt es noch, die Fälle zeitnah abzuarbeiten. " In dieser Woche seien im Testzentrum in Oerlenbach schon 187 Testungen vorgenommen worden (Stand Mittwochnachmittag). 184 seien es in der vergangenen gewesen, 132 in der Woche davor. Insgesamt also ein klarer Anstieg der Tests.

Artikel von Ellen Mützel, Benedikt Borst und Steffen Standke

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