Münnerstadt

Im Studienseminar und Gymnasiallehrer in Münnerstadt

Viele Straßen in Münnerstadt tragen die Namen einstiger örtlicher Persönlichkeiten. Eine Serie verrät, welche Person hinter dem Straßennamen steckt. Heute ist Ludwig Derleth an der Reihe.
Die Ludwig-Derleth-Straße in der Zent ist nach einem Dichter benannt, der  in Gerolzhofen geboren wurde und mindestens ein Jahr (1882) das  Studienseminar in Münnerstadt besuchte.  Foto: Dieter Britz
Die Ludwig-Derleth-Straße in der Zent ist nach einem Dichter benannt, der in Gerolzhofen geboren wurde und mindestens ein Jahr (1882) das Studienseminar in Münnerstadt besuchte. Foto: Dieter Britz

Die Ludwig-Derleth-Straße in der Zent ist nur 150 Meter lang. Im Geburtsort des Namenspatrons, in Gerolzhofen, sind ebenfalls eine Straße sowie eine Realschule nach ihm benannt. Dort wurde er als Sohn eines Amtsrichters am 3. November 1870 geboren, die Familie blieb aber nur eineinhalb Jahre.

Derleth wuchs danach in Stadtprozelten, Bischofsheim, Münnerstadt (hier besuchte er 1882 das Studienseminar) und Nürnberg auf. Nach einem Studium der Altphilologie, Philosophie und Psychiatrie in München, wo er mit dem Stefan-George-Kreis in Berührung kam, war er zwölf Jahre lang Gymnasiallehrer für alte Sprachen, auch in Münnerstadt . Ab 1906 lebte er als freier Schriftsteller in München.

In Priesterkleidung in der Künstlerszene unterwegs

Zunächst verfasste er Beiträge und Gedichte für die Zeitschriften "Pan" und "Blätter für die Kunst". Stefan George schätzte zunächst seine Gedichte . Zeitweise gehörte er zu den Kosmikern, einer Gruppe von Münchner Privatgelehrten und Schriftstellern, die für die Wiederbelebung antiker Religionen schwärmten. Doch schon 1902 trennten sich die Wege wegen der Diskrepanz zwischen den heidnisch-römischen Anschauungen der anderen Kosmiker und Derleths spätrömischem Katholizismus. Wenn Derleth in Priesterkleidung in der Künstlerszene von München-Schwabing unterwegs war, hatte er stets eine Aktentasche mit einem Stundengebetsbuch, einer lateinischen Bibel und der Totenmaske von Napoleon dabei.

Seine ersten eigenständigen Veröffentlichungen waren 1904 die "Proklamationen", die 1919 in einer erweiterten Fassung erscheinen. Darin strebte Derleth eine neue hierarchische Ordnung eines gereinigten Christentums an, mit Jesus Christus als Imperator maximus an der Spitze. Im Zentrum seines kriegerischen Katholizismus stand die Gründung eines militant christlichen Ordens. Die Eindrücke seiner Reisen nach Paris, Algerien, Karthago, Budapest, Rhodos, Syrien, Libanon und in den Irak verarbeitete er literarisch.

Jüngere Ehefrau recht vermögend

Seit 1925 lebte Derleth in Rom, Basel und Perchtoldsdorf bei Wien, seit 1935 hielt er sich regelmäßig in Italien und im schweizerischen Tessin auf. Er konnte sich den Luxus leisten, nie selbst Geld verdienen zu müssen, denn seine deutlich jüngere Ehefrau Christine war recht vermögend. Seine Versuche, so etwas wie einen Orden zu gründen und europaweit Jünger um sich zu scharen, scheiterten. Fast 40 Jahre arbeitete er an seinem Hauptwerk "Der Fränkische Koran ", der ab 1932 erschien und fünf Bände mit 2000 Seiten und 15.000 Versen umfasst. Darin versuchte Derleth in einer barocken Sprache eine umfassende Verkündigung seiner Welt- und Glaubensauffassung von der "Pilgerfahrt der Menschenseele von Gott zu Gott". Daneben veröffentlichte Derleth noch weitere Bücher, unter anderem "die Lebensalter" (1937), "die Seraphinische Hochzeit" (1939) und "der Tod des Thanatos" (1945). Alles gilt als esoterische "schwere Kost". Über Derleth wurde viel geschrieben, auch Doktorarbeiten wurden über sein Werk verfasst. Er gilt als eine der exzentrischsten Gestalten der Literatur aus Unterfranken.

"Doktor Faustus" karikiert

Thomas Mann , der in München eine seiner Lesungen der "Proklamationen" besucht hatte, nahm ihn offenbar nicht sonderlich ernst. Er hat ihn in seiner Novelle "Der Prophet" und als "Daniel zur Höhe" im Roman " Doktor Faustus " karikiert. Ludwig Derleth starb am 13. Januar 1948 in San Pietro di Stabio im schweizerischen Tessin.

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