Münnerstadt

Jetzt öffnet die "Mürschter Knopfkiste"

Das Netzwerk für soziale Dienste gründet eine intensivpädagogische/familientherapeutische Kleinkindergruppe. Bis zu sechs Kinder im Alter von einem bis sechs Jahren können dort betreut werden.
Charlie Friedel bereitet die Zimmer für die künftigen Bewohner der 'Mürschter Knopfkiste' vor. In diesem Raum schlafen die Kleinsten. Sechs Kinder im Alter von einem bis sechs Jahren können betreut werden. Foto: Thomas Malz       -  Charlie Friedel bereitet die Zimmer für die künftigen Bewohner der 'Mürschter Knopfkiste' vor. In diesem Raum schlafen die Kleinsten. Sechs Kinder im Alter von einem bis sechs Jahren können betreut werden. Foto: Thomas Malz
| Charlie Friedel bereitet die Zimmer für die künftigen Bewohner der "Mürschter Knopfkiste" vor. In diesem Raum schlafen die Kleinsten. Sechs Kinder im Alter von einem bis sechs Jahren können betreut werden.

Das "Mürschter Kinderhaus" ist aus Münnerstadt gar nicht mehr wegzudenken. Seit 2004 betreut das "Netzwerk für soziale Dienste" die heilpädagogische/therapeutische Wohngruppe für Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 18 Jahren. 2015 kam das Haus "Akwaaba" (Willkommen) hinzu. Dort wurden unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge betreut. "Sie sind inzwischen alle in schulischer oder beruflicher Ausbildung ", sagt Charlie Friedel, der Gesamtleiter des Netzwerkes. Sie haben Wohnungen gefunden oder leben in der Gemeinschaftsunterkunft. Zum Ende vergangenen Jahres wurde die Wohngruppe in der Coburger Straße aufgelöst. Das Haus, das dem gemeinnützigen Verein "Netzwerk für soziale Dienste" gehört, wird ab. 1. September wieder öffnen. Dann allerdings als "Mürschter Knopfkiste"

Auf einer Tafel haben die letzten Bewohner geschrieben, was sie dort erlebt und gefunden haben. "Frieden" steht dort und auch "gute Freunde". "Dankbarkeit" ist zu lesen und "gut Deutsch lernen" konnten sie auch. Dieser positive Geist soll weiter leben. Die Kinder, die hier bald einziehen, können es gebrauchen. Schutz und Sicherheit werden sie erhalten und dazu die Grundlagen der Erziehung.

Als klar war, dass "Akwaaba" geschlossen wird, begann die Suche nach neuen Aufgaben. Das Haus in der Coburger Straße ist für das "Mürschter Kinderhaus" zu klein. Für diese Wohngruppe, die bis Ende nächsten Jahres aus ihrem Domizil in der Reichenbacher Straße ausziehen muss, ist eine andere Lösung gefunden worden. "Wir haben ein sehr gut geeignetes und sehr gut gelegenes Haus gefunden, das wir langfristig pachten können", sagt Charlie Friedel. Der Vertrag wird zunächst über 15 Jahre geschlossen. Ende 2021 wird umgezogen.

Es blieb die Frage, was mit dem Haus in der Coburger Straße werden soll. "Nach Rücksprache mit der Heimaufsicht bei der Regierung von Unterfranken zur Bedarfsplanung blieben zwei Möglichkeiten", erläutert Charlie Friedel. Die erste war eine Gruppe für sogenannte Systemsprenger, also Kinder mit extremen Auffälligkeiten, vor allem Aggressionen . Die Entscheidung fiel auf die zweite Möglichkeit, die intensivpädagogische/familientherapeutische Kleinkindergruppe. "Da gibt es nur vier Einrichtungen in ganz Bayern."

Es geht um Kinder, die von ihren Eltern aufgrund psychischer Erkrankungen oder Schicksalsschlägen nicht mehr genügend versorgt und/oder betreut werden können. Normalerweise werden solche Kinder in Pflegefamilien vermittelt. "Es gibt aber immer weniger Pflegefamilien und damit Pflegeplätze" sagt der Leiter des Netzwerkes. Es gebe auch die Problematik, dass die Pflegeeltern mit solchen Kindern überfordert sind, weil sie nicht pädagogisch ausgebildet sind. "Da geht es um schwere Traumatisierungen mit sich abzeichnenden psychischen Erkrankungen , um tiefgreifende Bindungsstörungen, um Angststörungen und Ähnliches."

Da will die "Mürschter Knopfkiste" helfen. "Der Ansatz hier ist, dass wir die Kinder unterstützen und erziehen in einem sicheren Rahmen, ohne die Eltern außen vor zu lassen." Deshalb wird es in der Knopfkiste auch ein Zimmer geben, in dem Eltern auch einmal übernachten können. "Unser Ziel ist es, gemeinsam mit den Eltern zu trainieren, bis sie die Erziehungsverantwortung wieder übernehmen können", sagt Charlie Friedel. Dazu gehören gemeinsame Hausbesuche der Erzieher mit den Kindern bei den Eltern . Erziehungstraining vor Ort, wird das genannt.

Momentan hat die "Mürschter Knopfkiste" drei Anmeldungen. Gestartet wird am 1. September. Jeden Tag ist Charlie Friedel derzeit vor Ort. Das ganze Haus wurde renoviert, die Zimmer sind schon weitgehend eingerichtet. Große Unterstützung bei der Arbeit hatte Charlie Friedel unter anderem von einem früheren Bewohner des Hauses Akwaaba.

Die Kinder werden in Doppelzimmern untergebracht. "In diesem Alter schlafen sie nicht gerne allein." Etwa ein halbes Jahr lang werden sie auch tagsüber in der Knopfkiste betreut. Sie sollen erst einmal in aller Ruhe ankommen. Angedacht ist, sie danach im Kindergarten oder bei Förderstellen anzumelden.

Den Namen "Mürschter Knopfkiste" hat natürlich erst einmal was mit den fränkischen Knöpfen zu tun, also Kindern. Charlie Friedel hat dabei aber auch an die Knopfkiste der Oma gedacht. Er hat eine Metapher zu der Einrichtung und den Kindern gefunden: Der Knopf vom Familienhemd baumelt lose an einem Faden. "Unser Ziel ist, dass der Knopf wieder mit einem guten, stabilen Faden angenäht wird. Wegen Corona haben sich die ganzen Vorbereitungen verzögert, am 1. September soll das Haus aber nun öffnen. Später, wenn es wieder möglich ist, wird es einen "Tag der offenen Tür" geben.

Was gebraucht wird

Mit Spielsachen und Geldspenden können Interessierte das Projekt unterstützen. Die "Mürschter Knopfkiste" ist mittlerweile vollständig möbliert, auch Kleidung werde nicht benötigt. Gern gesehen wird Holzspielzeug aller Art. Dazu würde sich das Team über Legosteine, Duplosteine, und auch Playmobilsets freuen . Mit den Schulen, Bauernhöfen, Krankenhäusern und was es sonst noch so gibt, könne man sogar pädagogisch arbeiten, sagt Charlie Friedel.

Das Netzwerk bekommt für die Betreuung der Kinder den üblichen Tagespflegesatz. Alles, was darüber hinaus geht (Spielsachen, Ausflüge etc.) muss anders finanziert werden. Deshalb sind auch Geldspenden immer willkommen. Wer Spielsachen hat, oder Geld spenden will kann sich bei Charlie Friedel melden. Mail: karlheinz.friedel@netzwerk.org oder Telefon: 09766/1495.

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