Maßbach

Kinder mit präziser und schneller Auffassungsgabe

Burglauers Nachwuchs ist begeistert beim Blick hinter die Bühne. Beim Projekt "Partnerschule" beobachteten die Kinder Proben und Aufführung des Stücks "satanarchäolügenialkohöllischen Wunschpunsch". Und diskutierten später darüber.
Alle Kinder konnten sich zu Beginn ein Bild aussuchen und über ihre Erinnerungen im Zusammenhang mit den gezeigten Szenen erzählen. Dabei kam zum Teil Erstaunliches zur Sprache. Foto: Thomas Ahnert       -  Alle Kinder konnten sich zu Beginn ein Bild aussuchen und über ihre Erinnerungen im Zusammenhang mit den gezeigten Szenen erzählen. Dabei kam zum Teil Erstaunliches zur Sprache. Foto: Thomas Ahnert
| Alle Kinder konnten sich zu Beginn ein Bild aussuchen und über ihre Erinnerungen im Zusammenhang mit den gezeigten Szenen erzählen. Dabei kam zum Teil Erstaunliches zur Sprache. Foto: Thomas Ahnert

Die Sorgen von Carolin Arand sind gegenstandslos geworden: "Wir hatten die Befürchtung, dass wir als kleinere Schule bestimmt nicht zum Zuge kommen werden." Worauf die Schulleiterin der Grundschule Burglauer abzielt, ist das Projekt "Partnerschule" des Theaters Schloss Maßbach , das bereits vor sieben Jahren gestartet wurde. 83 Schüler in vier Klassen - da können solche Sorgen aufkommen.

Aber die Maßbacher, so Theaterchefin Anne Maar , sind bestrebt, jedes Jahr zwischen Schularten und Landkreisen zu wechseln. Und so war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis auch die kleine Schule in Burglauer in die erste Reihe rückte.

Praxis pur im Theater

Für die Kinder begann damit eine Reihe von spannenden und überraschenden Erlebnissen. Denn die Frage: "Was ist und wie und wozu macht man Theater ?" ist dank des Projekts kein trockener Unterrichtsstoff, den man in der Schulbank absitzen muss. Sondern sie ist Praxis pur. Zunächst einmal fuhren die 1. und 2. Klasse nach Maßbach ins Schloss. Dort wurden die Kinder zunächst einmal durchs Haus und die Werkstätten geführt. "Die Kostümabteilung und insbesondere das Sams-Kostüm kamen am besten an", sagt Theaterpädagogin Dorothee Höhn, die das Projekt organisiert und durchführt. Und dann ging's zum Erstkontakt mit der Bühne, zu einem Probenbesuch von Michael Endes "Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch" mit einem anschließenden Gespräch mit den Akteuren. Das war schon deshalb spannend, weil die Inszenierung noch gar nicht fertig war, und die Schauspieler noch in "Räuberzivil" spielten, weil die Kostüme noch in der Schneiderei fertiggemacht werden mussten.

Schon deshalb war der Besuch der fertigen Aufführung in der Lauertalhalle drei Wochen später mit Spannung erwartet, weil die Kinder ihre Vorstellungen, wie der Zauberer Beelzebub Irrwitzer, die Tante (und Hexe) Tyrannia Vamperl oder die Made aussehen könnten, mit der Realität auf der Bühne abgleichen konnten. Aber interessant war es für sie auch, weil sie jetzt den ganzen Text von Anfang bis Ende hören konnten und die vorher gesehenen Szenen zu einer kompletten Geschichte zusammenfügen konnten. Und sie taten das mit ebenso großer Begeisterung wie Konzentration.

Natürlich ist es sinnvoll, die Kinder mit Michael Endes Geschichte vom geplanten Untergang der Welt und ihrer Rettung nicht alleine zu lassen.

Geschichte in Workshops nachbereitet

Deshalb kam Dorothee Höhn auch zu Nachbereitungsworkshops in den beiden Klassen. Und da zeigte sich sehr schnell und verblüffend: Wenn Erwachsenen die Geschichte zu kompliziert ist, um sie zu verstehen, heißt das noch lange nicht, dass Kinder sie nicht verstehen können. Dorothee Höhn hatte die Kinder in einen Kreis gesetzt und Fotos von den sechs Figuren mitgebracht, und die Kinder konnten sich jeweils eins aussuchen. "Was seht ihr auf dem Bild, woran erinnert ihr euch?" fragte sie in die Runde. Natürlich hatte jeder seine eigenen Erinnerungen - Jeder hatte andere Beobachtungen gemacht. Und so entwickelte sich schnell ein Gespräch, das von Äußerlichkeiten der Kostüme schnell in tiefere Bedeutungsschichten führte.

Und da konnte man als außenstehender Beobachter schnell ins Staunen kommen über die präzise und schnelle Auffassungsgabe der Kinder. Sie waren sicher nicht in der Lage, Michael Endes Geschichte von der Bedrohtheit der Erde in einen globalen Zusammenhang zu stellen. Aber sie verstanden sehr genau die Wirkung des Wunschpunsches und ihrer Umkehrung, sie durchschauten die Machenschaften der beiden Bösewichter und verstanden die Probleme, die der Rabe und die Katze miteinander haben: nicht nur, weil sie nicht wissen, wie sie ihren raffinierten Plan, den Wunschpunsch zu neutralisieren, umsetzen können, sondern auch, weil sie sich als Tiere eigentlich spinnefeind sind - aber hier halt zu Freunden werden (müssen).

Klar, dass das Spektakulärste sich in den Vordergrund drängte. Die tiefsten Eindruck hinterließ wohl die Made, nicht nur wegen ihrer geschickten Kriechbewegungen in ihrem fetten Kostüm, sondern weil sie bei "Made" ihre Stimme immer in den tiefsten Abgrund stürzen ließ. Das schwarze Federvieh landete auf Platz 2: "Ich fand es toll, wie der Rabe durch die Papierwand gesprungen ist", war mehrfach zu hören. Ein Erwachsener hätte aber auch nie bemerkt und sich gemerkt, dass Tante Tyrannia gestreifte Strumpfhosen trug.

Projektwoche für die ganze Schule

Wie es weitergeht? Ende Mai gibt es eine Theater-Projektwoche für die ganze Schule, und dann sind die 3. und 4. Klasse dran. Mitte Juni fahren sie nach Maßbach , wo auch sie durch das Theater geführt werden und anschließend eine Probe zu dem Sommerstück "Rico, Oskar und die Tieferschatten", ein etwas anderes Kriminalstück, besuchen werden. Am 13. Juli sehen die beiden Klassen dann auf der Freilichtbühne das fertige Ergebnis. Und natürlich schließen sich dann auch die beiden Nachbereitungsworkshops an. Außerdem - und das ist ein weiterer Erfolg - plant die Schule, im Januar eine Theater-AG ins Leben zu rufen. Das ist nicht nur eine gute Sache für junge Leute, die sich gerne in Szene setzen, sondern auch für die, die lernen können, auch mal aus sich herauszugehen. Denn die Pädagogik hat längst erkannt, dass Theater nicht nur flüchtige Unterhaltung ist - vor allem, wenn man selber spielt.

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