Bad Kissingen

Kissinger Hospizverein ist seit 25 Jahren für Sterbende da

Der Kissinger Hospizverein hat sein 25-jähriges Bestehen mit einem Festakt gefeiert. Vorsitzender Reinhard Höhn kritisiert die Palliativ- und Hospizversorgung im ländlichen Raum.
Seit 25 Jahren begleitet der Kissinger Hospizverein Todkranke auf ihrem letzten Weg. Symbolfoto: Rainer Jensen/dpa/Archiv
Seit 25 Jahren begleitet der Kissinger Hospizverein Todkranke auf ihrem letzten Weg. Symbolfoto: Rainer Jensen/dpa/Archiv

Mit einem Festakt und zahlreichen Ehrengästen feierten am Samstag die Mitglieder des Bad Kissinger Hospizvereins dessen 25-jähriges Bestehen. Vorsitzender und Palliativmediziner Reinhard Höhn nutzte die Gelegenheit, um auf Mängel in der wohnortnahen stationären hospizlichen Versorgung hinzuweisen.

Derzeit gibt es nur zwei Palliativstationen in Bad Neustadt und Schweinfurt sowie ein Team für die spezialisierte ambulante Palliativversorgung in Schweinfurt. Dieses versorgt als "SAPV-Palliativo Main-Saale-Rhön" die Landkreise Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen mit. Der Gesetzgeber sehe nur ein Hospizbett für 60 000 Einwohner vor. Für Ballungszentren mag dies ausreichen, merkte Höhn an, nicht aber für dünn besiedelte Flächenlandkreise. Im Regierungsbezirk Unterfranken gibt es 18 stationäre Hospizbetten in Würzburg und Alzenau. Diese seien meistens belegt und für Kissinger Landkreisbewohner zu weit entfernt. "Menschen, bei denen eine hospizliche stationäre Versorgung angezeigt wäre, verbringen ihre letzten Wochen deshalb meist in einer Senioreneinrichtung. Aber für junge, allein lebende Krebspatienten ist die Unterbringung in einer solchen Einrichtung ethisch schwer vertretbar", kritisierte Höhn. Der Mediziner forderte deshalb die Überarbeitung des Bundesgesetzes, "um den gezielten und bedarfsgerechten Ausbau der stationären Hospize auf Länderebene zu ermöglichen".

Bundestagsabgeordnete Sabine Dittmar ( SPD ) zeigte als langjährig praktizierende Ärztin volles Verständnis und bestätigte den Missstand. Allerdings verwies sie auf die Ankündigung der bayerischen Gesundheitsministerin Melanie Huml ( CSU ), die Zahl der bisher 215 Hospizbetten in Bayern auf 280 zu erhöhen. Der Freistaat wolle bereits in den nächsten drei Jahren 40 zusätzliche Betten schaffen. "Ich hoffe sehr, dass unsere Region hier Berücksichtigung findet", sagte Dittmar. Sie forderte eine stärkere politische und gesellschaftliche Anerkennung des ehrenamtlichen Hospizdienstes, der "in einer immer älter werdenden Gesellschaft eine immer wichtigere Rolle einnimmt". Hospizbegleiter seien überwiegend Frauen in der späten Erwerbs- und Nacherwerbsphase. Dittmar: "Wir brauchen aber auch jüngere Menschen, auch Männer sowie Menschen mit Migrationserfahrung."

Ein seltenes Beispiel für den Einsatz jüngerer Menschen in der ehrenamtlichen Sterbebegleitung ist im Bad Kissinger Hospizverein Patricia Middermann. Die erst 27-Jährige wurde im April von Bundesfamilienministerin Monika Giffey ( SPD ) für ihr Engagement geehrt. "Ich habe gemerkt, dass es Sterbenden guttut, wenn man einfach da ist und zuhört", sagte sie. Wer sich frühzeitig mit dem Sterben befasst, lebt jeden Tag bewusster, ist ihre persönliche Erfahrung aus der Hospizarbeit.

Dankbarkeit habe auch sie gespürt, berichtete Ilse Großmann als eine der ältesten Hospizbegleiterinnen: "Ich wurde immer mit ausgebreiteten Armen erwartet." Ihr Beweggrund zur Mitgliedschaft im Verein vor 25 Jahren: "Ich fühlte, dass ich diesen neuen Weg gehen sollte." Großmann und 23 weitere Erstmitglieder wurden beim Festakt vom Bayerischen Hospizverband für 25-jährige Mitgliedschaft mit der goldenen Ehrennadel ausgezeichnet.

In ihren Grußworten dankten die Vertreter von der Lokal- bis zur Bundespolitik dem 260 Mitglieder zählenden Verein, vor allem aber den 50 ehrenamtlichen Hospizbegleitern im Landkreis. "Die Hospizarbeit zeigt, wie stark doch unsere Gesellschaft ist", meinte die Bundestagsabgeordnete und Landratskandidatin Manuela Rottmann (Bündnis90/Die Grünen). Der stellvertretende Landrat Emil Müller ( CSU ) würdigte den Einsatz von Zeit: "Sie geben den Menschen, was sie sich nicht kaufen können und erleichtern so den Sterbenden den Weg bis zum Tod." Oberbürgermeister Kay Blankenburg ( SPD ) zitierte aus Thomas Manns Roman "Der Zauberberg": "Der Mensch soll um der Güte und Liebe willen dem Tode keine Herrschaft einräumen über seine Gedanken." Um sich aber vom Tod nicht beherrschen zu lassen, sei eine liebevolle Begleitung durch Angehörige oder den Hospizdienst zwingend.

Der Vorsitzende des Bayerischen Hospiz- und Palliativverbandes (BHPV), Konrad Göller, warb um mehr Freiwillige für den Hospizdienst: "Wir bekommen auch etwas zurück", versicherte er. Wenn die Kommunikation zwischen dem Sterbenden und der Hospizbegleitung stimme, verändere es beide Seiten. Göller nannte dies "das besondere Geheimnis dieses Ehrenamts."

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