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Kissinger Hütte: Eine 100-jährige Baustelle in Bildern

Der Rhönklub Bad Kissingen wusste, warum er die Kissinger Hütte 1914 auf den Feuerberg baute. Seitdem hat sich dort einiges getan. Die Redaktion hat im Archiv alte Bilder zu den Bauphasen gefunden.
Eine Fotografie aus dem Sommer 1914: Die Kissinger Hütte auf dem Feuerberg während der Bauarbeiten. Ob das Gerüst heute von der Berufsgenossenschaft zugelassen wäre? Foto: Archiv Saale-Zeitung/Repro Johannes Schlereth       -  Eine Fotografie aus dem Sommer 1914: Die Kissinger Hütte auf dem Feuerberg während der Bauarbeiten. Ob das Gerüst heute von der Berufsgenossenschaft zugelassen wäre? Foto: Archiv Saale-Zeitung/Repro Johannes Schlereth
| Eine Fotografie aus dem Sommer 1914: Die Kissinger Hütte auf dem Feuerberg während der Bauarbeiten. Ob das Gerüst heute von der Berufsgenossenschaft zugelassen wäre? Foto: Archiv Saale-Zeitung/Repro Johannes Schlereth

Sei es beim Skifahren , Wandern oder Mountainbiken - fast jeder Rhöner hat ihn bereits einmal erklommen. Die Rede ist vom Feuerberg. Auf dem Gipfel thront seit über 100 Jahren die Kissinger Hütte. Seitdem das urige Wanderheim 1914 vom Bad Kissinger Rhönklub gebaut worden ist, hat sich einiges an dem Gebäude getan.

Rhönklub Bad Kissingen: Warum der Verein eine Hütte wollte

Den Gedanken, eine Hütte in der Rhön zu bauen, fassten die damaligen Mitglieder des Vereins nach einem Ausflug in die Alpen. Dort waren mehrere Rhönklubberer im Passeiertal unterwegs und erklommen die Augsburger Hütte. Der Eindruck des Hüttenerlebnisses fand nach Rückkehrer der Bergsteiger in die Heimat großen Widerhall. Der Plan, der dadurch in den Vereinsmitgliedern reifte: Der Rhönklub in Bad Kissingen braucht ebenfalls eine Wanderhütte. Allerdings gingen von der Alpen-Tour bis zum Bau der Hütte einige Tage ins Land.

Bad Kissingen: Rhönklub auf Suche nach geeignetem Standort

Im Lauf der Zeit brachten die rund 700 Mitglieder die Bausumme von etwa 14 000 Mark mit Spenden und dem Verkauf von Bausteinen zusammen. Heute wären das rund 70 000 Euro. Als hilfreich erwies sich dabei ein Modell des Gebäudes, das in einem Schuhladen-Schaufenster ausgestellt war. Als geeigneten Bauplatz hatte sich der Verein den Feuerberg ausgesucht. Die freie Berglage mit Fernsicht auf die Rhön, das Rhöner Vorland und einwandfreies Quellwasser gaben dafür den Ausschlag.

Grundstückskauf erregte Aufsehen in der Lokalpresse

Im August 1913 schlossen die Gemeinde Langenleiten und der Rhönklub ihre Grundstücksverhandlungen dazu einvernehmlich ab. Notariell beurkundet wurde der Grundstückskauf am 19. November 1913. Darüber berichtete auch die Lokalpresse. In der Saale-Zeitung heißt es: "Der Rhönklub-Zweigverein Bad Kissingen erwarb heute auf den schwarzen Bergen (Sic!) zur Arrondierung seines dortigen Besitztums ein Gelände von ca. 4800 qm."

Schnelligkeit, trotz widriger Bedingungen beim Bau

Baubeginn war wenig später am 28. April 1914. Für die Maurerarbeiten war ein Bauunternehmer namens Schrenk aus Oberbach zuständig. Die Steine im Unterbau stammten aus den beiden nahen Basaltbrüchen Hahnenknäuschen und Lösershag. Insbesondere der Weg von letzterem hin zum Bauplatz muss sehr kräftezehrend gewesen sein: Steigungen und unwegsames Gelände erschwerten das Heranschaffen von Basaltsteinen. Für die Zimmererarbeiten war Edgar Müller aus Volkers zuständig. Die Saale-Zeitung titelte: "Mit dem Bau der Kissinger Hütte auf den Schwarzen Bergen wird erfreulicherweise heute begonnen." Für den Innenausbau hatte der Verein den Schreiner Julius Reuß aus der Kissinger Frühlingstraße engagiert.

Artikel in der Saale-Zeitung: Eher Gasthaus als Schutzhütte

Die Handwerker waren schnell - schon im Sommer 1914 war das Gebäude fertiggestellt. Der Verein hatte in München beantragt, das Gebäude nach dem bayerischen Regenten, König-Ludwig Hütte nennen zu dürfen. Der Rhönklub erhielt die Erlaubnis mit "Allerhöchstem Auftrag". Geplant war, die Eröffnung am 23. August 1914 zu feiern. Das geht aus einem Artikel vom 13. Juli hervor. In dem Bericht über eine Wanderung liest sich: "...und wenige Minuten nach 11 war die Höhe 832 mit dem geschmackvollen Holzbau auf Steinunterlage erreicht." Lobend erwähnte der Verfasser die Größe des Gebäudes: "Erst im Rohbau fertig, ließ sich doch schon erkennen, dass die "König-Ludwig Hütte" mehr einem kleinen Gasthaus als einer Schutzhütte gleicht."

1918: Warum die Wanderhütte umbenannt wurde

Mit der Einweihung am 23. August klappte es jedoch nicht. Erst am 13. Oktober gelang schließlich die Zeremonie in Form einer "einfachen Feier". Als 1918 an den Fronten die Waffen schwiegen, kam auch das Ende für die Monarchie in Bayern - und damit die Umbenennung der König-Ludwig Hütte zur Kissinger Hütte.

Stetige Baustelle auf dem Feuerberg

Nur wenige Jahre nach Kriegsende, im Jahr 1924, war der Verein wieder am Gebäude tätig. Für 10 000 Mark - heute rund 36 000 Euro - versetzten die Mitglieder den Eingang. Dieser war ursprünglich auf der Westseite gelegen und befand sich nach Abschluss der Arbeiten an der Ostseite. 1932 erwarb der Rhönklub weiteren Grund von der Gemeinde Langenleiten. Das Ziel: Die Wasserversorgung sicherstellen. Bis zu diesem Zeitpunkt musste das Wasser mit dem Tragjoch auf den Gipfel geschleppt werden.

Kissinger Hütte: Selbstverpflegung war angesagt

Selbiges galt für den Proviant - denn bewirtet war die Hütte damals nicht. Dafür engagierten Wanderer den Polizeidiener aus Langenleiten, der beladen mit Bier, Schnaps, Brot und Wurst regelmäßig die Wanderhütte belieferte. In den 1950er Jahren begann schließlich die Bewirtung der Gäste.

Aufschwung durch den Wintersport

Damit verbunden waren weitere Anbauten an die alte Hütte. Parkplatz, Versorgungsstraße, erweiterte Touristen- und Wirtschaftsräume entstanden. Die Modernität hielt Schritt für Schritt Einzug - bald gab es auch eine Telefonleitung sowie eine Zentralheizung und elektrisches Licht in der Hütte. 1972 folgte der Anbau eines Wanderwohnheims und eines Jugendraums. Weiteren Aufschwung - und damit Gäste - brachte der in den 70er Jahren aufkommende Wintersport mit den verschiedenen Liftanlagen am Feuerberg. Dieser ist mittlerweile weggefallen, doch immer mehr Wanderer und Mountainbiker haben die Schwarzen Berge mit ihrer Hüttenstruktur seit einigen Jahren entdeckt. Derzeit finden an der Hütte erneut Renovierungsarbeiten statt. (Wir berichteten)

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