Bad Kissingen

Kissinger Sommer: Aus dem ruhigen Abend für Truls Mørk wurde nichts

Klar: Wenn die Tschechische Philharmonie und ein Cellist aufeinandertreffen, dann kann eigentlich nur ein Werk auf dem Programm stehen: das Konzert für Violoncello und Orchester h-moll op. 104 von Antonin Dvorak. Das war erstaunlich lange nicht mehr im Regentenbau zu hören gewesen.
Truls MørkGerhid Ahnert       -  Truls MørkGerhid Ahnert
Truls MørkGerhid Ahnert

Solist war einer, der auch eine lange Pause beim Kissinger Sommer gemacht hatte: Truls Mørk.

Die Prager knüpften wieder da an, wo sie am Vorabend aufgehört hatten: an ihrem hohen Niveau. Und Tomas Netopil am Pult hatte sich für dieses altbekannte Konzert mal etwas Neues überlegt - Truls Mørk hatte sich den Abend sicher etwas routinierter und ruhiger vorgestellt Aber Tomas Netopil hatte wohl beschlossen, einmal das Orchester stärker ins Licht zu holen. Da musste der Solist, der seinen Part normalerweise mit links spielt, plötzlich kämpfen, nicht wegen der Tempi, sondern wegen der Durchsetzung. Und da er das meistens schaffte - an einigen Stellen ist das Eintauchen im Orchester ja auch gewünscht - hatte dieses Konzept zwei große Vorteile: Der Solopart gewann enorm an Intensität. Und im Orchesterpart, der dadurch natürlich erheblich aufgewertet wurde, taten sich Aspekte auf, die wirklich neu waren. Vor allem die Bläser waren plötzlich an Stellen zu hören, wo man sie noch nie bemerkt hatte.

Als Zugabe spielte Truls Mørk die Sarabande aus der 2. Cello-Suite von Johann Sebastian Bach .

Zum Problem wurde der zweite Teil des Konzerts. Natürlich kann man eine Konzertouvertüre von Dvorak gut hören. Aber mussten es gleich alle drei des Zyklus "Natur, Leben und Liebe" sein: "In der Natur", "Othello" und " Karneval "?. Auch wenn Dvorak das wollte? Das ist viel bunte Musik, die da aufgehäuft wird, aber letztlich ist das Ganze so spannend wie ein Sammelband mit Margarinebildchen: Es passierte nichts, die Effekte nutzten sich ab - gerade weil sie so plastisch erkennbar herausgearbeitet waren.

Man konnte die frustrierten Blicke der Musiker verstehen, als am Ende die Bravorufe ausblieben, obwohl das Ganze wirklich fabelhaft musiziert war. Dass sie ausblieben, lag ganz bestimmt nicht am Orchester und seinem Leiter. Eigentlich schade.

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