Oberthulba

Klavierbau in Oberthulba: Schleppen, lackieren, stimmen

Klavierbauer haben eine umfangreiche Stellenbeschreibung. Beim Piano Center zeigen sie, dass sie die ersten Künstler sind, die am Klavier arbeiten.
Fritz Sattes bei der Arbeit. Foto: Bastian Reusch       -  Fritz Sattes bei der Arbeit. Foto: Bastian Reusch
Fritz Sattes bei der Arbeit. Foto: Bastian Reusch

Einem virtuosen Pianisten zu lauschen ist nicht nur für Kenner und Liebhaber der klassischen Musik ein Hochgenuss. Doch für die musikalische Darbietung des Künstlers braucht es nicht nur Talent und viel Übung, sondern auch die richtige sowie gut funktionierende Hardware. Dass an dieser Front alles stimmt, dafür sorgen die Klavierbauer. Die sind auch Restauratoren, Stimmer, Handwerker oder Transporteure. 1983 erfüllt das Piano Center in unter Führung von Beatrix und Peter Kleinhenz mit ihrem Team diese Aufgaben.

Die große Halle voller Flügel und Klavieren in Oberthulba ist beeindruckend, insbesondere wenn man den Warenwert bedenkt. Doch vor Diebstählen ist Geschäftsführer Kleinhenz nicht bange, denn bis die Diebe die Halle ausgeräumt hätten, wäre sicherlich schon längst die Polizei vor Ort, meint er mit einem Lächeln.

Ebenso beeindruckend ist es, sein Team bei der Arbeit zu beobachten. Seit mittlerweile 35 Jahren stimmt Michael Herrmann nun schon die Tasteninstrumente und macht dies zu einem Großteil ohne technische Hilfsmittel. "Die Ausbildung kann einen nur den Grundstock vermitteln, die Praxis lernt man erst im Laufe der Jahre. Ich brauche lediglich noch eine Stimmgabel und stimme anschließend mit dem Quintenzirkel weiter. Anschließend transformiert man die Töne dann in Richtung Bass und weiter nach oben", erklärt Herrmann das Vorgehen. Die Erfahrung lehre ebenfalls den Umgang mit verschiedenen Instrumenten, die unterschiedlich gebaut sind und unterschiedlich klingen. Und natürlich gebe es laut Herrmann auch "Zicken" unter den Instrumenten, die sich einfach ganz schwer stimmen lassen. Mittlerweile braucht der erfahrene Stimmer für eine Konzertvorbereitung ungefähr zwei Stunden.

Bis es allerdings zum Stimmen kommt, muss zunächst einmal dafür gesorgt werden, dass das Instrument an sich funktioniert. Fritz Sattes, der schon in Wien, Budapest oder Breslau im Einsatz war, bringt Klaviere und Flügel seit nunmehr über 30 Jahren wieder in Form, tauscht oftmals sogar die komplette Mechanik aus. Auch er weist auf die Bedeutung der Erfahrung hin gegenüber der drei Jahre dauernden Ausbildung hin. Er betont jedoch, dass die Instrumente an sich nicht gravierend unterschiedlich sind: "Man geht eigentlich schon mit einem klaren Plan an die Sache heran. Bei verschiedenen Herstellern kann es zwar sein, dass die Instrumente unterschiedlich sind, allerdings sind sie vom Prinzip her gleich."

Dennoch muss man ein gesundes Maß an Geduld mitbringen, denn beim Austausch der Hämmer, die auf die Saiten schlagen, der Dämpfung oder Pedalen, kann die Arbeit schnell ins Filigrane führen. Je nachdem, was der Künstler sich vorstellt, ist auch mal Nacharbeit notwendig. "Man kann sehr viel beeinflussen, wir müssen halt wissen, was sich die Kunden genau vorstellen", so Sattes. "Es ist die Kunst, dass auch die Top-Pianisten sagen, dass ein Instrument gut ist, denn wenn diese auf die Tasten drücken wollen sie natürlich, dass es sich genau so anfühlt, wie sie das wollen", fügt Kleinhenz hinzu. Es sei allerdings erstaunlich, wie schnell sich Profis für ein Instrument entschieden, meint Sattes: "Ich kann mich erinnern, dass wir drei Klaviere derselben Serie eines Herstellers hatten. Der Kunde hat sie angespielt und hat sich sofort auf eines festgelegt. Ab einem gewissen Niveau spüren sie es einfach."

Doch nicht nur für die Innenausstattung der Instrumente sorgen Klavierbauer, auch Lackierarbeiten, Instrumentenverleih sowie der dazugehörige Transport gehört zum Geschäft. Dabei kann es durchaus mal knifflig werden, sei es durch eine zu enge Treppe oder einfach auch durch die Straßen- und Witterungsverhältnisse. In Sachen Nachwuchs sieht es hingegen nicht wirklich rosig aus. Sattes erklärt, dass viele Gelernte nach ihrer Ausbildung beispielsweise in die Industrie abwanderten: "Man muss schon eine gute Portion Leidenschaft mitbringen, denn wegen des Geldes macht es keiner." Dennoch sei er sehr glücklich in seinem Beruf, Fließbandarbeit gebe es keine, im Gegenteil: Manchmal sind die Fehlerquellen an einem Instrument nicht auf den ersten Blick ersichtlich und man muss schon ein wenig knobeln, um alles wieder in Form zu bringen. Doch die damit einhergehende Abwechslung und das Ergebnis in Optik und Klang seien ungemein befriedigend.

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