Oerlenbach

Kommt die neue Anlage für die Jugend in Oerlenbach?

Idee, Bedarf, Standort, Kosten: Über das Konzept der Oerlenbacher Jugend haben die Gemeinderäte rege diskutiert.
Für ihr Alter noch gut in Schuss: die Skate-Anlage in Oerlenbach. Teile sollten allerdings bald saniert werden, meinen die Jugendlichen. Die hätten am liebsten noch ein paar Elemente mehr und dazu ein multifunktionelles Sportfeld daneben. Foto: Maximilian Müller
Für ihr Alter noch gut in Schuss: die Skate-Anlage in Oerlenbach. Teile sollten allerdings bald saniert werden, meinen die Jugendlichen. Die hätten am liebsten noch ein paar Elemente mehr und dazu ein multifunktionelles Sportfeld daneben. Foto: Maximilian Müller

Da waren die Gemeinderäte baff. So baff, dass sie zum Beweis ihre Smartphones zückten, die Handykamera aktivierten und festhielten, wie sich drei Dutzend Jugendliche wie die Sardinen in den Publikumsbereich des Oerlenbacher Sitzungssaals zwangen. Den zweiten Punkt auf der Tagesordnung wollte keiner von ihnen verpassen. Einer aus ihrer Gruppe, Louis Rettner, sollte an diesem Abend für alle Jugendlichen sprechen und den Gemeinderäten erklären, was es braucht, damit sie alle noch lieber in ihrem Heimatort leben.

Aus einer Jugendbürgerversammlung war die Arbeitsgruppe entstanden. In einer Umfrage wollte der Gemeindejugendpfleger Manuel Müller wissen, was es laut Meinung der Kinder und Jugendlichen braucht, um sich wohlzufühlen in ihrer Gemeinde. Ein Ergebnis: bessere und mehr Freizeitanlagen. Die Pläne dafür hatten die Jugendlichen in der Sitzung parat.

Neue Rampe, neue Elemente

Geht es nach ihnen, wird die Skater-Anlage unterhalb der Hegler-Halle ausgebaut, repariert und erweitert. Vier Varianten mit unterschiedlichem Aufwand und Umfang präsentierten Louis Rettner und Manuel Müller . In ihrer Vorstellung bekommt der Platz eine neue Rampe aus Beton und ein neues Element, an dem die Skater ihre Tricks trainieren können. Eine in die Jahre gekommene Rampe soll saniert werden. Außerdem haben sich die Jugendlichen eine Erweiterung ausgedacht: Auf einem sogenannten Multifunktionsfeld mit elastischem, weichem Tartan-Boden sollen sich künftig gleich mehrere Sportarten wie Fußball und Volleyball ausüben lassen. Dazwischen sollen ein Grillplatz und eine überdachte Sitzgelegenheit entstehen. Für diese Ausführung - die teuerste Version - kalkulieren die jungen Leute mit 100 000 Euro. "Wir wissen, das ist viel Geld", schickte Gemeindejugendpfleger Manuel Müller voraus. Das Publikum war gespannt: Wie kommen die Ideen bei den Oerlenbacher Gemeinderäten an?

Wohin mit dem Sportfeld?

Idee, Standort, Kosten , Bedarf: Das Konzept wurde kontrovers diskutiert. "Wofür investieren wir in den Jugendraum, wenn sich dann alle da oben treffen?", schmiss Wolf Klemens (BBO) in die Runde. Partei-Kollege Andreas Schmitt meinte: "Wir könnten es auch an die Schule angliedern, die könnten das gut mitnutzen." Der Meinung war auch Benedikt Kessler (FWG). Ganz anders sah es Andreas Kukuk (FWG): "Ich finde wir sollten alles da oben zusammenlassen." Das meinte auch Stefan Karch (FWG): "Die Freizeitanlagen sind unabhängig vom Jugendraum zu sehen." Den Bedenken seines Kollegen Kukuk, die Anlage könnte den Vereinen potenzielle Spieler wegnehmen, gab Karch einen Korb: "Wer Spaß am Sport hat, spielt da wie dort." Das fand auch Sven Schüller (BBO): "Wir waren früher auch auf dem Bolzplatz und trotzdem im Verein." Er hatte aber Bedenken, was die Lärmbelästigung und die Sauberkeit anbelangt. Walter Vierheilig (BBO) grätschte seinen Ratskollegen dazwischen und erntete für seinen folgenden Beitrag dicken Applaus aus dem Zuschauer-Abteil: "Es gibt gar keine Diskussion. Das machen wir. Lasst die Burschen und Mädels doch mal rennen. Das funktioniert schon." Michael Bambach (FWG) bekräftigte die Idee der Gruppe: "Ich spreche nicht als Gemeinderat, sondern als Familienvater. Die Anlage da oben wird wahnsinnig gut angenommen, auch über Ortschaftsgrenzen hinaus."

Mehr für die offene Jugendarbeit

Was für rege Wortwechsel sorgte, war die Frage, ob die Gemeinde in der Vergangenheit genug für die Jugendlichen getan hatte. "Es ist falsch, dass nicht in die Jugendarbeit investiert wurde", sagte Wolf Klemens. "In den Verbänden hat man viel gemacht, aber in der offenen Jugendarbeit nicht", antwortete Nils Seidel (BBO). "Jugendliche kommen sich irgendwann auf den Schlips getreten vor, wenn immer wieder aufgeschoben wird." Robert Erhard (WG Rottershausen) widersprach ihm: "Die Gemeinde hat immer etwas getan - für die offene und die geschlossene Jugendarbeit." Bürgermeister Franz Kuhn ( CSU ) gestand ein: "Wir haben uns auf die Verbände konzentriert, ja." Einig war sich die Runde bei ihrem Lob für das Engagement und die Initiative der Jugendlichen. "Ich finde das top. Das gab's zu meiner Zeit nicht", sagte Michael Bambach aus Eltingshausen. Eigeninitiative sollte auch künftig gefordert sein, meinte Benedikt Kessler. Zum Beispiel, wenn es darum geht, Dinge mit der Unterstützung des Bauhofs selbst zu bauen. "Das würden wir sofort machen", sagte Louis Rettner. Auch zur Finanzierung hatte sich die Gruppe Gedanken gemacht: Einen kleinen Beitrag könnten Banden-Werbung und ein Einweihungsfest einbringen.

Am Ende der Diskussion machte Bürgermeister Kuhn eine Zusage: "Im ersten Schritt gehen wir Variante vier an, mit der Mini-Rampe. Dann überlegen wir, wohin das Feld kommen könnte."

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