Altengronau

"Kommunalpolitik geht jeden etwas an"

Philipp Kreß aus Altengronau kandidiert als jüngster Bewerber bei den Kommunalwahlen für die Sinntaler Gemeindevertretung. Der 18-Jährige tritt als SPD-Mitglied an und besucht die zwölfte Klasse des Franz-Miltenberger-Gymnasiums in Bad Brückenau.

"Digitalisierung in der Schule" und "Populismus in der Sprache" - die Seminare, die Abiturient Philipp Kreß aus Altengronau in der Schule belegt, könnten aktueller nicht sein. Der 18-Jährige besucht die zwölfte Klasse des Franz-Miltenberger-Gymnasiums in Bad Brückenau. Als SPD-Mitglied kandidiert er bei den Kommunalwahlen für die Sinntaler Gemeindevertretung am 14. März. Er ist mit Abstand der jüngste Bewerber.

Das ist Absicht: "Ich will meiner Generation zeigen, dass Demokratie direkt vor ihrer Haustür stattfindet und jeder die Chance hat, sich zu beteiligen", sagt er. Interesse an Kommunalpolitik sei bei Gleichaltrigen eher ungewöhnlich, bedauert der Sinntaler. Und er fügt hinzu: "Was auf kommunaler Ebene geschieht, betrifft mich doch tagtäglich direkt. Leider ist die Kommunalpolitik kein Thema im Schulunterricht , sonst wäre das den meisten Bürgern viel bewusster, sonst wäre sie viel attraktiver für den Einzelnen", erläutert der Sozialdemokrat .

Seit Mitte 2019 bei den Jusos

Mitte 2019 ist er den Jusos beigetreten, in der SPD Bad Brückenau engagiert er sich bereits länger. Und nun ist Kreß auch für die SPD Sinntal aktiv. Er will eine Stimme für die jungen Leute in der Gemeinde sein, will zeigen, "was dort passiert, hat mit mir zu tun". Unterstützung erfährt Kreß unter anderem vom Vorsitzenden der Gemeindevertretung, Oliver Habekost, sowie von Bürgermeister Carsten Ullrich (beide SPD ).

Während eines Israel-Austauschs hatte Kreß andere Jugendliche kennengelernt, die sich in der SPD engagieren. "Da habe ich gemerkt, das ist gar nicht so schwer. Das kannst du auch", sagt er rückblickend und erinnert sich zum Beispiel an den ersten Parteitag als Delegierter. "Da hatte ich gehörig Respekt vor", erläutert er. Dass coronabedingt kein "normaler Wahlkampf" stattfindet, nimmt der Altengronauer so wie es ist: "Natürlich ist das sehr schade. Es ist schließlich mein erster Wahlkampf. So etwas lebt von den persönlichen Gesprächen mit den Bürgern. Aber jetzt ist es halt so", erläutert der 18-Jährige.

Kampf gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus

Was Kreß besonders am Herzen liegt, ist der Kampf gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus . Deshalb beschäftigt er sich im Zuge seines Abiturs mit dem Thema Populismus in der Sprache. Sensibilisiert hat ihn hierfür unter anderem ein Israel-Aufenthalt, bei dem er enge Kontakte zu Juden geknüpft hat, die bis heute andauern. Die Geschichte von deren Vorfahren mache deutlich, wie wichtig es sei, sich "nicht wegzuducken, sondern klare Kante" zu zeigen.

Der Abiturient ist davon überzeugt: "Wer sich positionieren will, muss keiner radikalen Partei beitreten." Kreß sagt: "Es stimmt. Demokratie kann anstrengend sein, weil sie manchmal lange dauert. Aber sie ist ein hohes Gut. Es reicht nicht, seine Meinung am Stammtisch kundzutun und dann nicht zum Wählen zu gehen. Denn auf kommunaler Ebene wird entschieden, wie das Leben in meiner Gemeinde in den nächsten Jahren wird, und wir können das mitgestalten. In der Gemeindevertretung wollen alle Parteien das Beste für die Gemeinde herausholen."

Optimistisch und zugleich realistisch

Der Altengronauer setzt auf Digitalisierung. Die Corona-Krise habe gezeigt, wie anfällig Deutschland in vielen Bereichen ist, findet er. Die Technik sei nicht so weit wie angenommen. Stichwort Internetverbindung. Homeschooling und Home-Office seien deshalb im ländlichen Raum keine Dauerlösung. Der Abiturient spricht aus Erfahrung. "Im ersten Lockdown hat der Unterricht quasi nicht stattgefunden. Das war katastrophal", berichtet er. Kreß bezeichnet sich als optimistisch und zugleich realistisch. Der junge Mann hofft, dass er bei der Wahl ein paar Stimmen sammeln kann. In die Gemeindevertretung gewählt zu werden, "wäre ein toller Erfolg", sagt er. Nach dem Abitur will der Sinntaler in die Welt und gleichzeitig seiner Heimatgemeinde treu bleiben - darin sieht er keinen Widerspruch. Er möchte in der Politik bleiben und Journalismus studieren. Lena Quandt

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