Bad Kissingen

Kreis Bad Kissingen: Einmal mit Stammzellspende ein Leben retten

Mehr als jeder Zehnte im Kreis ist als Stammzellspender registriert. Die Hilfsbereitschaft ist groß. Dennoch werden nur wenige tatsächlich zu Spendern.
Benedikt Herbert  nach der Knochenmarkspende. Der Student ist einer von 184 Stammzellenspendern aus dem Landkreis seit 1991. Benedikt BorstHerbert/Selfie
Benedikt Herbert nach der Knochenmarkspende. Der Student ist einer von 184 Stammzellenspendern aus dem Landkreis seit 1991. Benedikt BorstHerbert/Selfie

Benedikt Herbert hatte sich das erste Mal während seiner Schulzeit.mit dem Thema Stammzellspende auseinandergesetzt. Eine Mitschülerin von der Realschule, Jana aus Katzenbach, war 2009 an einer besonders aggressiven Form von Blutkrebs erkrankt und kurz darauf verstorben. "Sie war etwas jünger als ich und kam aus einem Dorf zwei Orte weiter. Das hätte auch mich treffen können", sagt der Student. Die Realschule Bad Kissingen organisierte unter dem Motto "Hilfe für Jana" eine große Typisierungsaktion, um einen passenden Stammzellenspender zu finden. Resultat: Mehr als 2500 Menschen aus Bad Kissingen und Umgebung ließen sich bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrieren. Benedikt Herbert konnte nicht mitmachen, weil er das vorgegebene Spendenalter von 18 Jahren noch nicht erreicht hatte. Ihm war aber klar, dass er das nachholen wird. Inzwischen ist er auch in der DKMS-Kartei zu finden. "Weil ich es wichtig finde."

Gewebemerkmale müssen passen

Die DKMS ist mit mehr als 5,8 Millionen potenziellen Spendern die größte Knochenmarkspenderdatei in Deutschland. Im Kreis Bad Kissingen ist nach ihren Angaben mehr als jeder Zehnte bei ihr registriert, davon haben seit Gründung der Organisation vor 28 Jahren 184 Personen tatsächlich Stammzellen gespendet. Gemessen an der Gesamtbevölkerung des Landkreises sind das 0,2 Prozent.

Die Wahrscheinlichkeit, tatsächlich zum Spender zu werden, ist nicht besonders hoch. "Ich habe nach der Registrierung lange nicht mehr daran gedacht", erzählt Benedikt Herbert. Dann im Sommer des vergangenen Jahres hat sich die DKMS bei dem Mann aus Burkardroth gemeldet. "Sie sagten, dass es einen Patienten gibt und fragten, ob ich spenden würde."Benedikt Herbert sagte zu und erledigte die nötigen Voruntersuchungen von der Bestätigungstypisierung bis zum großen Gesundheits-Check. Dann zu Beginn diesen Jahres ließ er sich unter Vollnarkose Knochenmark entnehmen.

"Für eine erfolgreiche Stammzelltransplantation ist vor allem eine gute Übereinstimmung der Gewebemerkmale von Spender und Empfänger Voraussetzung", erklärt DKMS-Sprecherin Hannah Wischott. Anhand der ausführlichen Voruntersuchungen wird entschieden, ob man zu hundert Prozent geeignet ist.

Im Falle einer Spende sind zwei Entnahmearten möglich. Welche verwendet wird, richte sich nach dem Zustand des Leukämiekranken. "In 80 Prozent der Fälle werden die Stammzellen aus der Blutbahn entnommen", sagt sie. Der Spender erhält ein Medikament, damit der Körper vermehrt Stammzellen im Blut bildet. Die werden dann direkt aus dem Blut gewonnen. Das zweite Verfahren ist die Knochenmarkspende. Die Ärzte entnehmen mit einer Punktionsnadel Knochenmark aus dem Beckenkamm. Wischott: "Hierbei genügen in der Regel zwei kleine Einschnitte im Bereich des hinteren Beckenknochens. Die dabei entstehenden Wunden sind so klein, dass sie nur mit wenigen Stichen oder oft überhaupt nicht genäht werden müssen und rasch verheilen."

Hohe Spendenbereitschaft

In Deutschland ist die Bereitschaft hoch, Leukämiepatienten das Leben zu retten. Laut Zentralem Knochenmarkspender-Register (ZKRD) waren 2018 erstmals mehr als acht Millionen Menschen typisiert. Seit 2010 beobachtet die Organisation eine rasante Entwicklung. Die Zahl der Spenderdateien habe sich in dieser Zeit verdoppelt. Für rund 90 Prozent der deutschen Blutkrebspatienten könne meist in wenigen Wochen ein Spender identifiziert werden.

Monika Reuss-Borst, Onkologin und Hämatologin am Rehazentrum Bad Bocklet, sieht diese Entwicklung als Erfolgsgeschichte. Gerade auch die Spenderzahlen aus dem Landkreis seien sehr gut. Stammzellenspenden unterscheiden sich deutlich von Organspenden, die oft kritisch diskutiert werden und bei denen die Spendebereitschaft nicht so groß ist. Dass das so ist, liege an einem wesentlichen Unterschied: "Die Stammzellspende ist nicht mit dem Thema Tod verknüpft. Wenn ich mich typisieren lasse, kann ich spenden und muss nicht sterben", sagt Reuss-Borst. Im Gegenteil: Der Spender muss nur einen harmlosen Eingriff hinter sich bringen.

Benedikt Herbert war nach wenigen Tagen wieder wohlauf. Unmittelbar nach der Entnahme habe er Kreislaufprobleme und im Rücken hexenschussartige Schmerzen gehabt. "Man muss sich halt etwas langsamer und vorsichtiger bewegen", meint er. Auch wenn er im Moment noch nicht weiß, wer seine Stammzellen bekommen hat und ob die Behandlung erfolgreich war: Benedikt Herbert hofft, dass alles gepasst hat und dass einem Kranken, dessen Familie und Freunden geholfen wurde.

12 670 Menschen aus dem Kreis Bad Kissingen waren Ende 2018 bei der DKMS als Stammzellspender registriert.

184Personen aus dem Landkreis haben seit 1991 Stammzellen über die DKMS gespendet. 2018 waren es neun.

0,2Prozent beträgt die Spendewahrscheinlichkeit im ersten Jahr nach der Typisierung. Später sind es zwei Prozent.

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