Bad Kissingen

Kreis Bad Kissingen: Viel Müll, wenig Radler

Wie grün tickt der Kreis Bad Kissingen? Er punktet zwar mit vielen Schutzgebieten, mäßig schaut es aber beim Radverkehr, beim ÖPNV und beim Hausmüll aus.
Im Kreis Bad Kissingen fällt im deutschen Vergleich überdurchschnittlich viel Hausmüll an. Rinklef/Archiv
Im Kreis Bad Kissingen fällt im deutschen Vergleich überdurchschnittlich viel Hausmüll an. Rinklef/Archiv

Die Natur gehört zu den Stärken der Region. Menschen die gefragt werden, warum sie hier Urlaub machen oder gern hier leben, führen sie oft als Argument an. 16 Naturschutzgebiete gibt es im Kreis Bad Kissingen , von den Schwarzen Bergen bis zu den Kernzonen des Unesco Biosphärenreservats. Zwei Landschaftsschutzgebiete kommen dazu, 17 FFH-Gebiete und 39 Geotope. Aber wie grün tickt der Landkreis sonst? Wie sehr haben Politik und Gesellschaft umweltpolitische Themen auf dem Schirm?

Die Thüringische Landeszeitung stellt dem Landkreis eine eher bescheidene Note aus. Die TLZ hat in einer Online-Recherche alle Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland anhand von fünf ökologischen Kategorien verglichen. Wie viel Haushaltsmüll produziert eine Region, wie hoch ist der Anteil an Elektroautos und an Fahrradfahrern. Zugrunde liegen Daten zum Beispiel des Kraftfahrt- und des Umweltbundesamtes und des Verkehrsministeriums.

Bei der Auswertung kommt Bad Kissingen nicht über einen Platz im hinteren Mittelfeld hinaus: 295 von 401. Im unterfränkischen Vergleich bedeutet das sogar nur den vorletzten Rang. Jürgen Metz, Leiter der Kreisentwicklung am Landratsamt Bad Kissingen verteidigt Lokalpolitik und Kreisverwaltung. "Ich glaube, dass ein Bewusstsein für grüne Themen vorhanden ist und ich glaube, dass wir es vorantreiben müssen, weil es die Bevölkerung wünscht", sagt er und verweist zum Beispiel auf Erfolge beim Ausbau Erneuerbaren Energien.

596 Kilo Hausmüll pro Kopf

Metz überrascht es, dass der Landkreis in Sachen Hausmüll nur mäßig abschneidet. 2016 fielen pro Kopf 596 Kilogramm an. Damit produzierte Bad Kissingen 112 Kilo mehr Müll als der deutsche Durchschnitt und mehr als doppelt so viel Müll wie der Spitzenlandkreis Mittelsachsen. "Das ist wahrscheinlich damit zu erklären, dass bei uns das Grüngut reingerechnet wird", erläutert er. Immerhin sank der Wert 2018 leicht auf 570 Kilo pro Kopf. Das sei zwar immer noch viel, aber: "Wir haben eine Wiederverwendungsquote von 75 Prozent. Ich denke, dass das nicht schlecht ist", sagt er.

Besser schaut es beim Anteil von Elektroautos und Hybridfahrzeugen aus. Die machen aktuell 0,6 Prozent des lokalen Fahrzeugbestandes aus, der deutsche Schnitt liegt bei 0,9 Prozent. Metz verweist darauf, dass der Landkreis aktuell an einem E-Mobilitätskonzept arbeitet, das sich zum Beispiel damit beschäftigt, wo Ladesäulen Sinn machen und wie Kommunen ihren Fuhrpark umstellen. Das Konzept soll dieses Jahr den Gemeinden zur Verfügung stehen.

Die Hammelburger BUndestagsabgeordnete Manuela Rottmann (Grüne) hält den Blick auf die E-Autoquote für wenig zielführend. "Es wird nicht passieren, dass wir alle Autos in Elektro umtauschen", sagt sie. Wichtiger sei, Alternativen zum Auto auszubauen. Um zu bewerten, wie gut der ÖPNV ist, brauche es andere Kriterien: Wie weit ist die nächste Haltestelle entfernt, wie oft fährt dort der Bus? "Haben die Leute überhaupt die Chance, den Bus zu nehmen", fragt sie. Rottmann beruft sich auf Daten der Allianz Pro Schiene, wonach die bayerischen Nahverkehrsangebote im Vergleich zu anderen Bundesländern nicht mithalten können.

Radwege für Touristen

Luft nach oben hat der Landkreis laut TLZ auch beim Radverkehr . Nur sechs Prozent der täglichen Wege werden geradelt. Bundesweit ist die Quote fast doppelt so hoch. "Der Radwegebau läuft gut, aber wir haben Nachholbedarf", findet Metz. Bei straßenbegleitenden Radwegen außerhalb von Ortschaften habe sich viel getan, die Defizite gebe es innerorts. Das sieht Rottmann ähnlich. Das Rad wurde bislang vor allem unter touristischen Aspekten betrachtet. "Es fehlt der Blick: Was kann das Fahrrad im Alltag", kritisiert sie. Die Politik müsse von Haustür zum Haustür denken. Es brauche Erreichbarkeit über Radwege , Abstellplätze an Schulen, Supermärkten und Bahnhöfen und die Vernetzung zum ÖPNV, etwa dass man das Rad auch günstig im Zug mitnehmen kann. "Um den Radverkehr zu fördern, geht es oft um kleine Sachen", sagt die ehemalige Umweltdezernentin der Stadt Frankfurt am Main.

In vier von fünf Kategorien der TLZ-Auswertung liegt der Landkreis unter dem Durchschnitt, überdurchschnittlich ist hingegen der Anteil, den die Naturschutzgebiete an der Gesamtfläche ausmachen: nämlich 20 Prozent. "Das ist unser Kapital", findet Rottmann.

Schlagworte

  • Bad Kissingen
  • Elektroautos
  • Fahrräder
  • Naturschutzgebiete
  • Radverkehr
  • Radwege
  • Stadt Frankfurt
  • UNESCO
  • Umweltbundesamt
  • Umweltpolitik
  • Verkehrsministerien
  • Öffentlicher Nahverkehr
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
1 1

Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!