Hilders

Kulturflüchter auf Wohnungssuche in der Rhön

Das Life-Projekt baut Teiche für den Schwarzstorch: Denn dessen Hauptproblem ist die Störung durch Menschen. Neben dem Horstschutz spielt die Verbesserung der Nahrungsbiotope eine wichtige Rolle für den Erhalt der Waldstörche.
Ein Schwarzstorch fliegt zu seinem Horst in der Rhön, in dem drei hungrige Jungvögel warten. Foto: Arnulf Müller       -  Ein Schwarzstorch fliegt zu seinem Horst in der Rhön, in dem drei hungrige Jungvögel warten. Foto: Arnulf Müller
| Ein Schwarzstorch fliegt zu seinem Horst in der Rhön, in dem drei hungrige Jungvögel warten. Foto: Arnulf Müller

Blauschwarz, scheu, wählerisch, sucht ... - so könnte der Text für die Wohnungsanzeige eines heimlichen Waldbewohners lauten, der in der Rhön zu Hause ist, aber immer seltener wird: der Schwarzstorch. Anders als sein weißer Verwandter hat der Vogel große Probleme, eine geeignete Bleibe zu finden. Das Life-Projekt "Hessische Rhön" greift ihm mit der Renaturierung stillgelegter Fischteiche unter die Flügel, heißt es in einer Pressemitteilung des Biosphären-Reservats.

Lange rote Beine, langer roter Schnabel, anmutig im Flug: Auf den ersten Blick ist er seinem weißen Verwandten sehr ähnlich. Doch im Gegensatz zum Weißstorch, der wieder in vielen Dörfern im Fuldaer Land heimisch ist, lässt sich der etwas kleinere Schwarzstorch nicht in der Nähe von menschlichen Siedlungen blicken. Der scheue Vogel baut seine Nester verborgen im Wald, hoch oben in Baumkronen und sucht seine Nahrung in nahegelegen Bächen, Teichen oder Tümpeln oder auf frisch gemähten Wiesen. Fische und Amphibien stehen ganz oben auf seinem Speiseplan. "Dafür legt er schon mal 20 Kilometer zurück", weiß Jonas Thielen vom Unesco-Biosphärenreservat Rhön.

Wenn er im Frühjahr aus den Überwinterungsgebieten zurückkommt, findet er zwischen Tann und Gersfeld geeignete Wälder und exzellente Nahrungsreviere.

Brut wird nicht mehr gepflegt

Dennoch ist er in der hessischen Rhön wieder selten geworden, obwohl sich sein Bestand in den letzten zehn Jahren deutlich erholt hatte. Sein Hauptproblem : Störung durch Menschen. Während Nestbau, Brut und Aufzucht der Jungen zwischen März und August, braucht der Schwarzstorch absolute Ruhe. Thielen, der bereits Populationen im Vogelsberg und Schwarzwald untersucht hat, hat es mehrfach erlebt: "Kommen Wanderer , Mountainbiker oder Hobbyfotografen dem Nest zu nahe, ist er weg. Die Eier werden nicht weiterbebrütet, bereits geschlüpfte Jungstörche werden nicht weiter gefüttert und verhungern."

In diesem Jahr wurden im Vogelschutzgebiet Hessische Rhön nur noch zwei Brutpaare gezählt, in den Vorjahren waren es durchschnittlich fünf. Auch wenn die Frequentierung der Wälder zu Freizeitzwecken nicht der einzige Grund für den Rückzug der Störche ist, richtet Thielen eine eindringliche Bitte an die Menschen: auf den Wegen bleiben!

Kleinere Teichanlage neu geschaffen

Neben dem Horstschutz spielt die Verbesserung der Nahrungsbiotope eine wichtige Rolle für den Erhalt der Waldstörche. Vorangetrieben wird diese Maßnahme unter anderem mit Mitteln aus dem Life-Projekt "Hessische Rhön". In Abstimmung mit der Unteren Wasserbehörde wurde in der Gemeinde Hilders bereits eine kleinere Teichanlage neu geschaffen, in der Gemeinde Ehrenberg ist eine stillgelegte Teichanlage renaturiert und für den Schwarzstorch optimiert worden. Derzeit laufen Arbeiten an einer verlandeten Anlage bei Poppenhausen, die die Hessische Gesellschaft für Ornithologie (HGON) erworben hat. "Nachdem wir Ende letzten Jahres das Wasser abgelassen haben und die Teiche über den Sommer austrocknen konnten, werden sie jetzt entschlammt und die Zu- und Abflussbauwerke instandgesetzt", berichtet Life-Projektmanager Elmar Herget. Über den Winter werden hier zehn kleine Teiche zu zwei großen zusammengelegt. Aus diesen soll sich in den nächsten Jahren ohne weiteres menschliches Zutun ein Schwarzstorch-Nahrungsbiotop entwickeln.

Geeignete Standorte zu finden, sei gar nicht so einfach gewesen, sagt Herget, der die genauen Orte lieber nicht nennen möchte, um keine Besucher anzulocken. Denn auch bei der Nahrungsaufnahme lässt sich der Schwarzstorch nicht gern stören. Um das Nahrungsangebot insgesamt zu vergrößern, will das Life-Projekt mit Unterstützung der Bevölkerung in den nächsten Jahren weitere Biotope schaffen. "Was wir tun, ist nur ein Baustein", fasst Elmar Herget zusammen. "Wir Menschen können diesem geheimnisvollen Vogel nur helfen, wenn wir seine zurückgezogene Lebensweise voll und ganz respektieren."

Aufruf

Falls jemand im Besitz einer stillgelegten Teichanlage ist, die er gerne dem Life-Projekt für den Schwarzstorchschutz in der Rhön zur Verfügung stellen möchte, kann er sich an Elmar Herget, elmar.herget@br-rhoen.de oder an die Homepage des Projekts wenden.

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