Bad Kissingen

Kunst in Zeiten von Corona: Mit Pragmatismus in die Krise

Die fränkischen Kabarettisten Bernd Regenauer und Lizzy Aumeier haben Zwangspause. Wie gehen sie mit dem Einkommensverlust um?
Bernd Regenauer ist von Absagen aufgrund von Corona betroffen. Das Foto zeigt ihn bei einem Auftritt in Bad Kissingen. Foto: Werner Vogel       -  Bernd Regenauer ist von Absagen aufgrund von Corona betroffen. Das Foto zeigt ihn bei einem Auftritt in Bad Kissingen. Foto: Werner Vogel
Bernd Regenauer ist von Absagen aufgrund von Corona betroffen. Das Foto zeigt ihn bei einem Auftritt in Bad Kissingen. Foto: Werner Vogel

Die Künstler trifft es in Zeiten von Corona besonders hart. Menschen, die darauf angewiesen sind, mit und in der Öffentlichkeit ihr Geld zu verdienen. Jedoch: Eine Gesellschaft, wie wir sie bislang kannten, gibt es momentan nicht. Bernd Regenauer und Lizzy Aumeier sind die Platzhirsche auf den fränkischen Bühnen. Auch sie haben in den nächsten Wochen keine Auftrittsmöglichkeiten - und somit kein Einkommen.

"Man bekommt Hornhaut"

"Es ist nicht änderbar", sagt Bernd Regenauer abgeklärt. Er fühlt mit den Kollegen, die im Frühjahr Premieren gefeiert hätten, denn: "Einige werden in Schwierigkeiten kommen, wenn die Premieren auf den Herbst verschoben werden - im Kabarett ändern sich die Themen doch wöchentlich, wenn man aktuelle Themen anspricht." Die Solidarität , so fürchtet er, werde nicht groß sei. Wie steht es um ihn? Hat er Existenzangst ? "Wirtschaftliche Angst kenne ich seit über 40 Jahren, seit ich als Selbstständiger auf Bühnen stehe. Man bekommt eine Hornhaut. Denn wenn ich zurückdenke, hatte ich schon so viele Tiefs, Angst , Panik und Depressionen , dass ich voller Überzeugung sagen kann: Es geht auch wieder aufwärts. Das ist eben auch eine Erfahrung, die ich gemacht habe: Wer weiß, dass es nach unten gehen kann, der weiß, dass es immer auch wieder aufwärts geht."

Die Idee, dass sich Künstler zusammenschließen und kostenpflichtige Online-Auftritte organisieren, bei denen der Besucher zuhause via Passwort Gast sein kann, hält er auf den ersten Blick für keine schlechte Idee, allerdings glaubt er nicht an einen Erfolg. "Der Zuschauer will ein Live-Erlebnis. Für alles andere hat er Youtube." Weg von seinen Problemen wirft er einen Blick aufs Zusammenleben: "Wenn eine Gesellschaft einen Stillstand für sechs bis acht Wochen nicht aushält, dann ist nicht die Situation krank, sondern die Gesellschaft."

Momentan denkt er auch an die Agenturen und Veranstalter, "die telefonieren sich die Finger wund, auch denen brechen die Einnahmen weg. Momentan überlegen wir, wie wir die stützen können". Aber irgendwann könne man aufhören, darüber nachzudenken: "Es wird der Punkt kommen, an dem wir sagen werden: Es ist einfach so."

"Mit Verlaub: Es kotzt mich an"

Dieser Pragmatismus versagt bei Regenauer allerdings bei denen, die "sich jetzt bereichern": "Was im Hintergrund der Corona-Krise gerade passiert - mit Verlaub, es kotzt mich an." Regenauer meint die Börsenzocker, die durch die Krise gewinnen wollen. "Unmoralische Gesindel, das aus Not Profit machen will."

Wie sehen seine Tage in Zeiten von Corona aus? "Heute, am Sonntag, gehe ich mit meiner Partnerin in die virenfreie fränkische Schweiz wandern. Und ab Montag widme ich mich meiner Zukunft: Ich arbeite mit meinem Regisseur an einem neuen Projekt."

Lizzy Aumeier scheint's mit Galgenhumor zu nehmen. Die Oberpfälzer Kabarettistin postet jeden Tag über ihr Leben mit Corona. Und das scheint einige Überraschungen bereitzuhalten: "Bin heute nicht wie geplant auf der Bühne, habe mich mal Zuhause umgeschaut - auf meinem Sofa sitzt ein Mann, der behauptet, seit 22 Jahren mit mir verheiratet zu sein...", so verbreitet sie samt Foto Frohsinn auf Facebook . Und wie schaut es innen aus? "Tatsächlich bin ich wahnsinnig froh, dass ich keine Schulden habe, die ich abbezahlen muss. Mein Mann und ich haben ein bisschen gespart, da müssen wir jetzt ran." Sie versucht nun, das neuartige Leben zu genießen: "Wir gehen viel spazieren und genießen es auch ein bisschen." Jedoch, die Frage, die sie umtreibt, kann ihr momentan keiner beantworten: "Wie lange wird das noch so gehen?"

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