LKR Bad Kissingen

Landkreis: Anerkennung für die Pflegekräfte?

Pflegekräfte und -bedürftige leiden schon lange unter den bekannten Problemen im Gesundheitswesen. In der Coronakrise wurde dies sichtbar. Wie erlebt das Personal den neuen Fokus auf die Pflege?
Pflegekräfte sind eher mäßig zufrieden mit der angekündigten Bonuszahlung Bayerns und begründen das.Jonas Güttler/dpa       -  Pflegekräfte sind eher mäßig zufrieden mit der angekündigten Bonuszahlung Bayerns und begründen das.Jonas Güttler/dpa
Pflegekräfte sind eher mäßig zufrieden mit der angekündigten Bonuszahlung Bayerns und begründen das.Jonas Güttler/dpa

Leute klatschen auf Balkonen und Ministerpräsidenten zahlen Boni. Ist das die Veränderung, die Pflegekräfte seit Jahren herbeisehnen? Betroffene sagen, eher nicht.

In Altenheimen wohnt die Hochrisikogruppe für Covid-19: Daher sind hier die Veränderungen des Alltags sehr spürbar - für Pflegende wie für Bewohner. Letztere dürfen nur mit triftigen Grund das Heim verlassen. Das Personal trägt nun durchgehend Mundschutz, muss mit dem Problem der zur Neige gehenden Schutzkleidung umgehen. Aufgaben, wie das Desinfizieren von Oberflächen kommen hinzu.

Der Bonus aus Bayern

Markus Söder hat wegen des Mehraufwandes, den die Pflege unter den Coronaauflagen hat, einen einmaligen Bonus von 500 Euro versprochen. Marietta Eder (Schweinfurt), stellvertretende Bezirksgeschäftsführerin von ver.di , ist seit gut vier Jahren mit dem Thema Pflege beschäftigt. Sie findet die Bonuszahlungen eine gute Sache, aber nicht jeder profitiere davon. Reinigungskräfte in Heimen und Kliniken bekämen die Zahlung nicht.

Auch eine Pflegekraft , die anonym bleiben will, ist zu diesem Thema zwiegespalten: "Also erstmal, es sind 500 Euro bares Geld auf die Hand, das ist schon toll." Andererseits merkt sie auch an, dass es sich etwas anfühlt, als wolle der Staat sie damit abspeisen. Es kommt ihr "ein wenig wie Bestechung" vor, als "drückt Vater Staat dem kleinen Bürger einen Batzen Geld in die Hand: Damit es weiter gehen kann wie zuvor, aber ohne das Motzen." Damit missachte die Regierung, dass nicht nur die Bezahlung in der Pflege ein Problem sei, sondern auch die Bedingungen, unter denen sie arbeiten. "Es ist im Großen und Ganzen eine schöne Aufmerksamkeit, aber ein Tropfen auf dem heißen Stein", findet die Pflegekraft .

Diesen Ton lässt auch die Mitarbeiterschaft in der Altenpflege der Diakonie in der Region Main-Rhön und Kitzingen, sowie der Vorstand der Diakonie Schweinfurt in einer Pressemitteilung anklingen: Der Bonus solle darüber hinwegtäuschen, dass die längst fällige Neubewertung der Pflegeberufe immer noch nicht erfolgt. "Einmal im Leben einen Bonus, verbunden mit öffentlichem Applaus, das kann es nicht gewesen sein", heißt es in der Pressemitteilung. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt, den Dienst der Pflege neu wahrzunehmen und nach der Bonus-Anzahlung auch das Gesamtpaket ihrer Leistung richtig zu bewerten.

Aufmerksamkeit für die Pflege

Die anonyme Pflegekraft ist der Meinung, dass sich grundlegend etwas ändern müsse: "Pflegende können unter aktuellen Bedingungen nicht gleich besser arbeiten, nur weil sie mehr Geld auf dem Konto haben. Unsere Gesundheitsvorsorge sollte an vielen Stellen verbessert werden." Boni seien gut, aber nicht der richtige Weg für folgende Ziele: Die Pflegequalität für Empfänger verbessern und langfristig ertragbare Arbeitsbedingungen für die Versorger zu erreichen. Denn der Beruf der Pflege war schon vor Corona ein harter. Er solle deshalb besser bezahlt werden.

Als Corona in Deutschland ankam und vielen dadurch bewusst wurde, wie die Pflege unter sowieso erschwerten Arbeitsbedingungen leidet, thematisierten viele das im Internet oder klatschten jeden Abend für die Arbeit des Pflegepersonals . Marietta Eder von ver.di sagt: "Ich freue mich über den Applaus für die Pflegekräfte , die Pizza-Lieferungen sind eine tolle Sache", sagt sie. "Aber das macht den Job nicht besser." Die anonyme Pflegekraft : "Ich finde es gut, dass die Leute da jetzt ein Auge drauf haben. Es ist ja auch ein toller Beruf, der wirklich schöne Seiten hat. Ich würde da echt gerne ein bisschen Werbung für sehen."

Denn es sei spürbar, wie wenige Menschen sich freiwillig mit dem Thema Pflege - und genauer noch mit der Altenpflege - auseinandersetzen: "Ich treffe kaum Menschen, die sich mit dem Thema mehr als unbedingt nötig befasst haben. Selbst dann nicht, wenn sie selbst schon betroffen waren", findet die Pflegekraft . Und wenn sich keiner damit beschäftige, könne sich das System nur schwer ändern. Die Aufmerksamkeit auf das Thema derzeit ist also wichtig. "Ich glaube aber, dieser Hype ist bald wieder vorbei."

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