LKR Bad Kissingen

Landkreis Bad Kissingen: Alarmierende Anrufe

Sie retten tagtäglich viele Leben oder helfen bei Konflikten. Das Rote Kreuz und die Polizei berichten, wie sie Notrufe organisieren und bewältigen.
Viele Smartphones haben SOS-Funktionen, mit denen Hilfe geholt werden kann. Foto: Zacharie Scheurer/dpa       -  Viele Smartphones haben SOS-Funktionen, mit denen Hilfe geholt werden kann. Foto: Zacharie Scheurer/dpa
Viele Smartphones haben SOS-Funktionen, mit denen Hilfe geholt werden kann. Foto: Zacharie Scheurer/dpa

Wenn ein Notfall eintritt, muss die Polizei oder das Rote Kreuz schnell Bescheid wissen. Es gibt zwei wichtige Nummern, die jeder in unerwarteten Situationen im Kopf haben sollte: Die 112 ( Notruf BRK) und die 110 ( Polizei ) .

Wählt man die 112, landet man bei den Mitarbeitern des BRK in Schweinfurt. Im Einsatzleitraum der Integrierten Leitstelle Schweinfurt (ILS) werden Notrufe entgegengenommen und entschieden, welche Rettungskräfte kommen. Die Leitstelle ist zuständig für die Landkreise Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld, Haßberge und den Landkreis und die Stadt Schweinfurt . Regulär arbeiten hier bis zu sieben Personen. "Es ist möglich, das Personal in wenigen Minuten aufzustocken", sagt Thomas Schlereth , Leiter der ILS Schweinfurt. Verwaltungsmitarbeiter können zusätzlich anpacken.Bis zu 16 Personen können zu Spitzenzeiten das Team unterstützen.

Spitzenzeiten

Als Auslöser für einen verstärkten Einsatz an Mitarbeitern nennt er die Unwetterwarnungen , die es vergangenes Wochenende gab. Auch für das Bad Kissinger Rakoczy-Fest plant die Einsatzstelle mit mehr Leuten. "Falls ein Pferd mit einer Kutsche durchgeht oder etwas anderes passiert", sagt Schlereth. Mehr Mitarbeiter werden auch an Silvester, am 1. Mai, beim Vatertag oder bei großen Veranstaltungen eingeplant.

Beim Notfallmanagement herrscht Arbeitsteilung. Ein Teil der Mitarbeiter nimmt Notrufe entgegen. Andere Mitarbeiter teilen zu, wer welchen Einsatz übernimmt. Manche sind speziell für Feuerwehreinsätze zuständig.

Fünf Bildschirme für das Notfallmanagement

Damit alle relevanten Informationen schnell einsehbar sind, sitzt jeder Mitarbeiter vor fünf großen Bildschirmen. In eine Datenbank gibt der Mitarbeiter Name, Ort und weitere Informationen zum Einsatz ein.

Ein Bildschirm zeigt eine Karte. Sie hilft bei der Einschätzung, wo sich der Anrufende befindet. Die Karten, die der Rettungsstelle zur Verfügung stehen, sind deutlich detaillierter als Google Maps. Der Computer beziehe etwa die Qualität der Straße mit ein und wie schnell ein Wagen darauf fahren könne, um zu berechnen, wann ein Rettungsteam vor Ort sei, berichtet Schlereth.

Außerdem sehen die Mitarbeiter auf ihren Bildschirmen eine Auflistung der eingehenden Notfallanrufe, eine Liste der Notfälle , die gerade bearbeitet werden und die verfügbare Anzahl an Rettungswagen.

Ein Bildschirm zeigt zusätzliche relevante Informationen wie das Wetter. Wenn etwa aus der Bad Kissinger Eishalle Ammoniak austrete, könnten die Mitarbeiter anhand der Wetterdaten mit Hilfe eines Programms besser einschätzen, wie sich das Gas ausbreitet, erklärt Schlereth.

"In den vergangenen Jahren ist mehr Technik dazu gekommen, die die Mitarbeiter unterstützen soll", sagt Schlereth.Vom Computer gibt es einen Vorschlag, welche Rettungskräfte alarmiert werden sollen und wer am schnellsten vor Ort ist. Der Mitarbeiter überprüfe dann, ob ihm die Berechnung des Computers sinnvoll erscheint.

Je nach Dringlichkeit und Schwere der Verletzungen werden ein Krankentransport, ein Rettungsdienst oder ein Rettungsdienst mit Notarzt alarmiert. Auch ein Hubschraubereinsatz ist möglich. Leitsatz sei dabei immer: "Der Schnellste kommt dazu."

Die Umstellung auf Digitalfunk sei eine wichtige Verbesserung gewesen. Dadurch seien die Rettungskräfte auch auf dem flachen Land besser erreichbar und es gebe weniger Funklöcher.

Seit März 2018 müssen neue Automodelle außerdem europaweit mit dem automatischen Notrufsystem E-Call ausgerüstet sein. "Das steckt bisher noch am Anfang. Es wird in Zukunft an Bedeutung gewinnen", sagt Schlereth.

Nicht immer gehen Notrufe ein

Nicht immer handelt es sich um einen Notfall : Im Jahr gehen beim BRK bis zu 80 000 Anrufe ein, die nicht zu einem Einsatz führen. Anrufer fragten etwa nach den Öffnungszeiten einer Apotheke. Manchmal können sie auch über Stunden ihren Hausarzt nicht erreichen. "Die Anrufer erhalten meist eine Weitervermittlung", sagt Schlereth. Gerade bei älteren Anrufern gehöre es zum Service, bei der Recherche zu helfen. Auch Unfälle ohne Personenschaden würden fälschlicherweise unter der 112 gemeldet.

Notruf bei der Polizei

Wer die 110 wählt, wird mit der Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Unterfranken verbunden.Bevor der Anruf in die Polizeizentrale durchgestellt wird, hört der Anrufer einen Ansagetext. In diesem wird man aufgefordert, nicht aufzulegen. Außerdem ertönt ein Hinweis, dass man bei der Notrufzentrale der Polizei anruft. Der Anrufer muss ein paar Sekunden warten. Erst dann klingelt es tatsächlich in der Polizei-Einsatzzentrale. "Man hat noch die Gelegenheit aufzulegen", sagt Klaus Scheuermann, Stellvertreter des Sachgebietsleiters in der Würzburger Einsatzzentrale.Legt der Anrufer innerhalb dieser Sekunden auf, bekommt die Zentrale von diesem Anruf nichts mit. Keiner könne behaupten, er habe nicht gewusst, wo er angerufen habe, findet Scheuermann. Diesen vorgeschalteten Anrufmechanismus gibt es bei der 112 ( Notruf BRK) nicht.

Selten passiere es, dass mehrere Anrufe fast zeitgleich eingehen, sagt Scheuermann.Wenn es doch geschehe, komme der Anruf, der etwas später eingegangen ist, in eine Warteschleife. "Die Telefonate werden dann der Reihe nach abgearbeitet."

Die Polizisten erfragen wichtige Infos. Dazu gehören die klassischen W-Fragen: Wer ruft an? Was ist passiert? Wo ist es geschehen? Wer ist beteiligt? Gibt es Verletzte? "Manchmal bitten wir auch darum, auf die Dienststelle vor Ort zu gehen", sagt Scheuermann. Etwa wenn es sich um eine Betrugssituation handelt, etwa ein Computer gehackt wurde. Dann sei es sinnvoller, mit dem Laptop auf die Dienststelle zu kommen.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • LKR Bad Kissingen
  • Computer
  • Datenbanken
  • Google
  • Google Maps
  • Hausärzte
  • Notfälle
  • Notrufe
  • Polizei
  • Rakoczy-Fest
  • Rotes Kreuz
  • Stadt Schweinfurt
  • Thomas Schlereth
  • Unwetterwarnungen
  • Vatertag
  • Wetterdaten
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!