Bad Kissingen

Landkreis Bad Kissingen: Schwere Zeiten für die Reisebranche

Die Corona-Pandemie lässt keinen Geschäftszweig unberührt. In Bad Kissingen muss ein Reisebüro wegen des Virus schließen. Wie geht es in der Branche weiter?
Der Bustourismus im Landkreis Bad Kissingen hat es derzeit schwer. Foto: Archiv: Sigismund von Dobschütz       -  Der Bustourismus im Landkreis Bad Kissingen hat es derzeit schwer. Foto: Archiv: Sigismund von Dobschütz
Der Bustourismus im Landkreis Bad Kissingen hat es derzeit schwer. Foto: Archiv: Sigismund von Dobschütz

Sommerzeit ist Urlaubszeit - das gilt heuer nur bedingt. Mit dem Reisebus an die Adriaküste fahren ist heuer nicht selbstverständlich. Ursache ist das Coronavirus. Für die Reisebüros und Fahrtenanbieter ist die Pandemie vor allem eins: Gefährlich für die Existenz. Ein Bad Kissinger Unternehmen dieser Branche hat sich wegen der Umstände dazu entschlossen, sein Reisebüro zu schließen.

Corona-Pandemie sorgt für Probleme in der Reisebranche

Der Inhaber verwies gegenüber der Redaktion auf die Homepage seines Reisebüros . Dort veröffentlichte er einen Text, in dem er die Kunden über die Schließung informierte. Das Verreisen berge während der Corona-Pandemie ein unkalkulierbares Risiko.

Unternehmen reagierte auf die Situation

Die Folge daraus: Das Unternehmen müsse sich von den eigenveranstalteten Katalogreisen trennen. Mit einer solchen Entwicklung sei zu Beginn des Jahres nicht zu rechnen gewesen. Das Reisebüro schließt zum 31. August.

Wie geht es weiter?

Das komplette Ende für das Unternehmen ist es allerdings nicht. Auf der Homepage heißt es: "Wir werden weiterhin im Linien-, Schul- und Anmietverkehr tätig sein und auch Gruppen sowie Vereine gerne bei der Reiseplanung unterstützen."

Karola Frischat, vom gleichnamigen Reisebüro in Burkardroth, bietet ebenfalls Busreisen an. Im Gegensatz zum Bad Kissinger Unternehmer muss sie Busse anmieten. "Momentan ist es sehr verhalten. Die Leute wollen mit Masken nicht in den Bus", sagt sie. Von den Fahrten, die stattfinden, weiß sie, dass die Busse nicht voll besetzt sind. "Die Leute haben derzeit gemischte Gefühle. Manche wollen weg, andere haben Angst", erklärt sie sich die Situation.

Viele Aufgaben zu erledigen

Das Reisebüro hat seit April Kurzarbeit. "Das bleibt auch erstmal so", sagt Frischat. Die Füße hochlegen können sie und ihre Mitarbeiter dennoch nicht. "Wir haben nicht nichts zu tun. Es geht um Umbuchungen, Stornierungen und so weiter", gibt sie Einblick in die Arbeitsabläufe. Die Situation vergleicht sie mit einem Zahnrad: "Es greift von einer Branche in die andere über. Es betrifft nicht nur die Bus- oder Reisebranche , sondern auch die Hotels oder Restaurants und natürlich die Angestellten." Frischat war daher auf einer Demonstration in Berlin, bei der auf die Belange der Reisebranche aufmerksam gemacht wurde.

Was manches Unternehmen überleben lässt

Von Busunternehmen, mit denen das Reisebüro zusammenarbeitet weiß sie, dass der Linienbusbetrieb vielen Busunternehmen helfe. Das bestätigen Busunternehmer aus der Region. "Es gibt Branchen, die es wirklich hart getroffen hat, die Reisebusunternehmer gehören dazu", sagt Jürgen Wolf vom Busunternehmen Wolf in Münnerstadt, dem auch ein Reisebüro angeschlossen ist. Wolf stellt fest, dass Schul- und Linienbusverkehr die Betriebe überleben lasse, auch ein weiterer Unternehmer aus der Region bestätigt diese Aussage.

Jürgen Wolf will den Ausflugsverkehr jetzt langsam wieder anlaufen lassen. Er hat vor, erst einmal mit einer Fahrt ins Blaue zu beginnen. Aber die Nachfrage sei noch sehr verhalten, sagt er. Viele, die sonst gerne an solchen Ausflügen teilgenommen haben, sind älltere Menschen und haben jetzt Angst vor einer Ansteckung.

Andere scheuen die bestehende Maskenpflicht im Bus, weiß auch Jürgen Wolf aus Gesprächen. Auch Vereinsausflüge, die vor Corona von den Unternehmen durchgeführt wurden, würden derzeit noch so gut wie nicht angefragt.

Gewaltiges Zusatzpensum an Arbeit

Für die Reisebusunternehmer ist der Aufwand enorm hoch geworden ist. Nicht nur die Hygienevorschriften müssen eingehalten werden; die Dokumentation, die der Busfahrer während einer Tour leisten muss, sei dadurch gewaltig, sagt Jürgen Wolf . Hinzu kommt, dass die Ausflugslokale , die von Bussen angesteuert werden, oftmals mehr Ruhetage haben als früher, so dass die Planung schwieriger wird.

Reisen mit Hürden

Von den eigentlich so beliebten Busreisen ins benachbarte Ausland redet er da noch gar nicht. Bei einer Fahrt an den Gardasee mussten die Busse drei Länder mit jeweils unterschiedlichen Corona-Regeln durchqueren. Außerdem sei die Haftungsfrage im Infektionsfall in jedem Land anders. "Das macht den Reiseverkehr sehr kompliziert".

Silberstreif am Horizont

Trotz allem: Karola Frischat hat die Hoffnung noch nicht verloren. "Für den Herbst haben wir wieder einige Buchungen bekommen und außerdem gibt es doch recht viele Anfragen zu Weihnachtsmarkt-Fahrten oder für die Silvesterfahrt." Auch Jürgen Wolf setzt auf den Herbst und darauf, dass das Interesse wieder steigt. Die Weihnachtsmärkte sieht er als einen Gradmesser, ob es mit der Branche langsam wieder aufwärts gehen wird. "Wir hoffen auf bessere Zeiten", sagt der Münnerstädter. 2020 allerdings, erklärt er, werde als "verlorenes wirtschaftliches Jahr in die Bücher eingehen. "

Ein Artikel von Heike Beudert und Johannes Schlereth

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