LKR Bad Kissingen

Landkreis Bad Kissingen: Seniorenheime im Krisenmodus

Die Corona-Fälle im Seniorenheim Kramerswiesen rufen auch in anderen Einrichtungen Bestürzung hervor. Die Sicherheitsvorkehrungen sind hoch, die Lage weitgehend ruhig. Dass Schutzkleidung knapp wird, ist derzeit noch kein Thema.
Die Corona-Fälle im Seniorenheim Kramerswiesen in Oerlenbach haben auch in anderen Einrichtungen im Landkreis Bad Kissingen für Bestürzung gesorgt. Foto: Peter Rauch       -  Die Corona-Fälle im Seniorenheim Kramerswiesen in Oerlenbach haben auch in anderen Einrichtungen im Landkreis Bad Kissingen für Bestürzung gesorgt. Foto: Peter Rauch
| Die Corona-Fälle im Seniorenheim Kramerswiesen in Oerlenbach haben auch in anderen Einrichtungen im Landkreis Bad Kissingen für Bestürzung gesorgt. Foto: Peter Rauch

Der Schock war groß, als bestätigt wurde, dass es die ersten Coronafälle in einem Seniorenheim im Landkreis Bad Kissingen gibt. In dem Oerlenbacher Seniorenheim Kramerswiesen wurden 20 Bewohner und elf Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet. Eine 85-jährige Infizierte mit mehreren Vorerkrankungen war Anfang der Woche in einer Klinik gestorben.

"Es ist eine extrem belastende Situation für Bewohner und Mitarbeiter", sagt Volker Göbel, Mitglied der Geschäftsleitung für die Altenpflege beim Diakonischen Werk Schweinfurt. Er ist neben dem Seniorenhaus Kramerswiesen in Oerlenbach auch für das Bad Kissinger Diakonie-Pflegezentrum Theresienstift und weitere Schweinfurter Seniorenzentren zuständig. "Die Lage hat sich stabilisiert", sagt er. Nachdem alle Bewohner und Mitarbeiter in Oerlenbach getestet wurden, "haben wir Planungssicherheit gewonnen, welche Mitarbeiter noch gesund sind und wen wir einsetzen können."

Die Fälle hätten die Mitarbeiter verunsichert. Göbel: "Man glaubt bis zuletzt an sich und dann bahnt sich das Virus doch seinen Weg. Egal, was man tut." Aber: "Wir lernen durch die Situation." Mitarbeiter seien nochmal sensibler, da es Kollegen getroffen habe. "Man überdenkt seine eigenen Handlungen noch kritischer", sagt er.

Schutzausrüstung auf Lager

Die kreiseigene Carl von Heß'sche Sozialstiftung betreibt sieben Altenpflegeheime im Landkreis, in Hammelburg, Bad Brückenau, Münnerstadt, Zeitlofs, Oberthulba und Euerdorf. "Die Vorkommnisse in Oerlenbach und Würzburg haben uns sehr bestürzt", sagt Stiftungsvorstand Marco Schäfer. Die Schutzvorkehrungen für Bewohner und Mitarbeiter in den Heimen seien hochgefahren worden, wenige Stunden bevor die Regierung die Ausgangsbeschränkung verhängte. Grundsätzlich gelten die Schutzbestimmungen für Altenheime bayernweit. Heimintern können sie aber verschärft werden, weil sie unter das Hausrecht fallen. "Viel mehr kann man aber nicht machen. Wir tun alles, um unsere Bewohner abzuschotten und versuchen, die Zeit so gut wie möglich zu überbrücken", erklärt Schäfer.

Das Besuchsverbot werde akzeptiert, Verstöße seien nicht aufgefallen. Über das Telefon wird versucht, den Kontakt der Bewohner zu den Angehörigen zu halten. Und: "Wir haben die Betreuung hochgefahren, um den fehlenden Kontakt zu den Angehörigen zu kompensieren", berichtet Schäfer. Die sieben Einrichtungen verfügen bislang über ausreichende Mengen an Schutzkleidung und Schutzmasken in verschiedenen Kategorien. Die komplette Schutzmontur mit FFP2-Masken solle nur bei Verdachtsfällen und Infizierten zum Einsatz kommen. Schäfer: "Bislang reichen unsere Kapazitäten aus, aber das hängt auch davon ab, wie die nächsten Tage verlaufen."

Corona seit Januar Thema

Pflegeunternehmer Michael Wehner macht seine Angestellten bereits seit längerem für Corona bereit. "Eigentlich beschäftigt es uns seit Januar, zu dem Zeitpunkt haben wir uns im Einkauf darauf vorbereitet", teilt der Geschäftsführer vom Pflegedienst Wehner, Seniorenheim und Tagespflege Saaleufer, Seniorenheim Rhönblick und Wenoba Heimbeatmungsservice, mit.

Vor sechs Wochen habe es eine erste interne Schulung gegeben, um den Angestellten Ängste zu nehmen. Es gründete sich ein interner Krisenstab. "Wir arbeiten seit etwa vier Wochen, als hätten wir schon Coronafälle bei uns", sagt Wehner. Mehrfach täglich desinfizieren Mitarbeiter beispielsweise Türklinken oder Lichtschalter. Außerdem gibt es täglich eine Videokonferenz mit den Leitungskräften aus Pflege und Verwaltung. Wehner: "Das Ziel ist, jeden Schritt so zu planen, dass alle Bereiche auf dem gleichen Stand sind."

Wehner setzt nicht auf die FFP-Schutzmasken. "Wir nehmen normalen Mundschutz. Die FFP-Masken haben ein Ventil zum Ausatmen. Dadurch könnten Viren mit ausgeatmet werden und sich die Leute infizieren." Weil Mundschutz-Masken derzeit schwer zu beschaffen sind, nähen Hauswirtschaftler aus dem Firmenverbund mittlerweile mehrfachverwendbare Masken für den Eigenbedarf.

Angehörige schreiben Karten

Eingeschränkt hat Wehner Teile seiner Dienstleistungen. Die Tagespflege ist geschlossen und der Pflegedienst zurückgefahren. Auch er berichtet, dass die Angehörigen verständnisvoll auf die Änderungen reagiert haben. "Es ging gut miteinander, viele haben erkannt, dass momentan der ältere Mensch der Gefährdete ist", sagt Wehner.

Das Parkwohnstift der AWO in Garitz bietet neben der Altenpflegestation auch betreutes Wohnen an. Die Bewohner im betreuten Wohnen können sich noch so frei bewegen, wie alle in Bayern: etwa einkaufen gehen oder spazieren. Dies können sie auch jetzt noch tun. Jedoch ist der Besuch in der gesamten Einrichtung untersagt - wie es die Regelungen des Landes Bayern vorsehen, erklärt Katharina Benkert vom Parkwohnstift. Die Stimmung in der Anlage beschreibt sie als diffus: "Manche haben mehr Angst, manche weniger, das ist wahnsinnig unterschiedlich." Auch im Parkwohnstift wurde ein Krisenstab eingerichtet, der sich täglich trifft.

Peter Martin , Heimleiter beim Haus der Familie in Münnerstadt-Windheim berichtet, dass es in der Einrichtung bisher keine Corona-Infektionen gibt. "Wir versuchen, trotz der Isolation den Tagesablauf der Bewohner so angenehm und normal wie möglich zu gestalten", erklärt er. Die Angehörigen schrieben Ansichtskarten. Die Mitarbeiter lesen diese vor. Das vermittle den Bewohnern das Gefühl, nicht vergessen worden zu sein. "Diese Anregung wird sehr rege von den Angehörigen genutzt", sagt Martin. Alle Bewohner und Mitarbeiter hoffen, dass die Krise so bald wie möglich vorbei ist und die Isolation wieder aufgehoben werden kann. "Die Mitarbeiter selbst versuchen, ihre privaten Kontakte soweit wie möglich einzuschränken, um die Bewohner nicht zu gefährden", sagt der Heimleiter.

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