Bad Kissingen

Landkreis bemüht sich um gesunde Luft in den elf Kreisschulen

Der Kreis will 99 Luftreinigungsgeräte in Klassenzimmern aufstellen. Für 250 weitere Schulräume wurden CO2-Sensoren verteilt. Warum das vielleicht trotzdem noch nicht reicht.
Ein gutes Signal: Die CO2-Ampel vor dem Luftfiltergerät zeigt gelb. Das heißt, der Klassenraum ist gut belüftet.
Foto: Archiv Hauke-Christian Dittrich | Ein gutes Signal: Die CO2-Ampel vor dem Luftfiltergerät zeigt gelb. Das heißt, der Klassenraum ist gut belüftet.

Die Corona-Pandemie macht’s notwendig: Um die Aerosol-Belastung in Schulräumen zu senken, muss regelmäßig gelüftet werden. Deshalb saßen die Schüler*innen in jüngster Zeit teils mit Jacken, Schals und Mützen im Unterricht. Dann hatte der Freistaat Anfang Oktober 2020 verkündet, Luftfilteranlagen für Schulen mit 50 Millionen Euro zu fördern – und zwar jeweils zu 100 Prozent, aber maximal mit 3500 Euro pro Klassenzimmer. Der Landkreis will jetzt 99 solcher Geräte in den kreiseigenen Schulen installieren (wir berichteten).

Die Fördermittel, die bis 31. Dezember 2020 beantragt werden mussten, gibt’s aber nur für Geräte in Räumen, in denen Fenster nicht zum Lüften geöffnet werden können. Dann hatte der Freistaat nachgebessert: In einer zweiten Förderphase können Schulen nun bis 31. März 2021 mobile Luftfilteranlagen für alle Räume – also auch für solche, in denen Luftaustausch durch Fenster erfolgt - beantragen. Diesmal werden die mobilen Geräte zu 50 Prozent und mit maximal 1750 Euro pro Klassenzimmer gefördert. Im jüngsten Kreisausschuss ging’s nun darum, ob man weitere Schulräume mit mobilen Filtergeräten ausstatten sollte. Die Meinungen gingen auseinander.

250 CO2-Sensoren verteilt

Bei den kreiseigenen Schulen war schon im Herbst 2020 der Bedarf für Luftfilteranlagen abgefragt worden. Vier Schulen hatten sich gemeldet. Im Dezember hatte der Kreis das Ingenieurbüro Helfrich (Bad Kissingen) damit beauftragt,  die Räumlichkeiten dieser Schulhäuser zu prüfen. Es wurden 99 Klassen- und Fachräume ermittelt, für die mobile Luftreinigungsgeräte angeschafft werden können.

Die Kosten je Raum betragen, laut Ingenieurbüro, je nach Raumgröße netto 3300 bis 3500 Euro, das heißt durchschnittlich 4265 Euro brutto pro Gerät.  Damit ergäben sich Brutto-Gesamtkosten von 422 295 Euro, war am Montag zu erfahren.

Zudem konnten in dieser ersten Förderphase auch CO2-Sensoren beantragt werden, die grundsätzlich in jede Klassen- oder Fachraum aufgestellt werden können. 250 dieser Geräte wurden vom Landkreis bereits angeschafft und verteilt, hieß es im jüngsten Kreisausschuss.

So sieht es aus, wenn der CO2-Sensor die Luftqualität im Klassenzimmer misst und so das richtige Lüften unterstützt.
Foto: Archiv Gabriele Seelmann | So sieht es aus, wenn der CO2-Sensor die Luftqualität im Klassenzimmer misst und so das richtige Lüften unterstützt.

Wartungskosten mit einberechnen

In der Sitzung am Montag stellte Diplom-Ingenieur Sebastian Kuhn vom Ingenieur-Büro Helfrich (Bad Kissingen) verschiedene mobile Luftfilteranlagen vor, die laut staatlicher Förderrichtlinie für die Kreisschulen in Frage kämen. Kriterien dabei sind der HEPA Filter nach der Norm DIN EN 1822, eine ausreichende Luftfilterrate und ein angemessener Schalldruckpegel im Unterricht. Kuhn wies darauf hin, dass man bei den Geräten auch die Wartungsarbeiten mit einkalkulieren muss. Alle zwei Jahre sei mit Wartungskosten von 300 bis 500 Euro pro Gerät zu rechnen.

Ansonsten ergebe sich kein erheblicher täglicher Aufwand, sagte Kuhn auf Nachfrage von Roland Limpert (PWG). Der Hausmeister werde möglicherweise täglich seine Runde in den Räumen drehen und prüfen, ob die Anlagen laufen. Waldemar Bug (ÖDP) wollte wissen, ob die Geräte nonstop laufen und die entsprechenden Stromanschlüsse dafür ausreichen, was Kuhn bejahte. Die Ausschreibung für die Luftreinigungsgeräte läuft.

Weitere mobile Geräte anschaffen oder nicht?

Was die Anschaffung weiterer Luftreinigungsgeräte in der zweiten Förderrunde angeht, will der Landkreis, zusammen mit dem Büro Helfrich, den weiteren Bedarf prüfen. "Die Grundfrage ist aber jetzt, wie wir das in den Schulen handhaben wollen", sagte Landrat Thomas Bold mit Blick auf die Kosten. Das Büro Helfrich hat jetzt nämlich angeboten, 250 Klassen-und Fachräume sowie Lehrerzimmer in vier weiteren Kreisschulen unter die Lupe zu nehmen und dort den Luftaustausch zu prüfen.

Nach Ansicht von Gerhard Schneider (CSU) gehe es in der zweiten Förderrunde um Räume, die auch gelüftet werden können. "Das Lüftungskonzept ist sowieso das A und O", fand er. Man könne Luftfilteranlagen schließlich nicht in jedem Raum aller elf Schulen aufstellen. Er befürchtete, dass man so auch die Angst schüren würde, dass es ohne diese Geräte gar nicht mehr geht. Er lehnte deshalb eine "weitere Beschaffung in großem Stil" ab.

Zu teuer soll's nicht werden

Es gebe aber bislang noch keinen geeigneten Impfstoff für Kinder, sagte Tobias Eichelbrönner (Die Grünen). Das Thema Schulen in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie sei noch länger brisant. Freilich bessere sich die Situation im Sommer wieder, wenn länger gelüftet werden kann. Doch der Luftaustausch erfolge bei Wärme langsamer. Eichelbrönner hielt es für wichtig, in weiteren Schulräumen, zum Beispiel mittels CO2-Sensoren, zu prüfen, wie die Luftbeschaffenheit ist. Möglicherweise sei doch in dem ein oder anderen Klassenzimmer eine mobile Lüftungsanlage notwendig.

Man werde sich zunächst mit den Schulverwaltungen und dem Ingenieurbüro abstimmen, sagte Landrat Bold. Er machte jedoch klar, dass man diese Luftreinigungsgeräte nicht in allen Schulräumen aufstellen könne - nicht einmal in all den 250 Zimmern, die das Ingenieurbüro demnächst möglicherweise untersuchen wird. "Das ist zu teuer." Denn schließlich muss der Kreis in der zweiten Förderrunde die Hälfte der Beschaffungskosten für diese Anlagen selbst tragen.

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